Erneut tödliche Gewalt bei Demonstrationen gegen die Militärregierung im Sudan

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Proteste in Khartum (AFP/-)

Bei anhaltenden Protesten gegen die Militärregierung im Sudan ist es erneut zu tödlicher Gewalt gekommen. Am Donnerstag wurde in Omdurman nahe der Hauptstadt Khartum ein Demonstrant durch einen Kopfschuss tödlich verletzt, wie das Zentralkomitee sudanesischer Ärzte mitteilte. In mehreren Städten protestierten tausende Menschen gegen das Militär und dessen Machtübernahme vor gut zwei Monaten.

In Khartum sangen und trommelten die Demonstranten und zeigten Bilder von bei früheren Protesten Getöteten, wie AFP-Reporter berichteten. Es wurden Autoreifen angezündet und Barrikaden errichtet. In der Nähe des Präsidentenpalastes setzten die Sicherheitskräfte nach Angaben von Augenzeugen Tränengas ein. Demonstranten warfen daraufhin Steine.

"Unsere Märsche werden weitergehen, bis wir unsere Revolution und unsere Zivilregierung wiederhergestellt haben", kündigte der 23-jährige Demonstrant Mojataba Hussein in Khartum an. "Wir werden nicht aufhören, bis wir unser Land zurückbekommen", sagte auch der 22-jährige Samar al-Tayeb.

Sudans oberster General Abdel Fattah al-Burhan hatte im Oktober den Ausnahmezustand verhängt und die Regierung abgesetzt, die nach dem Sturz des langjährigen Machthabers Omar al-Baschir im April 2019 den Übergang zu demokratischen Wahlen hatte leiten sollen. Seitdem kommt es regelmäßig zu Massenprotesten, gegen die das Militär oft gewaltsam vorgeht.

Seit Beginn der Proteste wurden nach Angaben des Ärzte-Komitees mindestens 58 Menschen getötet und hunderte verletzt. Der tödliche Schuss auf den Demonstranten am Donnerstag sei von den "Putschisten-Kräften" abgefeuert worden, erklärten die Mediziner, die sich als Teil der Protestbewegung verstehen.

Zu den jüngsten Protesten kam es trotz erhöhter Sicherheitsvorkehrungen und der Sperrung der Hauptstraßen Khartums, die zum Präsidentenpalast und zum Armeehauptquartier führen. Auch in anderen Städten, darunter Port Sudan im Osten, Atbara im Norden und Wad Madani im Süden, gab es nach Angaben von Augenzeugen Demonstrationen.

Der Rücktritt von Regierungschef Abdullah Hamdok am Sonntagabend hatte die Proteste gegen die Militärregierung weiter angeheizt. General al-Burhan hatte Hamdok einen Monat nach der Machtübernahme wieder eingesetzt. Der Regierungschef galt jedoch weithin als ziviles Feigenblatt des Militärs.

Am Sonntagabend erklärte Hamdok seinen Rücktritt. Er beklagte die "Zersplitterung der politischen Kräfte" in dem nordostafrikanischen Land und die Konflikte zwischen den militärischen und zivilen Teilen der Übergangsregierung. Trotz aller Anstrengungen sei deshalb ein politischer Konsens nicht zustande gekommen. Der Sudan habe einen "gefährlichen Wendepunkt überschritten, der sein Überleben bedroht".

ao/pe/jes

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