Terroranschlag von London: Was wir wissen - und was nicht

Die Ermittlungen im Fall des Anschlags von London laufen auf Hochtouren (Bild: Reuters)

Der Terroranschlag am Parlament in London wirft weiter Fragen auf. Fest steht: Der Täter war der Polizei bekannt. Nach Hausdurchsuchungen wurden derweil acht Personen festgenommen.

Beim Terroranschlag auf der Westminster-Brücke und am Parlament im Herzen Londons hat der Angreifer mindestens drei Menschen getötet und rund 40 weitere teils schwer verletzt. Der Täter wurde erschossen, nachdem er einen Polizisten niedergestochen hatte.

Aktueller Stand der Ermittlungen

Was wir wissen:

  • Der Täter: Scotland Yard geht von einem Einzeltäter aus, der «vom internationalen Terrorismus inspiriert wurde». Premierministerin Theresa May sagte, der Attentäter sei bereits einschlägig polizeibekannt. Der Mann sei in Großbritannien geboren. Er habe in der Vergangenheit wegen «gewalttätigen Extremismus» unter Beobachtung der Behörden gestanden. Das liege aber bereits Jahre zurück. Es habe keine aktuellen Verdachtsmomente gegen den Mann gegeben.
  • Der Hintergrund: Die Terrormiliz Islamischer Staat (IS) beansprucht den Anschlag für sich. Ein «Soldat» des IS habe die Operation ausgeführt, meldete das IS-Sprachrohr Amaq. Der Angreifer sei damit Aufrufen gefolgt, Bewohner von Staaten der «internationalen Koalition» anzugreifen. Damit ist die Anti-IS-Koalition unter Führung der USA gemeint, der unter anderem Großbritannien, Frankreich und Deutschland angehören. Die Echtheit der Nachricht ließ sich zunächst nicht überprüfen. Sie wurde aber über die üblichen IS-Kanäle verbreitet.
  • Die Tat: Nach Angaben der Polizei raste der Täter mit einem Auto in Passanten auf der Westminster-Brücke. Er fuhr wenige hundert Meter weiter und krachte mit dem grauen Hyundai i40 in den Zaun des Parlamentsgebäudes. Danach sprang er aus dem Wagen und lief auf das Gelände des Parlaments. Dort stach er mit einem langen Messer einen unbewaffneten Polizisten nieder. Anschließend wurde er von einem anderen Beamten erschossen.
  • Die Toten: Es gab neben dem Angreifer mindestens drei Tote. Die Polizei korrigierte diesbezüglich ihre Angaben. Zwischenzeitlich war von vier Todesopfern die Rede gewesen. Die Toten auf der Westminster-Brücke sind ein etwa 50-jähriger Tourist aus den USA und eine 43-jährige Britin mit spanischen Wurzeln. Auch der niedergestochene Polizist – ein 48-jähriger Beamter – starb. Laut Scotland Yard war er «Ehemann und Vater».
  • Die Verletzten: Mindestens 40 Menschen wurden nach Polizeiangaben verletzt, einige trugen «katastrophale Verletzungen» davon. Am Morgen befanden sich laut Scotland Yard sieben im kritischen Zustand. Auch eine Deutsche ist den Angaben zufolge unter den Verletzten. Die Verletzten stammen aus insgesamt mindestens elf Ländern. Verletzt wurden unter anderem drei französische Schüler, zwei rumänische, zwei griechische und vier südkoreanische Staatsbürger sowie ein Pole, ein Italiener, ein Amerikaner, ein Chinese und ein Ire. Unter den Schwerverletzten sind auch zwei Polizisten.
  • Die Ermittlungen: Die Polizei nahm Terrorermittlungen auf. In Zusammenhang mit dem Anschlag sind nach Angaben von Scotland Yard acht Menschen festgenommen worden. Zuvor seien sechs Wohnungen in London, Birmingham und anderen Orten durchsucht worden. Nach Angaben der Polizei waren am Tag nach der Attacke zusätzliche Beamte in London unterwegs, um die Sicherheit der Bürger zu gewährleisten.
Hunderte Ermittler sind im Einsatz, die sich auf das Motiv, die Vorbereitungen und mögliche Komplizen des Mannes fokussierten. (Bild: Reuters)

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Was wir nicht wissen:

  • Motivation der Tat: Unklar ist zunächst, ob der Täter aus eigenem Antrieb handelte oder ob er vom IS beauftragt wurde. Auch darüber, ob er überhaupt in Kontakt mit der Terrormiliz gestanden hat, gibt es keine Informationen. Zudem stellt sich die Frage, ob der gebürtige Brite seinen Anschlag bewusst genau ein Jahr nach den Attentaten in Brüssel begangen hat.
  • Mögliche Mittäter: Scotland Yard vermutet, dass es sich um einen Einzeltäter gehandelt hat, schließt aber Mitwisser oder Mittäter nicht aus. Im Fokus der Ermittlungen stehen laut dem Sprecher «Motivation, Vorbereitungen und seine Komplizen». Es war zunächst nicht bekannt, ob der gebürtige Brite Teil eines größeren Terrornetzwerks war. Indizien für weitere bevorstehende Gefahren für die Öffentlichkeit gibt es derzeit nach Polizeiangaben aber nicht. Unklar war zunächst auch, was den nach den Hausdurchsuchungen Festgenommenen vorgeworfen wird und in welcher Beziehung sie zu dem Täter standen.
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