Tausende Serben protestieren in Belgrad erneut gegen Vucics Wahlsieg

In Belgrad haben am Samstag den sechsten Tag in Folge tausende Menschen gegen den Wahlsieg von Serbiens Regierungschef Aleksandar Vucic bei der Präsidentschaftswahl protestiert

In Belgrad haben am Samstag den sechsten Tag in Folge tausende Menschen gegen den Sieg des serbischen Regierungschefs Aleksandar Vucic bei der Präsidentschaftswahl protestiert. Vor dem Regierungssitz versammelten sich vor allem Studierende, aber auch Mitglieder von Polizeigewerkschaften und der Armee. Der Zweitplatzierte bei der Wahl vom 2. April, der ehemalige Ombudsmann für Menschenrechte, Sasa Jankovic, warf Vucic erstmals offen "Unregelmäßigkeiten" bei der Wahl vor.

Der Präsident der Polizeigewerkschaft, Veljko Mijailovic, begrüßte vor der Menschenmenge die "große Koalition aus Armee, Polizei und Bevölkerung", wie die Nachrichtenagentur Beta berichtete. Ein anderer Redner forderte Neuwahlen. Die Demonstranten riefen "Wir sind viele" oder bezeichneten Vucic als "Dieb", der die Wahlen gestohlen habe. Später zogen die mehr als 10.000 Menschen durch die Straßen der Stadt, wie ein Fotograf der Nachrichtenagentur AFP berichtete.

Vucic hatte die Präsidentschaftswahl am vergangenen Sonntag bereits in der ersten Runde mit 55 Prozent der Stimmen gewonnen, die übrigen zehn Kandidaten landeten weit abgeschlagen hinter ihm. Sein wichtigster Rivale, Sasa Jankovic, der 16 Prozent der Stimmen erhalten hatte, stellte sich hinter die Demonstranten. Sie seien "unzufrieden" wegen der "Ungerechtigkeit und des autokratischen Regimes, das Serbien mit einer Diktatur bedroht und alle zivilisatorischen Werte aufhebt", erklärte er.

Vucic erklärte am Samstag, jeder habe das Recht, seine Meinung zu äußern. Es sei nur "wichtig, dass sich alles auf demokratische Weise abspielt und absolut ruhig".

Am Sonntag erklärte der entschiedene EU-Befüworter Jankovic, eine teilweise Nachzählung von Stimmzetteln habe "skandalöse Unregelmäßigkeiten" zugunsten von Vucic ergeben. Hochgerechnet auf alle Wahlbüros könne das heißen, dass Vucic "möglicherweise 319.000 Stimmen gestohlen" habe. Jankovic forderte die Wahlkommission auf, die Stimmzettel teilweise erneut auszuzählen. Vucic wies die Vorwürfe als "krasse Lügen" zurück. Die Wahlkommission solle die Stimmzettel vor Journalisten auszählen.

Vucic soll sein neues Amt Ende Mai antreten. Die Opposition kritisierte die Wahl angesichts von Vucics allgegenwärtiger Präsenz in den Medien als unfair. Außerdem seien Wähler eingeschüchtert und bedroht worden. Der 46-jährige Vucic steuert seit längerem einen EU-freundlichen Kurs und strebt die Aufnahme Serbiens in die Europäische Union an. Dabei ist er ursprünglich ein ultranationalistischer Hardliner.

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