Terrorverdacht nach tödlichem Messerangriff in Frankreich

Absperrung in Romans-sur-Isère nach dem Messerangriff

Nach einer Messerattacke mit zwei Toten und fünf Verletzten im Südosten Frankreichs wird gegen den festgenommenen Angreifer wegen Terrorverdachts ermittelt. Die Anti-Terror-Staatsanwaltschaft nahm nach der Tat vom Samstag Ermittlungen wegen "Mordes in Zusammenhang mit einer terroristischen Unternehmung" auf. Präsident Emmanuel Macron verurteilte die "schreckliche Tat".

Der Angriff ereignete sich am Samstagvormittag in der Kleinstadt Romans-sur-Isère südlich von Lyon. Der 33-jährige Abdallah Ahmed-Osman, der sich als sudanesischer Flüchtling auswies, attackierte mehrere Menschen im Zentrum der 35.000-Einwohner-Stadt in zwei Geschäften und auf der Straße mit einem Messer. Zeugen zufolge rief er dabei "Allah Akbar" (Gott ist groß). Bei der Festnahme leistete der Mann keinen Widerstand.

Ein zweiter Sudanese, bei dem es sich der Staatsanwaltschaft zufolge um einen "Bekannten" des Täters handelt, wurde kurz nach der Tat festgenommen. Am Samstagabend nahmen die Behörden außerdem einen jungen Sudanesen in Gewahrsam, der im gleichen Haus wie der Hauptverdächtige lebte, teilte die Anti-Terror-Staatsanwaltschaft am Sonntag mit.

Der 1987 geborene Ahmed-Osman lebt seit 2017 als Flüchtling in Frankreich und war vor der Tat nicht polizeilich bekannt. Die Anti-Terror-Staatsanwaltschaft erklärte, erste Ermittlungsergebnisse deuteten darauf hin, dass der Angreifer die öffentliche Ordnung "durch Einschüchterung oder Terror" erheblich stören wollte. Bei einer Durchsuchung in seiner Wohnung seien handschriftliche Dokumente gefunden worden, in denen sich der Mann darüber beschwere, "in einem Land von Ungläubigen zu leben".

Frankreichs Innenminister Christophe Castaner sprach von einem "terroristischen" Angriff. Der Täter habe sich auf einen "terroristischen Pfad" begeben, sagte Castaner.

Nach Angaben aus Ermittlerkreisen erinnert sich Ahmed-Osman nach eigenen Angaben "nicht an das Geschehene". Eine psychiatrische Untersuchung des Tatverdächtigen war für Sonntag geplant.

In Frankreich hatte es in den vergangenen Jahren eine ganze Reihe islamistischer Anschläge mit hunderten Toten gegeben. Frankreichs Präsident Emmanuel Macron versicherte, dass die Hintergründe des Angriffs genau aufgeklärt würden. "Die ganze Wahrheit zu dieser schrecklichen Tat wird aufgedeckt werden", schrieb er im Onlinedienst Twitter. Dabei verwies er darauf, dass das Land wegen der Coronavirus-Pandemie mit tausenden Toten ohnehin schon eine schwere Probe bestehen müsse.