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Tesla zahlt Millionen für Freiburger Startup – und gibt es drei Monate später wieder ab. Wieso?

Benriah Goeldi, Johannes Tritschler, Florian Reiners und Johannes Mayer (v.l.n.r.) haben Wiferion gegründet. Sie arbeiten am induktiven Laden für autonome Fahrzeuge und Roboter.  - Copyright: Wiferion
Benriah Goeldi, Johannes Tritschler, Florian Reiners und Johannes Mayer (v.l.n.r.) haben Wiferion gegründet. Sie arbeiten am induktiven Laden für autonome Fahrzeuge und Roboter. - Copyright: Wiferion

Bis zu 76 Millionen Dollar soll Tesla im Sommer 2023 für das deutsche Lade-Startup Wiferion hingelegt haben. Jetzt hat das Startup erneut den Eigentümer gewechselt – nach nur drei Monaten. Wiferion gehört jetzt zum deutschen Mittelständler Puls. Was steckt dahinter?

Die Pressemitteilung von Puls liest sich dramatisch: "Wiferion wurde im Sommer von Tesla übernommen – Zukunft ungewiss." Für zahlreiche Produktionszentren, die bereits auf die Ladetechnologie von Wiferion vertrauten, sei ein "Blackout" denkbar gewesen. Mit dem Weiterverkauf an Puls könnten die Bestandskunden nun "aufatmen", so die Pressemitteilung weiter.

Das Freiburger Startup Wiferion hat ein System entwickelt, das das Laden von Elektro-Fahrzeugen und autonomen Robotern per Induktion ermöglicht. Puls übernimmt das Industriegeschäft von Wiferion – alle bestehenden Verträge, Markenrechte und Patente – und integriert es als neu gegründete Business-Einheit "Puls Wireles". Puls Wireless soll mit Julian Seume und Matthieu Ebert von zwei früheren Wiferion-Mitarbeitern geführt werden.

Tesla soll kein Interesse an Fortführung des Industriegeschäftsgehabt haben

Der Plattform Elektroniknet.de sagte Puls-Manager Stefan Seidenzahl, Tesla sei an der Technologie von Wireless interessiert gewesen, habe "aber kein Interesse an der Fortführung des existierenden Industriegeschäfts" gezeigt. Ein zweiter möglicher Motivator für den Millionen-Kauf im Juni 2023: Tesla gibt das Industriegeschäft zwar wieder ab, behält aber zahlreiche Ingenieure von Wiferion. Das berichtet die Branchen-Plattform The Robot Report.

Der neue Eigentümer Puls hat mit Wiferion seine erste Investition im Bereich drahtlose Energieübertragung abgeschlossen. Man wolle das System von Wiferion "zum globalen Marktstandard machen" und werde dafür "erheblich investieren", so Puls-CEO und -Inhaber Bernhard Erdl.

Tesla arbeitet selbst bereits seit Längerem an einem kabellosen Ladesystem für seine E-Fahrzeuge, möglicherweise auch für Roboter. Über den damaligen Exit-Preis gaben zum damaligen Zeitpunkt weder Tesla noch Wiferion Auskunft. Nur Teslas quartalsmäßiger Finanzbericht wies für "Business Combinations", also das Übernahmegeschäft, ein Minus von 76 Millionen US-Dollar (71 Millionen Euro) aus. Da für selben Zeitraum keine anderen Tesla-Übernahmen bekannt ist, ist es möglich, dass Tesla die Summe für Wiferion hingelegt hat. Die Gründer hielten zu diesem Zeitpunkt noch knapp ein Drittel der Unternehmensanteile.

Wiferion soll beim Induktions-Laden besonders viel Energie übertragen

Wiferion wurde 2016 von Benriah Goeldi, Johannes Tritschler, Florian Reiners und Johannes Mayer gegründet. Die Freiburger haben bis 2023 mehr als 15 Millionen Euro an Risikokapital eingesammelt. Die Ladestationen von Wiferion kamen 2018 auf dem Markt. Bis heute hat das Unternehmen nach eigenen Angaben rund 8.000 Induktions-Lader an – bisher ausschließlich industrielle – Kunden verkauft. 2024 solle das Unternehmen profitabel sein, prognostizierte Johannes Mayer, Mitgründer von Wiferion im Jahr 2022. Mayer hat im Juni 2023 seinen Jobtitel auf Linkedin auf "Senior Staff Technical Program Manager" bei Tesla angepasst – und nicht wieder geändert.

Das Prinzip des Wiferion-Laders beruht auf demselben Prinzip, wie Induktions-Ladegeräte fürs iPhone oder Tablet. Einen großen Nachteil hat die komfortable Lösung: Beim drahtlosen Laden geht deutlich mehr Energie verloren, als beim Ladevorgang mit Kabel. Wiferion hat das Prinzip nach eigenen Angaben jedoch soweit perfektioniert, dass möglichst wenig Energie verloren geht. 93 Prozent sollen beim Empfänger ankommen. Damit ist Wiferion eigenen Angaben zufolge Branchenführer.