"Thema LGBTIQ+ ist eine rote Linie": RTL-Reporter beklagen "Scheinheiligkeit" in Katar

Zwei Tage vor dem Start der Fußball-WM in Katar gibt die Dokumentation "Rote Karte statt Regenbogen - Homosexuelle in Katar" ein Update über das schwierige Leben der LGBTIQ+-Angehörigen vor Ort. (Bild: RTL)
Zwei Tage vor dem Start der Fußball-WM in Katar gibt die Dokumentation "Rote Karte statt Regenbogen - Homosexuelle in Katar" ein Update über das schwierige Leben der LGBTIQ+-Angehörigen vor Ort. (Bild: RTL)

Im Juni berichteten die RTL/ntv-Reporter Jonas Gerdes und Timo Latsch erstmals über Menschhenrechtsverletzungen, denen Angehörige der LGBTIQ+-Gesellschaft in Katar ausgesetzt sind. Zwei Tage vor dem Start der umstrittenen Fußball-WM melden sie sich nun mit einem Update zurück.

Zwei Tage vor Beginn der umstrittenen Fußball-Weltmeisterschaft in Katar melden sich die RTL/ntv-Reporter Jonas Gerdes und Timo Latsch mit einem Update ihrer vieldiskutierten Dokumentation "Rote Karte statt Regenbogen - Homosexuelle in Katar" zurück: Am Freitag, 18. November, um 19.30 Uhr zeigt ntv die aktualisierte 25-minütige Reportage, in der es um Menschenrechtsverletzungen an der LGBTIQ+-Gesellschaft geht, erstmals in voller Länge. Zeitgleich steht der Film auch bei RTL+ zum Abruf bereit.

Unter erschwerten Bedingungen haben die beiden Journalisten erneut betroffene Einheimische aus Katar, den renommierten Islamwissenschaftler Sebastian Sons und den Vorstandsvorsitzenden des VfB Stuttgart, Alexander Wehrle, für Interviews getroffen. Die Ängste und Sorgen der LGBTIQ+-Gesellschaft stehen dabei an erster Stelle: "Wenn die Leute uns wirklich unterstützen wollen, dann sollten sie die Weltmeisterschaft boykottieren", sagt etwa eine Transfrau: "Wenn sie sich nicht um uns kümmern, dann sind sie herzlich willkommen, und ich wünsche ihnen eine gute Zeit!"

Andere berichten von dem psychischen Druck, der auf vielen von ihnen lastet: "Nach all dem, was passiert ist, sind wir psychisch traumatisiert und brauchen echte mentale Hilfe in einer sicheren Umgebung, die gibt es hier nur leider nicht." Ein Homosexueller stellt zudem fest: "Wir haben existenzielle Angst vor Bestrafung und Tod, denn was wir in unserer Jugend gelernt haben, ist, dass schwul sein eine Verirrung ist, nichts Natürliches."

Die RTL/ntv-Reporter Jonas Gerdes (rechts) und Timo Latsch hatten sich bereits im Juni mit dem Thema Homosexualität in Katar beschäftigt.  (Bild: RTL)
Die RTL/ntv-Reporter Jonas Gerdes (rechts) und Timo Latsch hatten sich bereits im Juni mit dem Thema Homosexualität in Katar beschäftigt. (Bild: RTL)

"Das Thema LGBTIQ+ ist eine Art rote Linie"

"Für alle Berichterstatter ist diese WM eine besondere Herausforderung, da sie weitaus mehr als ein großes Sportereignis ist", sagt Timo Latsch, der stellvertretende Ressortleiter Sport bei RTL NEWS: "Das Sport Ressort von RTL/ntv wird das Turnier dementsprechend begleiten und neben der sportlichen Berichterstattung auch weiterhin die gesellschaftlichen Realitäten im Wüstenstaat genau im Blick behalten." Als Mitglied der "LGBTIQ+-Familie" habe er sich erstmals seit 2006 entschieden, "nicht als Sportreporter vor Ort über den Fußball zu berichten".

Sein Kollege Jonas Gerdes fügt hinzu: "Das Thema LGBTIQ+ ist eine Art rote Linie. In Interviews sind regelmäßig Pressesprecher eingeschritten, wenn ich kritisch nachgefragt habe. Der Spruch 'Jeder ist willkommen' klingt gut, ist aber an Scheinheiligkeit nicht zu überbieten, wenn man sich die Lage der LGBTIQ+-Menschen vor Ort genauer ansieht."