Am Taxi-Halteplatz: Bundespolizei will in Container am Kölner Hauptbahnhof ziehen

Die Wache der Bundespolizei im Bahnhof ist zu eng geworden.

Es geht nicht mehr: zu eng, zu klein, kein Tageslicht, schlechte Luft und für Reisende schwer zu finden – die Wache der Bundespolizei im Hauptbahnhof, eingepfercht zwischen dem Treppenaufgang zum Bahnsteig 1 und einem Werbeschaufenster, ist nicht mehr zeitgemäß. „Wir haben kürzlich zwar eine Klimaanlage installieren lassen“, erzählt Wolfgang Wurm, Präsident der für Köln zuständigen Bundespolizeidirektion Sankt Augustin, „aber das ist alles nur noch ein Herumdoktern an Symptomen“. Lieber heute als morgen wollen seine Beamten aus dem zweistöckigen Komplex ausziehen, nur wohin?

Am liebsten, sagt Wurm, würde er die 700 Quadratmeter großen Räume der benachbarten Buchhandlung Ludwig nutzen. Die Deutsche Bahn als Eigentümerin will dem Wunsch wohl auch entsprechen und den Mietvertrag mit der Bahnhofsbuchhandlung nicht verlängern. Doch der läuft erst Ende 2019 aus. So lange will die Bundespolizei nicht warten. Nun deutet sich eine Zwischenlösung an.

Taxifahrer müssten wohl weichen

Wie Wolfgang Wurm dem „Kölner Stadt-Anzeiger“ berichtet, sollen noch dieses Jahr Container auf dem Bahnhofsvorplatz aufgestellt werden – zweistöckig und auf einer Grundfläche von etwa zwölf mal 20 Metern, ungefähr dort, wo sich die Schleife für die Taxifahrer befindet. Die müssten dann unter Umständen weichen. Der Taxi-Halteplatz, der sich bis zum Kreisverkehr an der Marzellenstraße zieht, würde womöglich entsprechend verkürzt oder verlagert. Die Stadt muss die Aufstellung der Hochcontainer allerdings noch genehmigen. Das Verfahren läuft.

Ganz neu ist die Idee nicht. Zwischen Silvester und Karneval hatte die Bundespolizei an fast derselben Stelle bereits Container aufstellen lassen, um die Großeinsätze besser bewältigen zu können. Das jetzt geplante Provisorium allerdings wird etwas größer, und es soll bis zum geplanten Umzug in die Räume der Buchhandlung stehen bleiben, also voraussichtlich bis etwa 2020. Dafür soll das gemeinsame Sicherheitsmobil von Stadt, Landes- und Bundespolizei weichen, das seit den Silvesterereignissen 2015 als eine Art rollende Wache auf dem Vorplatz steht.

Landespolizei und Ordnungsamt sollen Plätze bekommen

Von der Container-Lösung verspricht Wolfgang Wurm sich nicht nur bessere Arbeitsbedingungen für seine Beamten, sondern auch mehr Service für den Bürger. Der allgemeine Wartebereich und die Zone, in der die Anzeigen aufgenommen werden, sollen in den Containern räumlich getrennt werden vom Trakt mit den Vernehmungszimmern und den Gewahrsamszellen. So sollen Täter und Opfer nicht mehr unmittelbar aufeinander treffen – eine deutliche Verbesserung zu den Zuständen in der jetzigen Wache, wo Beamte häufig betrunkene Randalierer mitten durch eine enge Schleuse führen müssen, in der die Opfer darauf warten, vorgelassen zu werden. „Das wollen wir künftig vermeiden“, sagt Wurm.

Geht es nach dem Direktionsleiter, werden in den Containern auch Beamte der Landespolizei sowie Mitarbeiter des Ordnungsamtes und womöglich auch des Sicherheitsdienstes der Deutschen Bahn ein paar Arbeitsplätze haben. Wurm schwebt eine Art „Haus der Sicherheit“ vor, das es bereits an den Hauptbahnhöfen in Berlin und Hamburg gibt und das in Bonn seit Jahren in der Diskussion ist. Alle Sicherheitsbehörden also unter einem Dach. Die Idee dahinter: „Wir wollen demjenigen, der die Stadt betritt oder sie verlässt, ein Höchstmaß an Ansprechbarkeit garantieren“, erklärt Wurm.

Aus Buchhandlung wird Polizeiwache

Auch nach dem voraussichtlichen Umzug in das Ladenlokal der Buchhandlung Ludwig will die Bundespolizei dort gerne ein paar Schreibtische für ihre Kollegen von Ordnungsamt, Landespolizei und Deutscher Bahn vorhalten. „In Berlin und Hamburg ist das ein großer Erfolg“, sagt Wurm. Die „Beratungskompetenz“ für den Bürger sei höher, wenn unterschiedliche Behörden beteiligt seien. Dass die Landespolizei neuerdings mit der Eröffnung einer eigenen Wache im Kurienhaus am Roncalliplatz liebäugelt, ist für den Bundespolizeichef indes kein Hinderungsgrund. Ein „Haus der Sicherheit“ am oder im Hauptbahnhof sehe er nicht als Konkurrenz zu den Plänen der Landespolizei, betont Wurm, im Gegenteil eher als „Add-on“, als zusätzliches Angebot für den Bürger.

Bleibt die Frage der Ästhetik: Container müssen nicht zwingend ein optischer Gewinn sein, erst recht nicht in unmittelbarer Nähe zum Dom. Auch ihm gehe es um ein „harmonische Äußeres“, betont Wurm. Durch eine entsprechende Verkleidung sollen die Container „wenn irgend möglich“ architektonisch in die Umgebung eingepasst werden. „Wir müssen sehen, was die Industrie da liefern kann“, sagt Wurm. Klar sei zweierlei: „Wir wollen da keinen Schandfleck errichten.“ Und: „Es handelt sich bei den Containern definitiv um eine Übergangslösung.“...Lesen Sie den ganzen Artikel bei ksta

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