Thadeusz: Über Musikgeschmack lässt sich streiten

Kolumnist Jörg Thadeusz hat einen rechtsstaatlich unsauberen Vorschlag: ein teuflischer Deal mit Erdogan.

Campino kann ein toller Mann sein. Wie er da so in seinem Zugabteil saß. Der Promi der "Toten Hosen". Ein schlanker, attraktiver Herr. Mit einem in wertvolles Textil eingebundenen Buch in den Händen. So sind eigentlich nur Gedichtbände gestaltet, spekulierte ich. Ich war selbst auf dem Weg zum Bordbistro, um mich dort mit einem Separatorenfleisch-Sandwich zu vergiften. Wieder ein paar Bissen weiter davon weg, jemals mit freiem Oberkörper auf einer Bühne etwas Mitreißendes schreien zu dürfen. Wie Campino es schon seit Jahrzehnten beruflich tut.

Sein Kerngeschäft ist heute der Weihnachtsfeier-Sing-along. Wenn dem Abteilungsleiter nach drei Mixgetränken ungezwungen zumute wird, brüllt er "Tage wie diese" von den Toten Hosen. Muss nicht schön klingen, denn schon Campinos Original hat recht wenig Schmelz. Anstrengend wird Campino immer dann, wenn er glaubt, Markenpflege betreiben zu müssen. Dann ist er nicht besser als Rundfunkwerbung mit ihren erschütternd eingängigen Slogans: Carglas repariert, Campino teilt aus.

Jetzt musste ein Kraftausdruck für Jan Böhmermann her. Der ZDF-Moderator hatte in seiner Show herausgearbeitet, dass die jungen Männer, die das deutsche Musikgeschehen beherrschen, letztlich nichts fühlende Ver­dienapparate sind. Max Giesingers Musik ist seelenloser Schlager, findet Jan Böhmermann. Viel zu unpolitisch, verlogene Botschaften. So blickte damals in den 80er-Jahren schon meine Gemeinschaftskundelehrerin auf das Schlagergeschäft. Wer ausführlich zuhört, der la...

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