Thüringer Bürgermeister: "Ich verstehe den Zorn der Bürger auf die Politik"

Marco Fieber
Seit dem 1. Juli Geras Oberbürgermeister: Julian Vonarb.

Die Deutschen sind wütend – auf die Politiker und Parteien. Ein Jahr nach der Bundestagswahl hatte die HuffPost in einer repräsentativen Umfrage nach dem Verhältnis der Bürger zur Politik gefragt.

► Das erschütternde Ergebnis: 80 Prozent sagten, dass ihr Vertrauen in Politiker seit der Bundestagswahl gesunken ist.

► Und fast 85 Prozent der Befragten glaubten nicht, dass sich die Politiker im vergangenen Jahr um die Probleme gekümmert haben, die den Bürgern wichtig sind.

Da passt es ins Bild, dass die Bürger der Ostthüringer 95.000-Einwohner-Stadt Gera einen parteilosen Politiker zu ihrem Oberbürgermeister wählten.

Julian Vonarbs Wahlsieg Ende April sorgte bundesweit für Aufsehen – auch weil der ehemaligen Banker ursprünglich aus Freiburg im Breisgau stammt. Vor allem aber, weil sich der 46-Jährige in der Stichwahl sehr deutlich gegen den AfD-Kandidaten Dieter Laudenbach durchsetzte.

Vonarb ist zwar nicht Mitglied in einer Partei, aber er ist Teil einer inoffiziellen Bewegung, die der Berliner Generationenforscher Klaus Hurrelmann von der Berliner Hertie School of Governance in der HuffPost zuletzt als “eine neue Apo” bezeichnete. Also eine außerparlamentarische Opposition, die sich jenseits der etablierten Parteien politisch engagiert und Einfluss nimmt. 

Wir haben mit Vonarb über Politik jenseits des politischen Establishments gesprochen – und darüber, warum er die Empörung vieler Bürger auf die Politiker versteht.

Sehr geehrter Herr Vonarb, bis vor kurzem waren sie kaum politisch engagiert. Jetzt sind Sie Oberbürgermeister. Um diese Karriere würde Sie manch etablierter Politiker beneiden. Wie kam es dazu? 

Das lag an der politischen Gemengelage Ende 2017, nur kurz nach der...

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