Tatort: Leitmayr und Batic am Tiefpunkt der Abwärtsspirale

Müde Krieger: In ihrem 75. Fall sind Leitmayr und Batic unten angekommen.

Die Karriere von Ivo Batic und Franz Leitmayr ist seit Jahren ein einziger Zermürbungskrieg. „Besser“ liegt für die beiden Münchner Tatortkommissare immer in der Vergangenheit. Die Gegenwart ist immer nur eine Station auf einer Spirale, die nur eine Richtung kennt: abwärts. Am Anfang ihres 75. Falls, so scheint es, haben die beiden endgültig den absoluten Tiefpunkt erreicht.

In „Der Tod ist unser ganzes Leben“ werden Leitmayr und Batic von einem alten Fall eingeholt. Der Täter, der in der Folge „Die Wahrheit“ auf offener Straße einen Mann erstach und davonkam, schlägt ein zweites Mal zu. Und diesmal gelingt es den Kommissaren, ihn zu identifizieren und zu verhaften. Doch dieser Erfolg liegt, als dieser Tatort beginnt, auch in der Vergangenheit.

Zu Beginn der Folge liegt Batic im künstlichen Koma und Leitmayr humpelt, auf eine Krücke gestützt, zu dumpf-wabernder Musik in einen internen Ermittlungsausschuss, wo er erzählen soll, wie es soweit kommen konnte. Zuerst allerdings löst er sich ein großes Aspirin in einem Glas Wasser. Wie gesagt: Tiefpunkt.

Ein alter Fall bringt die Kommissare an ihre Grenzen

Als der Mörder in „Die Wahrheit“ zum ersten Mal zuschlug, nahm das vor allem Batic sehr mit. Der Kommissar freundete sich mit Ayumi Schröder, der Frau des Opfers, an. Romantisch gestimmte Zuschauer könnten sagen: er verliebte sich in sie. Kein Wunder also, dass er, als der Täter gefasst wird, entsprechend schlecht auf diesen zu sprechen ist.

Klaus Barthold, ein Killer gewordener Bausparvertrag mit lichtem Haar und Zähltick, hatte seine Opfer per Zufall ausgesucht – jeder fünfte musste sterben. In der Vernehmung zeigt er weder Reue noch Verständnis und gibt keine Antworten auf die Fragen, die der wütende Batic ihm stellt. Im Gegenteil: er provoziert ihn noch.

Deshalb wollen die beiden Kommissare den Gefangenentransport begleiten, der den Täter zu seinem Gerichtstermin bringen soll. Sie wollen Antworten, doch auf dem Weg von Landshut nach München geht dann alles schief.

Die Fahrer des Transports wurden bestochen und fliehen mit dem Täter in eine nahegelegene, stillgelegte Fabrik. Einer der Fahrer wird angeschossen und verblutet. Als die Kommissare dem Transport folgen, rammt Barthold Leitmayr einen langen Nagel ins Bein und wirft ihn über eine Brüstung. Er wird ohnmächtig und wacht erst auf, als ein Schuss über das Fabrikgelände schallt.

Leitmayr findet Batic, der angeschossen zwischen der toten Fahrerin und dem toten Barthold liegt. Hat sein langjähriger Partner die Nerven verloren? Genau darum geht es im Untersuchungsausschuss, in dem sich der Kommissar inzwischen sein zweites Aspirin reinzieht.

Ist Batic zum Mörder geworden?

Die ballistische Untersuchung scheint Batic widerspruchslos zu beschuldigen: Sowohl die Fahrerin als auch der Mörder wurden mit seiner Dienstwaffe erschossen. Und als der Kommissar aus dem Koma aufwacht, gesteht er die Tat.

Leitmayr kann das nicht akzeptieren. Verzweifelt versucht er die Unschuld seines Freundes zu beweisen, obwohl dieser ihn über den Tathergang angelogen hatte. Auch als Batic aus dem Krankenhaus flieht, glaubt er noch an ihn.

Er soll Recht behalten: Batic wollte mit seinem Geständnis die Witwe des ersten Opfers beschützen. Ayumi Schröder hatte die Transportfahrer bestochen, damit diese Barthold auf das verlassene Fabrikgelände fahren. Eigentlich wollte sie nur mit ihm reden, aber als die Fahrerin Batic anschoss und ein zweites Mal auf ihn zielte, tötete sie sie mit der Waffe, die der Kommissar hatte fallen lassen. Als der Täter ihr dann keine Antworten gab, sondern sie stattdessen provozierte, drückte sie ein zweites Mal ab. Und obwohl Batic sie daran hindern will, stellt sie sich der Polizei.

Der neue Münchentatort ist ein großartig strukturierter Thriller

Es geht um Vertrauen in diesem Tatort. Wie gut kann man einen Menschen, dem man nahe ist, wirklich kennen? Diese Frage kreist wie ein dunkler Vogel von Anfang an über der Geschichte. „26 Jahre sind eine lange Zeit. Man meint, man kennt sich auswendig, vertraut sich blind und plötzlich wackelt alles“, sagt die Leiterin des Ermittlungsausschusses zu Leitmayr, als sie im Krankenhaus vor Batic’ Zimmer sitzen. Als Zitat klingt das zwar gut, im Film selbst ist es aber nur eine überflüssige, pathetische Zusammenfassung. Man braucht sie nicht, weil der Film die Frage im Subtext praktisch schreit.

Der 75. Fall der beiden Münchner Kommissare ist ein großartig strukturierter, spannender Thriller, der im sonstigen Sonntagabendkrimigewäsch positiv hervorsticht. So freut man sich auf die nächsten 75 Fälle von Leitmayr und Batic. Die Frage ist nur: wohin soll es mit den beiden noch gehen?

Am Ende von „Der Tod ist unser ganzes Leben“ sitzen die beiden Kommissare erschöpft und weißhaarig auf einer Parkbank und Leitmayr stellt genau diese Frage: „Wie soll das weitergehen mit uns?“ Er bittet seinen Freund, ihm dieses Mal wirklich die Wahrheit zu sagen. Als Batic ihn fragt, was schon die Wahrheit sei, antwortet er: „Die Wahrheit ist, dass wir beide noch ein paar Jahre vor uns haben.“ Zwei müde Krieger am Tiefpunkt der Abwärtsspirale. (jl)

Foto: Screenshot/ARD

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