Tatsächlicher Verbrauch: BMW 330e mit Plug-in-Hybrid-Antrieb im Test

de.info@motor1.com (Stefan Leichsenring)
BMW 330e im Verbrauchstest

Wie viel Sprit braucht die 292 PS starke Limousine im realen Straßenverkehr?

Der Markt für Plug-in-Hybride wächst ohne Ende, fast jede Woche kommen neue Modelle hinzu. Der BMW 330e ist eine sportliche Limousine mit Plug-in-Antrieb. Die neue Generation bietet eine Systemleistung von 292 PS und eine Batterie, die 12,0 kWh elektrische Energie speichert. In dieser Ausgabe unseres wöchentlichen Verbrauchstests haben wir den Kraftstoffverbrauch des neuen Plug-in-3ers ermittelt. Auf unserer Standardstrecke von Rom nach Forli brauchten wir 4,75 Liter/100 km. Das entspricht deutschen Spritkosten von 6,60 Euro/100 km.

Dass die Batterie nun größer ist als beim Vorgänger wurde spürbar, als ich aus Rom im rein elektrischen Modus herausfuhr: Ich schaffte 58 Kilometer, während es beim Vorgänger nur 38 Kilometer waren. Aufgeladen wurde der Wagen an einer einphasigen Wallbox, die 7,4 kW Ladeleistung bringt. De facto wurde mit 3,7 kW geladen, was der Leistung des Onboard-Laders entspricht.

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BMW 330e

In unserem Ranking der Verbrauchstest-Ergebnisse liegt der neue BMW 330e im mittleren Bereich. Kurioserweise ist aber weniger sparsam als der BMW 330e von 2016 (4,60 Liter) und auch als der größere Diesel-Plug-in-Hybrid Mercedes E 300 de (3,45 Liter).

Der Volvo V90 T8 AWD Geartronic ist dagegen deutlich durstiger; er lag mit seinen 400 PS bei 6,00 Liter. Interessant ist auch ein Vergleich mit einem BMW-Diesel-Kombi aus der gleichen Baureihe: Mit dem 320d Touring ermittelten wir 4,0 Liter auf derselben Strecke.

BMW 330e

Der Plug-in-Hybrid-Antrieb bringt mit sich, dass sich die Höhe des Gepäckraums verringert. Sehr interessant ist, wie der Plug-in-Hybrid auch bei schwacher Batterie kontinuierlich zwischen Elektromotor (113 PS) und Benzin (2,0-Liter-Turbobenziner mit 184 PS) wechselt, um Spritverbrauch und Leistung zu optimieren.

Beim Verbrauch in verschiedenen Fahrsituationen testen wir Plug-in-Hybride immer einmal mit voller und einmal mit leerer Batterie. Der BMW 330e mit vollem Akku brauchte 20 kWh/100 km im gemischten Verkehr innerorts und außerorts. Daraus und aus der Batteriekapazität von 12 kWh errechnet sich eine theoretische Reichweite von 60 Kilometer.

BMW 330e

Im dichten Verkehr in Rom steigt der Verbrauch auf etwa 40 kWh/100 km, woraus sich eine elektrische Reichweite von 30 km ergibt. Auf der Autobahn sind es 24,5 kWh/100 km, was einer Reichweite von 48 km entspricht. Bei extrem sparsamer Fahrt kamen wir auf 15,6 kWh/100 km, was 76 Kilometer Reichweite entspricht. Maximal verbrauchten wir 68,8 kWh/100 km, entsprechend einer Reichweite von nur noch 16 km.

Wenn die Batterie leer ist, liegt der der neue BMW 330e in puncto Verbrauch in der Mitte zwischen einem Diesel und einem Benziner. Auf der gemischten Strecke mit innerorts- und außerorts-Anteil kamen wir auf 6,0 l/100 km, im Zentrum von Rom waren es 12,0 l/100 km und auf der Autobahn 7,5 l/100 km.

Bei extrem sparsamer Fahrweise lag der Durchschnitt bei 4,5 l/100 km, während der Maximalverbrauch bei 38,0 l/100 km betrug. Am Ende des Testzeitraums, in dem wir über 1.000 km abgespult und nur selten Strom nachgeladen haben, zeigte der Bordcomputer einen Durchschnittsverbrauch von 6,6 l/100 km.

Daten

Fahrzeug: BMW 330e
Testdatum: 14. Februar 2020
Wetter (bei Abfahrt / Ankunft): heiter, 18 Grad / heiter, 8 Grad
Insgesamt gefahren: 1.034 km
Durchschnittsgeschwindigkeit auf der Strecke Rom-Forlì: 82 km/h
Reifen: Pirelli Winter Sottozero 3 - 225/45 R18 M+S

Verbrauch und Kosten

Bordcomputer-Anzeige: 4,7 l/100 km
An der Zapfsäule ermittelter Verbrauch: 4,8 l/100 km
Mittel aus diesen Zahlen: 4,75 Liter/100 km
Kraftstoffpreis: 1,39 Euro/100 km (Super E10)
Kraftstoffkosten: 6,60 Euro/100 km

Und so ermitteln wir den Verbrauch

Wenn Sie einen Freund nach dem Verbrauch seines Autos fragen, nennt er Ihnen wahrscheinlich einen Wert, der keinen Anspruch auf Wissenschaftlichkeit erhebt. Vielleicht hat er den Wert vom Bordcomputer abgelesen, oder er hat seine Tankrechnungen aufbewahrt und sich daraus einen Verbrauch errechnet. Ähnlich ermitteln wir unseren Testverbrauch: Er ergibt sich als Mittel aus Bordcomputer-Wert und dem an der Tankstelle ermittelten Verbrauch. Die Testautos werden stets von Fabio Gemelli von Motor1.com Italien gefahren. Der Journalist fährt häufig fürs Wochenende von der Redaktion in Rom in seine Heimat Forlì (in der Emilia-Romagna). Dabei bewegt er die Autos bewusst sparsam: Er bleibt knapp unter der Höchstgeschwindigkeit (auf der italienischen Autobahn: 130 km/h), vermeidet abruptes Beschleunigen und Bremsen und fährt vorausschauend. Die Teststrecke Rom-Forlì ist etwa 360 Kilometer lang und umfasst 65 Prozent Superstrada (autobahnähnliche Schnellstraße, Tempolimit zwischen 90 und 110 km/h), 25 Prozent Autostrada (Autobahn, Tempolimit 130 km/h), fünf Prozent Strada Statale (Bundesstraße, Tempolimit 90 km/h) und fünf Prozent Stadtverkehr. Dabei wird der Apennin überquert, die Strecke enthält also durchaus auch Steigungen. Die Durchschnittsgeschwindigkeit liegt in der Regel bei 70 bis 80 km/h. Am Ende der Strecke notiert unser Tester die Bordcomputer-Anzeige und berechnet (bei Autos mit Verbrennungsmotor) den Verbrauch an der Zapfsäule. Dabei wird "von voll bis voll" gemessen, wobei voll bedeutet: Das Tanken wird beim ersten Klick der Zapfpistole beendet. Dann berechnet Fabio den Mittelwert. Die Kosten berechnen wir jedoch anhand der deutschen Preise (Durchschnittskosten laut ADAC zum Zeitpunkt der Veröffentlichung). Bei Elektroautos verwenden wir den Bordcomputer-Verbrauch und einen durchschnittlichen Strompreis von 30 Cent pro kWh (gerundeter Durchschnittspreis für 1 kWh Haushaltsstrom in Deutschland laut BDEW, Stand 7/2019). Bei Erdgas- und Autogas-Fahrzeugen wird der Durchschnittspreis von www.gas-tankstellen.de in Anschlag gebracht.