Thailändische Medien wegen Berichten über Facebook-Mordvideo in der Kritik

Kritik an thailändischen Medien nach Berichten über Facebook-Mord

Wegen ihrer Berichterstattung über einen bei Facebook Live gezeigten Mord an einem Baby sind die thailändischen Medien scharf kritisiert worden. Das Video zeigt einen Mann, der zunächst seine elf Monate alte Tochter tötet und anschließend sich selbst. Der Medienrat erhielt mehrere Beschwerden über die mediale Ausschlachtung der Tat, wie die Organisation am Mittwoch mitteilte.

"Diese Berichte waren unangemessen", urteilte der Medienrat und warnte vor Nachahmern, die sich Aufmerksamkeit erhofften. Mindestens eine große Tageszeitung hatte auf ihrer Titelseite ein Foto von der Tat gedruckt, mehrere Fernsehsender zeigten Ausschnitte aus dem im Online-Netzwerk Facebook hochgeladenen Video.

Zwar zeigen thailändische Medien häufig reißerische Fotos von Gewalttaten. Doch sagten viele Nutzer im Internet, dieses Mal seien sie zu weit gegangen. "Es war eine Nachrichtengeschichte, kein Horrorfilm. War es nötig, die Tonaufnahmen zu veröffentlichen?", fragte ein Nutzer im Onlineforum Pantip.

Die Tat war am Montag in einem verlassenen Flughafenhotel in Phuket verübt worden. Die Polizei, die von Freunden des Mannes auf das Online-Video aufmerksam gemacht wurde, konnte vor Ort nur noch den Tod der beiden feststellen.

Offenbar handelte es sich um eine Eifersuchtstat: nach Polizeiangaben war dem Mord ein Streit des Mannes mit der Mutter des Kindes vorausgegangen, weil sie ihn für einen anderen Mann verlassen wollte. Der Vater habe daraufhin das Kind und sich selbst erhängt.

Das Video war erst nach rund 24 Stunden von Facebook gelöscht worden. Erst vergangene Woche hatte Facebook-Chef Mark Zuckerberg zugesichert, künftig werde das Netzwerk der Verbreitung von Material zu Morden und Suiziden einen Riegel vorschieben. Es gebe "eine Menge Arbeit" in dieser Sache, sagte Zuckerberg.

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