Zehntausende Menschen nehmen im Petersdom Abschied von Benedikt XVI.

Zwei Tage nach dem Tod von Benedikt XVI. haben zehntausende Menschen im Vatikan von dem früheren Papst Abschied genommen. Bereits im Morgengrauen bildete sich am Montag auf dem Petersplatz eine lange Schlange von Trauernden, die dem früheren Oberhaupt der katholischen Kirche die letzte Ehre erweisen wollten. Der emeritierte deutsche Papst ist noch bis Mittwoch im Petersdom aufgebahrt. Das Ereignis wurde von einem großen Sicherheitsaufgebot begleitet.

"Ich bin seit 06.00 Uhr hier", sagte die italienische Nonne Anna-Maria der Nachrichtenagentur AFP. Sie finde es "normal zu kommen, um ihm die letzte Ehre zu erweisen nach all dem, was er für die Kirche getan hat". Francesca Gabrielli, die extra aus der Toskana anreiste, um Abschied von dem früheren Papst zu nehmen, lobte die "andächtige Atmosphäre" im Petersdom.

Auch die italienische Ministerpräsidentin Giorgia Meloni zählte zu den ersten Besucherinnen. Die ultrarechte Politikerin wurde von Erzbischof Georg Gänswein, dem Privatsekretär von Benedikt XVI., begrüßt.

Benedikt XVI. war am Silvestertag im Alter von 95 Jahren gestorben. Nach Angaben Gänsweins lauteten seine letzten Worte: "Herr, ich liebe Dich!" Benedikt äußerte den Satz demnach wenige Stunden vor seinem Tod im Beisein einer Krankenschwester auf Italienisch.

An Neujahr wurde der Verstorbene zunächst in der Kapelle des Klosters Mater Ecclesiae im Vatikan aufgebahrt, bevor der Leichnam am frühen Montagmorgen in einer privaten Zeremonie in den Petersdom gebracht wurde.

Dort wurde der mit einem rot-goldenen Gewand und einer goldumrandeten Mitra bekleidete Leichnam auf einem Katafalk vor dem Hauptaltar aufgebahrt, Schweizer Garden stehen bei ihm Wache. Viele Besucher machten mit ihren Smartphones Fotos von dem aufgebahrten früheren Papst, einige beteten oder bekreuzigten sich.

Am ersten Tag der Aufbahrung verzeichnete der Vatikan 65.000 Besucher im Petersdom. Die Öffentlichkeit kann noch bis Mittwochabend in der Basilika persönlich Abschied von dem in Bayern geborenen Geistlichen nehmen.

In der Apostolischen Nuntiatur in Berlin liegt bis Mittwoch das offizielle Kondolenzbuch für Benedikt XVI. aus. Am Montagmorgen trugen sich als Erste der Vorsitzende der katholischen Deutschen Bischofskonferenz, Georg Bätzing aus Limburg, und der Apostolische Nuntius, Erzbischof Nikola Eterovic, ein. Der Apostolische Nuntius ist der Botschafter des Vatikans. Kondolenzbücher liegen auch im Limburger Dom und am Sitz der Deutschen Bischofskonferenz in Bonn aus.

Bätzing zeigte sich "beeindruckt und überwältigt" von der großen Anteilnahme am Tod des emeritierten Papstes und verwies auf "unzählige Zuschriften". Zudem seien bereits virtuell mehrere tausend Kerzen auf der Trauerseite der Deutschen Bischofskonferenz unter www.trauer-papst-benedikt.de entzündet worden.

Die von Papst Franziskus geleitete Trauermesse für Benedikt XVI. wird am Donnerstag auf dem Petersplatz stattfinden. Deutschland wird bei der Zeremonie von Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier vertreten. Er wird dabei laut Bundespräsidialamt von einer Delegation der Verfassungsorgane begleitet. Zudem reist Bayerns Ministerpräsident Markus Söder (CSU) anlässlich der Trauerfeier nach Rom. Auch Polens Präsident Andrzej Duda und die frühere spanische Königin Sofia haben ihre Teilnahme angekündigt.

Nach der Trauerfeier wird der emeritierte Papst in der Krypta unter dem Petersdom im früheren Grab seines Vorgängers Johannes Paul II. beigesetzt, wie Vatikan-Sprecher Matteo Bruni am Montag sagte. Diesen Bestattungsort hatte sich Benedikt nach Angaben seines Biografen Peter Seewald gewünscht.

Der Sarg des 2005 verstorbenen polnischen Pontifex Johannes Paul II. war nach seiner Seligsprechung im Jahr 2011 in die St. Sebastian-Kapelle im Seitenschiff des Doms verlegt worden.

Der deutsche Kardinal Joseph Ratzinger hatte 2005 als Benedikt XVI. die Nachfolge von Papst Johannes Paul II. angetreten. Am 11. Februar 2013 trat er jedoch in einem höchst ungewöhnlichen Schritt aus gesundheitlichen Gründen zurück. Er war damit der erste Papst seit 1415, der das Amt als Oberhaupt der katholischen Kirche abgab.

bfi/lan