Tausende Menschen demonstrieren in Kanada für Abtreibungsverbot

Anti-Abtreibungsdemonstration in Ottawa (AFP/Lars Hagberg) (Lars Hagberg)

Einige tausend Menschen haben in der kanadischen Hauptstadt Ottawa an einer jährlichen Demonstration gegen das Recht auf Abtreibung teilgenommen. Die Demonstrierenden hielten am Donnerstag (Ortszeit) vor dem kanadischen Parlament Plakate mit Aufschriften wie "Betet für eine Ende der Abtreibungen". Ihnen stellten sich vor allem junge Frauen bei einer kleineren Gegendemonstration entgegen. Sie riefen unter anderem den Slogan "Unser Körper, unsere Entscheidung".

Die Demonstration fand dieses Jahr vor dem Hintergrund der Abtreibungsdebatte in Kanadas Nachbarland USA statt, die seit Tagen an Fahrt aufnimmt. Dort könnte der Oberste Gerichtshof laut einem kürzlich öffentlich gewordenen Urteilsentwurf in den kommenden Wochen das Grundsatzurteil "Roe v. Wade" kippen, das 1973 ein landesweites Grundrecht auf Abtreibungen festgeschrieben hatte.

Emily Helferty, eine 23-jährige Teilnehmerin der Anti-Abtreibungsdemonstration in Ottawa, sagte der Nachrichtenagentur AFP, dass ein solches Urteil in den USA auch in Kanada einen "Wendepunkt" zugunsten eines Abtreibungsverbots bedeuten könnte. Sie sagte dazu: "Das wäre großartig. Viele Menschen haben sehr lange dafür gebetet."

In Kanada ist - wie in den USA - das Recht auf einen Schwangerschaftsabbruch nicht ausdrücklich durch ein Gesetz gewährleistet. Im Jahr 1988 hob ein Urteil des Obersten Gerichts allerdings die Beschränkungen von Abtreibungen auf.

Der kanadische Premierminister Justin Trudeau erklärte am Donnerstag auf einer Pressekonferenz, Frauen weltweit seien "sehr besorgt darüber, dass bedeutende Fortschritte bei Frauenrechten, die sie gemacht haben, die wir alle gemacht haben, rückgängig gemacht werden". Die liberale Regierung Kanadas hat sich dazu bekannt, das Recht auf Abtreibungen zu verteidigen und möglicherweise per Gesetz festschreiben zu wollen.

In den USA würde eine Aufhebung des "Roe v. Wade"-Grundsatzurteils dazu führen, dass Bundesstaaten freie Hand hätten, Abtreibungen zu verbieten oder den Zugang zu Schwangerschaftsabbrüchen drastisch einzuschränken. Rund die Hälfte der 50 Bundesstaaten dürften diesen Weg gehen, sollte "Roe v. Wade" tatsächlich gekippt werden.

se/mkü

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