Thomas Anders: "Mein Sohn steht auf Kanye West"

Thomas Anders kann's auch auf Deutsch

Thomas Anders hat in seiner 40-jährigen Karriere über 125 Millionen Platten verkauft. Doch darunter war keine einzige auf Deutsch. Erst jetzt im Alter von 54 Jahren wagt er sich mit "Pures Leben" an ein deutsches Album. Was daran die größte Herausforderung war, hat er im Interview verraten. Außerdem spricht Anders über seinen Sohn Alexander, der nun im gleichen Alter ist, in dem seine Karriere damals startete.

Herr Anders, woher kam die Lust, erstmals ein deutsches Album zu machen?

Thomas Anders: Vor etwa vier Jahren kam mir die Idee, vielleicht doch einmal ein deutsches Album aufzunehmen. Ich habe in den fast 40 Jahren meiner Karriere immer wieder neue musikalische Alben ausprobiert. Für mich bekam die deutsche Sprache eine interessante Wendung. Sie wurde cooler und frischer. Meine ersten Singles waren auch deutsch, aber die Schlager von damals klangen eher nach gesungener "Fototapete".

Was war die größte Herausforderung an dem Album?

Anders: Deutsch zu singen! Wenn man in der Muttersprache singt, betont man Worte zunächst so, wie man sie gelernt hat. In der modernen Musik müssen Worte aber so betont werden, wie sie gut klingen. Das war die Herausforderung.

Ist es einfacher auf Englisch zu singen?

Anders: Ja. Die englische Sprache empfinden wir im Ausdruck als viel romantischer. Wenn ein Amerikaner singt: "I love you from the bottom of my heart", klingt das viel cooler als im Deutschen: "Ich liebe dich aus tiefstem Herzen".

Sind Sie trotzdem von irgendeinem deutschsprachigen Musiker Fan?

Anders: Fan ist zu viel gesagt, aber ich finde Gregor Meyle und Revolverheld toll. Die Songs berühren mich.

Würden Sie Ihre Musik als Schlager oder Deutschpop bezeichnen?

Anders: Als Pop-Schlager! Die Melodien sind eingängig, die Texte auch, die Produktion ist Pop.

Drückt der Albumtitel "Pures Leben" Ihr momentanes Lebensmotto aus? Ist das gerade die beste Zeit Ihres Lebens?

Anders: Es ist und war schon immer mein Lebensmotto. Mein Glas ist immer halbvoll und nie halbleer.

Freundschaft ist auch ein großes Thema auf dem Album. Was macht für Sie echte Freundschaft aus?

Anders: Für jemanden da zu sein. In schweren und leichten Zeiten. Mit jemandem zu lachen, ist immer leicht, aber mit jemandem weinen, macht Freundschaft aus.

Ist Ihre sagenhafte Musik-Karriere zuhause eigentlich Thema? Will Ihr Sohn wissen, was sein Papa so alles erreicht hat?

Anders: Ich glaube, dass ist nicht die Tiefe, die ein 14-Jähriger haben sollte. Alexander wurde mit meinem Leben groß. Wenn er mich heute bei Shows begleitet, findet er es toll, aber empfindet es nicht als "sagenhafte Karriere".

Findet es Ihr Sohn cool, dass Sie jetzt auf Deutsch singen?

Anders: Wir fassen es kurz. Er steht auf Kanye West.

Alexander ist jetzt genau in dem Alter, in dem Sie Ihre ersten musikalischen Schritte gemacht haben. Würden Sie sich freuen, wenn er mal in Ihre Fußstapfen tritt oder hat er ganz andere Pläne fernab der Musik?

Anders: Oh, nein! Bitte keine Musik-Karriere. Es ist so schwer und hart geworden. Wenn man nicht dafür brennt und leidensfähig ist, sollte man die Finger von diesem Wunsch lassen.

Foto(s): Ben Wolf

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