Tatort: Zwei Fehler, zwei Stalker und zwei müde Kommissare

Mila Lemke
Freie Autorin
Damian Rombach (Thomas Prenn) hört Stimmen – er ist schizophren. Foto: SWR/Benoit Linder

Der Tatort „Damian“ beginnt mit einem Klatschen, um die zwei schlafenden Kommissare im Revier zu wecken. Nur gelingt das nicht. Im Tatort wirken die Polizisten durchgehend übermüdet – und vielleicht passieren ihnen deshalb Fehler, genauso wie damals vor Jahrzehnten. Beide Male waren Personen bei der Polizei und behaupteten gestalkt zu werden, beide Male wurden sie weggeschickt, beide Male gab es Tote.

In diesem Tatort wird ein Pärchen erschossen im Wald gefunden, später kommt eine verbrannte Leiche dazu und ein Fall von früher, in dem eine Frau umgebracht wurde, wird wieder aufgerollt. Viel Arbeit für die Freiburger-Tatort-Kommissare Franziska Tobler (Eva Löbau) und Luka Weber (Carlo Ljubek), denen letztendlich der Zufall zur Hilfe kommen muss.

Welcher Stalker ist echt, welcher Einbildung?

Stalker Nummer 1: Der Jura-Student Damian Rombach (Thomas Prenn) wird verfolgt – von einem Mann, der im Bus erscheint, in der Vorlesung, der an seiner Türklinke rüttelt. Nur, dass er sich diesen Mann nur einbildet. Immer wieder hört er Stimmen, seine Freunde und seine Eltern können ihm nicht helfen, sie wissen nicht, was mit ihm los ist oder wollen es nicht wissen – Damian vertraut sich ihnen nicht an. Er leidet unter einer paranoid-halluzinatorischen Schizophrenie. Symptome: Wahnvorstellungen, Halluzinationen, Ich-Störung.

Einen Teil seiner Gedanken nimmt Damian schon nicht mehr als seine eigenen wahr – auch seinen Freund in der Burschenschaft bildet er sich ein. Dieser rät ihm zur Polizei zu gehen und Damian befolgt seinen eigenen Rat. In dem Moment, wo noch Hilfe möglich ist, steht er vor Kommissarin Tobler – und wird weggeschickt. Sie rät ihm zwar zum Psychologen zu gehen, doch in seinem Verfolgungswahn nimmt sie ihn nicht ernst. Sein angebliches Beweismaterial – ein Werbeprospekt – wirft sie achtlos auf den Schreibtisch. Am Ende zündet Damian sich selbst an.

Dass die Polizei einen solchen Fall ignoriert, kann man sich gut vorstellen. Umso schockierender das Ende, an dem die Frage der Schuld im Raum hängt. Der Vater zieht sich zurück, der Mutter laufen die Tränen über die Wangen. Hätten die Eltern sich mehr für ihren Sohn interessieren sollen? Hätte die Freundin darauf bestehen müssen, dass Damian sich professionelle Hilfe sucht? Hätte Tobler ihn nicht wegschicken dürfen?

Obwohl man am Ende noch von den Schreien Damians berührt dasitzt und den schluchzenden Vater vor Augen hat, wie er um seinen Sohn trauert, bleibt das Ende doch leider nicht im Kopf hängen. Zu sehr ist man damit beschäftigt, die Handlung zusammenzustückeln. Der Anfang ist das Ende und das Ende der Anfang. Es laufen zwei Zeitstränge versetzt ab und man fragt sich wer wann zu welchem Zeitpunkt wo war. Es gibt nämlich auch noch Stalker Nummer 2.

Die Freiburger-Tatort-Kommissarin Franziska Tobler (Eva Löbau) ermittelt dieses Mal mit Luka Weber (Carlo Ljubek). Er sprang für Friedemann Berg (Hans-Jochen Wagner) ein, der sich laut Drehbuch bei einem Skiunfall verletzte. Foto: SWR

Stalker Nummer 2: Deutlicher ist die Frage der Schuld beim zweiten Stalker. Der Fall wurde zu den Akten gelegt, wird aber – durch die zwei im Wald erschossenen Personen – noch einmal aufgerollt. Zwei der Toten – beides Frauen – sehen sich überraschend ähnlich. Und heraus kommt: Damals war die Frau bei der Polizei, doch niemand glaubte ihr, dass sie verfolgt wird. Sie wurde nach Hause geschickt, später erschossen. Der Täter war ein eifersüchtiger Mann. „Das ist wie Liebeskummer“, sagt er nur als er den Dreifachmord ohne Anwalt gesteht. Als er dann mit einer Plastikpistole und Schaufensterpuppen die Szene nachspielen soll, fragt man sich allerdings doch kurz: Ernsthaft?

Es gibt gute Ansätze den Umgang in der Gesellschaft mit psychischen Krankheiten abzubilden. Leider wird er manchmal ins lächerliche gezogen. Beispielsweise als die Person, welche die verbrannte Leiche entdeckt, zugibt, dass sie nur ins Feuer pinkeln wollte, „weil das so schön zischt.“

Spiel mit der Wahrnehmung

In diesem Tatort wird klar: Nicht immer ist es leicht zu unterscheiden, welcher Stalker eingebildet ist und welcher echt. Gefährlich waren sie allerdings in beiden Fällen. Hoffentlich gerät man, wenn man sich bedroht fühlt, nicht an solche „Schnarchzapfen“, wie die Kommissare im Tatort. Zwar finden sie am Schluss den Täter, aber den Selbstmord können sie nicht verhindern. Und erst durch Glück finden sie überhaupt Damians Identität heraus. Der Werbeprospekt, den Damian der Kommissarin in die Hand drückte, wanderte zufällig vom Chaos auf dem Schreibtisch zur Untersuchung ins Labor – an ihm klebte noch Nasenblut von Damian. So konnten die Kommissare die verbrannte Leiche durch die DNA identifizieren.

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