Tausende Syrer aus belagerten Städten herausgeholt und in Sicherheit gebracht

Tausende Syrer sind mit Bussen aus vier belagerten Städten herausgeholt und in Sicherheit gebracht worden. Dank einer der größten Evakuierungsaktionen im syrischen Bürgerkrieg trafen 5000 Bewohner aus Fua und Kafraja in Raschidin ein

Tausende Syrer sind am Karfreitag mit Bussen aus vier belagerten Städten herausgeholt und in Sicherheit gebracht worden. Dank einer der größten Evakuierungsaktionen in dem seit sechs Jahren währenden Bürgerkrieg trafen 5000 Bewohner aus Fua und Kafraja mit 80 Bussen und 20 Krankenwagen in Raschidin, östlich von Aleppo ein, wie ein Reporter der Nachrichtenagentur AFP berichtete. 65 weitere Busse brachten Einwohner von Madaja und Sabadani in Sicherheit.

Die Evakuierung der vier Städte wurde bereits im März unter der Schirmherrschaft von Katar und Iran vereinbart, verzögerte sich aber mehrmals. "Ich kann meine Gefühle nicht beschreiben, aber ich hoffe, dass eines Tages wieder Eintracht zwischen uns herrscht - so wie es einmal war", sagte einer der Evakuierten, der nicht namentlich genannt werden wollte, bei der Ankunft in Raschidin. Die Einwohner von Fua und Kafraja in der nordwestlichen Provinz Idlib wurden von Aufständischen belagert. Nach ihrer Evakuierung sollen sie nach Aleppo, Latakia oder in die Hauptstadt Damaskus weiterreisen können.

Die Einwohner von Madaja und Sabadani, die von Regierungstruppen belagert worden waren, erhielten bei der Evakuierungsaktion die Möglichkeit, in die von Aufständischen gehaltenen Gebiete der Provinz Idlib zu fahren. Ein Teil der Bewohner Madajas entschied sich jedoch dafür, das Evakuierungsangebot auszuschlagen und in der Stadt zu bleiben.

"Wir wissen nicht, was mit denen geschehen wird, die dort bleiben", sagte der Arzt Mohammed Darwisch aus Madaja. Allerdings sei auch das weitere Schicksal der Evakuierten unklar. "Wir hoffen, dass wir bald zurückkommen können", ergänzte Darwisch. "Schließlich ist das unsere Heimat."

Insgesamt sollen mehr als 30.000 Menschen aus den vier Städten in Sicherheit gebracht werden. Nach jahrelanger Belagerung gab es in diesen Städten kaum noch Lebensmittel und medizinische Versorgung. Bereits am Mittwoch waren aufgrund der Vereinbarung mehrere Gefangene ausgetauscht worden. Katar unterstützt im syrischen Bürgerkrieg die Rebellen, der Iran die Regierung von Staatschef Baschar al-Assad.

Eigentlich hatte die Evakuierung am Dienstag vergangener Woche beginnen sollen. Es gab jedoch Bedenken auf beiden Seiten und weitere Verhandlungen. Der mutmaßliche Giftgasangriff in der Provinz Idlib am 4. April verschärfte die Spannungen. Nach einer Schätzung der Vereinten Nationen leben mindestens 600.000 Syrer in Gebieten, die von feindlichen Kampfeinheiten umzingelt sind.

Bei einem Luftangriff südlich von Takba traf die von den USA angeführte Militärkoalition nach eigenen Angaben irrtümlich verbündete Einheiten und tötete dabei 18 Kämpfer. Getroffen wurden nach Angaben der Allianz vom Donnerstag Einheiten der arabisch-kurdischen Syrischen Demokratischen Kräfte (SDF).

Der Angriff am Dienstag sei von den SDF selbst angefordert worden, hieß es. Diese hätten Hinweise auf eine Stellung der Dschihadistenmiliz Islamischer Staat (IS) gegeben. Die SDF versuchen seit März, dem IS die Kontrolle über die Stadt Takba am Euphrat-Fluss zu entreißen. Die Stadt liegt auf dem Weg nach Raka, der letzten IS-Hochburg in Syrien.

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