Tatsächlicher Verbrauch: Audi e-tron im Test

feedback@motor1.com (Fabio Gemelli)
Audi e-tron im Verbrauchstest

Wir haben die reale Reichweite des neuen Elektro-SUV im normalen Straßenverkehr getestet

Leistung und Beschleunigungszeiten eines Elektroautos sind nicht unwichtig, doch noch essentieller sind die reale Reichweite im Straßenverkehr und der Stromverbrauch. In unserer Verbrauchstest-Reihe haben wir diesmal den neuen Audi e-tron auf unsere 360 Kilometer lange Standardstrecke von Rom nach Forlì geschickt.

Ein Elektroauto-Vergleichstest und alles zum Audi e-tron:

Die 408 PS der beiden Elektromotoren (einer pro Achse) und das Drehmoment von 664 Newtonmeter machen deutlich, dass der Audi e-tron einen starken Antrieb hat. Trotz eines Gewichts von fast 2,5 Tonnen sprintet das Elektro-SUV in 5,7 Sekunden auf 100 km/h. Auf der 360-Kilometer-Teststrecke brauchte der e-tron durchschnittlich 19 kWh/100 km. Das ist das bisher schlechteste Ergebnis unter den getesteten Elektroautos und entspricht Stromkosten von 5,70 Euro pro 100 Kilometer, wenn man für 30 Cent pro Kilowattstunde laden kann. Mit dem angegebenen Verbrauch und der Batteriekapazität von 95 kWh kommt man auf eine Reichweite von 500 Kilometer. [Bei dieser Rechnung sind allerdings die Verluste beim Laden nicht berücksichtigt, Anm. des Übersetzers.]

Audi e-tron, la prova su strada

Der Jaguar I-Pace brauchte durchschnittlich 18,8 kWh/100 km. Der Tesla Model S 100D verbrauchte weniger, nämlich 16,4 kWh/100 km – und das obwohl er noch mehr Leistung hat, wenn er auch kein SUV ist. Einen ausgezeichneten Wirkungsgrad bewies der kleine Hyundai Kona Elektro, der mit 12,0 kWh/100 auskam.

Ein Blick auf die Ladezeiten: Im schlimmsten Fall hat man nur eine klassische Schuko-Steckdose und lädt mit 2,3 kW und 10 Ampere, was etwas mehr als 40 Stunden für eine volle Ladung bedeutet. Etwas akzeptabler, aber immer hoch ist die Ladezeit an einer öffentlichen Säule (mit 11 kW des bordeigenen Ladegeräts des e-tron): etwa 8 Stunden. Ich habe auch mit dem Laden an 50-kW-Gleichstromsäulen experimentiert, wo man weniger als zwei Stunden benötigt. An einer leistungsstarken 350 kW-Säule von Ionity dauert eine volle Ladung sogar nur 50 Minuten, da der e-tron mit bis zu 150 kW geladen werden kann.

Audi e-tron, la prova su strada

Kommen wir zum Stromverbrauch des Audi e-tron in verschiedenen Fahrsituationen. Auf der insgesamt gefahrenen Strecke von über tausend Kilometern brauchte das Elektro-SUV 23,1 kWh je 100 Kilometer, was einer Reichweite von 408 Kilometer entspricht. Im Stadtzentrum von Rom waren es 32 kWh/100 km, was einer Reichweite von 295 Kilometer entspricht.

Audi e-tron, la prova su strada

Im gemischten Stadt- und Außerortsbetrieb kam das Auto auf 24 kWh/100 km (390 Kilometer Reichweite), während es auf der Autobahn 30 kWh/100 km (316 km) waren. Bei konstant 70 bis 80 km/h gefahren kam der e-tron mit 16,2 kWh/100 km (576 km) aus, mit viel Gas bergauf waren es 88 kWh/100 km (104 km Reichweite).

Daten

Fahrzeug: Audi e-tron 55 quattro
Testdatum: 10. Mai 2019
Wetter: heiter, 23 Grad
Insgesamt gefahren: 1.021 km
Durchschnittsgeschwindigkeit auf der Strecke von Rom nach Forlì: 80 km/h
Reifen: Bridgestone Alenza 001 - 255/55 R19

Verbrauch und Kosten

An der Zapfsäule ermittelter Verbrauch: k.A.
Mittel aus diesen Zahlen:
19,0 kWh/100 km
Anzeige des Bordcomputers: 19,0 kWh/100 km
Strompreis: 0,30 Euro/kWh
Stromkosten: 5,70 Euro/100 km

Und so ermitteln wir den Verbrauch

Wenn Sie einen Freund nach dem Verbrauch seines Autos fragen, nennt er Ihnen wahrscheinlich einen Wert, der keinen Anspruch auf Wissenschaftlichkeit erhebt. Vielleicht hat er den Wert vom Bordcomputer abgelesen, oder er hat seine Tankrechnungen aufbewahrt und sich daraus einen Verbrauch errechnet. Ähnlich ermitteln wir unseren Testverbrauch: Er ergibt sich als Mittel aus Bordcomputer-Wert und dem an der Tankstelle ermittelten Verbrauch. Die Testautos werden stets von Fabio Gemelli von Motor1.com Italien gefahren. Der Journalist fährt häufig fürs Wochenende von der Redaktion in Rom in seine Heimat Forlì (in der Emilia-Romagna). Dabei bewegt er die Autos bewusst sparsam: Er bleibt knapp unter der Höchstgeschwindigkeit (auf der italienischen Autobahn: 130 km/h), vermeidet abruptes Beschleunigen und Bremsen und fährt vorausschauend. Die Teststrecke Rom-Forlì ist etwa 360 Kilometer lang und umfasst 65 Prozent Superstrada (autobahnähnliche Schnellstraße, Tempolimit zwischen 90 und 110 km/h), 25 Prozent Autostrada (Autobahn, Tempolimit 130 km/h), fünf Prozent Strada Statale (Bundesstraße, Tempolimit 90 km/h) und fünf Prozent Stadtverkehr. Dabei wird der Apennin überquert, die Strecke enthält also durchaus auch Steigungen. Die Durchschnittsgeschwindigkeit liegt in der Regel bei 70 bis 80 km/h. Am Ende der Strecke notiert unser Tester die Bordcomputer-Anzeige und berechnet (bei Autos mit Verbrennungsmotor) den Verbrauch an der Zapfsäule. Dabei wird "von voll bis voll" gemessen, wobei voll bedeutet: Das Tanken wird beim ersten Klick der Zapfpistole beendet. Dann berechnet Fabio den Mittelwert. Die Kosten berechnen wir jedoch anhand der deutschen Preise (Durchschnittskosten laut ADAC zum Zeitpunkt der Veröffentlichung). Bei Elektroautos verwenden wir den Bordcomputer-Verbrauch und den durchschnittlichen Strompreis von deutschen Haushalten, wie von www.stromauskunft.de angegeben. Bei Erdgas- und Autogas-Fahrzeugen wird der Durchschnittspreis von www.gas-tankstellen.de in Anschlag gebracht.