Tatort mit Heike Makatsch: Erst unaufgeregt, dann uninteressant

Maria Timtschenko
Freie Journalistin
Heike Makatsch als Kommissarin mit Bindungsstörungen. Foto: SWR

Zum zweiten Mal ermittelt Heike Makatsch als Kommissarin Ellen Berlinger im Tatort, nach Freiburg ist in der aktuellen Folge “Zeit der Frösche” nun Mainz dran. Trübe tröpfelt der Regen vom Himmel, unaufgeregt plätschert die Story dahin. Was am Anfang zur Stärke des Krimis hätte werden können, endet zum Schluss in vorhersehbarer Langeweile.

Es ist ein blutverschmierter Pullover der Ellen Berlingers (Heike Makatsch) neuen Kollegen Kommissar Martin Rascher (Sebastian Blomberg) auf den Plan ruft. Der ist seit mehreren Jahren auf der Suche nach einem Serientäter, der Kinder erst erwürgt und schließlich ersticht. Der Pullover, gefunden in der Altkleidersammlung, könnte ein Detail des nächsten Mordfalls aus der Serie sein.

Das junge Mädchen Marie, das bald darauf gefunden wird, wurde jedoch mit einem Stein erschlagen, die Eltern sind reich und haben keine Ahnung, was im Leben ihrer Tochter vorgeht. Erst die Haushälterin muss der Polizei mitteilen: “Marie mochte da einen Jungen.”

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Schnell gerät dieser Junge namens Max in den Fokus. Stärker jedoch ist Ellen Berlinger auf den Sohn ihrer Cousine fixiert, dem 13-jährigen Mathe-Genie Jonas. Der kennt sich zwar mit Zahlen aus, jedoch nicht mit Emotionen. Dem drei Jahre älteren Max gibt er Nachhilfeunterricht, beide gehen auf dieselbe Schule wie Marie. Die gefundene, blutverschmierte Jacke gehört dem sozial auffälligen Jonas, ergibt der Laborbericht. Der jedoch ist seit dem Mord verschwunden.

Allerlei Nebenschauplätze ohne Sinn

Eigentlich scheint die Spur ja klar, doch die Tatort-Macher versuchen trotzdem kläglich, die Fährte noch woanders hinzulenken. Maries Eltern bekommen eine Lösegeldforderung. 10.000 Euro. Die seien nicht das Problem, meinen die Eltern. Das Problem vielmehr ist, dass Marie bereits tot aufgefunden wurde. Die Kommissare teilen das aber aus taktischen Gründen den Eltern erst nach der Lösegeldübergabe mit, um sich den Zugriff auf den Erpresser nicht zu verderben. Der wiederum ist nur ein Junkie, der alle Infos über die Familie von Marie aus dem Internet gesucht hat.

Ellen Berlinger foltert einen Junkie, der im Grunde keine große Rolle im Fall spielt. Diese Szene hätte es nicht gebraucht. Foto: Screenshot / ARD

Bisher haben sich die Kommissare Rascher und Berlinger durch ihre ruhige Ausstrahlung beliebt gemacht. Gelungen waren auch die Aufnahmen der Mainzer Szenerie. Die Bilder vermittelten Trostlosigkeit, die zur Handlung passte. Ebenso ungewohnt wie angenehm war die Psyche von Rascher und Berlinger, denn die spielte keine übergeordnete Rolle. Es ging nicht um zerrüttete Ehen, um Alkoholismus, um posttraumatische Belastungsstörungen. Alle gaben sich halbwegs normal und haben sich auf den Fall konzentriert.

Bis Ellen Berlinger den Junkie-Erpresser mit Waterboarding zum Geständnis zwingen will: Sie hält seinen Kopf unter den Wasserhahn. Er ist völlig im Delirium, stammelt etwas von “Fotze”. Rascher sagt nur: “Wir müssen die sein, die sowas nicht machen.” Er übernimmt das “Verhör”. Eine völlig sinnentleerte Szene, die nur eins deutlich macht: Ab jetzt geht´s bergab.

Dann wird auch noch Berlingers Liebesleben thematisiert. Der süße Kindergärtner ihrer Tochter möchte mit ihr ausgehen, sie stellt erst auf stur, dann will sie ihn beim ersten Treffen gleich verführen. Später nutzt sie ihn als Babysitter auch außerhalb seiner Arbeitszeit in der Krippe. Er bleibt charmant, am Ende sagen sie sich beim Bier, dass sie nicht verliebt ineinander sind. “Was würdest du tun, wenn du verliebt wärst?”, fragt der Kindergärtner. “Flüchten”, sagt Berlinger. Die Beziehungen der Tatort-Kommissare wurden schon einmal spannender dargestellt.

Außerdem werden ihre Cousine und deren Mann um Schutzgeld erpresst. Neben ihrem sozial auffälligen Kind, haben die beiden also auch noch geschäftliche Probleme, die bis zur sexuellen Nötigung durch den Erpresser reichen.

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Marie trifft Max und Jonas beim Mathe lernen. “Die will mich voll”, sagt Max zu Jonas. Foto SWR

Keine Überraschungen zum Schluss

Am Ende wird Jonas doch noch gefunden. Berlingers Cousine hatte ihren Sohn, aus Angst er könne verhaftet werden, bei dem Schutzgelderpresser untergebracht. Der 13-Jährige gesteht den Mord, doch schnell wird klar, dass er nur seinen Freund Max deckt. Der hatte sich von Marie herabgewürdigt gefühlt und sie im Affekt erschlagen. “Max ist mein Freund. Ich hab ihm gesagt, dass ich ihm Nachhilfe gebe, das geht doch nicht wenn er im Gefängnis sitzt.”, erklärt Jonas sein Handeln.

Überraschend war das zu diesem Zeitpunkt für niemanden mehr. Bereits nach der Hälfte des Films war klar, dass mit Jonas und Max etwas nicht stimmen kann. Ärgerlich ist dann nur, wenn man die zweite Hälfte mit der Hoffnung auf einen gewitzten Dreh am Ende verbringt und herb enttäuscht wird. Heike Makatsch und Sebastian Blomberg sind starke Schauspieler, die ein starkes Drehbuch verdient gehabt hätten, doch dieser Tatort zeigte zwar eindrückliche Bilder, blieb dem Zuschauer aber in Sachen Emotionen und Spannung fern.

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Fotos: SWR und Screenshot / ARD