Textilwirtschaft hält geplantes Siegel "Grüner Knopf" für eine "Schnapsidee"

Die Textilwirtschaft hält das von Entwicklungsminister Gerd Müller (CSU) geplante Siegel für fair hergestellte Kleidung für eine "Schnapsidee". Der Hauptgeschäftsführer des Gesamtverbandes der Textil- und Modeindustrie, Uwe Mazura, sagte der "Augsburger Allgemeinen" vom Dienstag, das Siegel "Grüner Knopf" gefährde die Wettbewerbsfähigkeit der Unternehmen. "Wir haben den Eindruck, dass vor der bayerischen Landtagswahl alles recht ist, was Aufmerksamkeit erzeugen soll. Dafür stehen wir nicht zur Verfügung."

Die Zeitung zitierte aus einem internen Positionspapier, Müller ignoriere "allen fachlichen Rat", ihm gehe es "in erster Linie um politisches Marketing". Der "Grüne Knopf" könne "gar nicht halten, was er vorgibt zu versprechen", die Umstellung auf das neue Siegel sei "mit enormen zusätzlichen Kosten" verbunden, der Aufbau eines Überwachungssystems dauere Jahre. Nur bei kleinen Produktionsmengen sei die lückenlose Kontrolle vom Baumwollfeld bis zum Bügel möglich, nicht jedoch bei Massenprodukten.

Müller hatte das Siegel kürzlich für das kommende Jahr angekündigt. Der "Augsburger Allgemeinen" sagte der Minister, er halte trotz der Kritik der Textilwirtschaft daran fest. "Wir brauchen ein Siegel, das einfach und klar signalisiert: Hier handelt es sich um fair produzierte Kleidung".

Das von Müller ins Leben gerufene Bündnis für nachhaltige Textilien war im Oktober 2014 gegründet worden. Ziel ist, in der gesamten Produktions- und Handelskette soziale und ökologische Mindeststandards einzuführen. Nach Angaben des Ministers von Ende April hat das Bündnis rund 150 Mitglieder mit 50 Prozent Marktabdeckung. Sie setzen demnach rund 1500 Maßnahmen pro Jahr in den Bereichen Brandschutz, Gewerkschaftsrechte, Abwässer und nachhaltiger Baumwolle um.