Tier- und Verbraucherschützer fordern Eier-Kennzeichnung für verarbeitete Produkte

Vor dem Osterfest haben Tier- und Verbraucherschützer eine Ausweitung des Kennzeichnungssystems von rohen Eiern auf alle eihaltigen Lebensmittel gefordert

Tier- und Verbraucherschützer haben eine Kennzeichnungspflicht für alle eihaltigen Lebensmittel und Speisen gefordert. Der Gesetzgeber sei in der Pflicht, "die sehr transparente Kennzeichnungspflicht von rohen Eiern auch auf verarbeitete Produkte mit Ei auszuweiten", erklärte Waltraud Fesser, Ernährungsexpertin der Verbraucherzentrale Rheinland-Pfalz am Montag gegenüber der Nachrichtenagentur AFP. Ein Drittel der in Deutschland verzehrten Eier sei in Fertigprodukten enthalten.

Seit 2004 müssen rohe Eier mit einem Stempel gekennzeichnet werden. Der Erzeugercode gibt Auskunft über die Herkunft der Eier und die Haltungsart der Legehennen. Die Ziffer 0 steht dabei für die ökologische Haltung, die 1 für Freilandhaltung und die 2 für Bodenhaltung. Die mit 3 markierten Eier stammen von Hühnern, die in Kleingruppen in Käfigen leben.

Werden die Eier zu Lebensmitteln wie Mayonnaise und Nudeln weiterverarbeitet oder in der Gastronomie verwendet, entfällt die Kennzeichnungspflicht. Auch gekochte und gefärbte Eier müssen keinen Stempel tragen.

Bundeslandwirtschaftsminister Christian Schmidt (CSU) hatte Lebensmittelherstellern am Wochenende zwar empfohlen, die Kennzeichnung auch auf gekochte und gefärbte Eiern auszuweiten - allerdings auf freiwilliger Basis. Das reicht Tier- und Verbraucherschützern nicht. "Wir fordern auch für verarbeitete Eier eine Kennzeichnung analog zu der Kennzeichnung für Schaleneier", sagte eine Sprecherin des Deutschen Tierschutzbundes der Nachrichtenagentur AFP. Denn bei diesen hätten Verbraucher derzeit noch nicht wirklich eine Wahl, "außer sie kaufen im Bioladen ein".

Eine Sprecherin des Verbraucherzentrale Bundesverbands sagte, eine Kennzeichnung von Eiern sei auch für Gaststätten und Hotels erstrebenswert und machbar. Nur so könnten Konsumenten auf Qualität und Tierschutz achten. Mit der Einführung der Kennzeichnungspflicht bei rohen Eiern habe sich das Einkaufsverhalten der Verbraucher verändert. Eier aus Käfighaltung würden seitdem kaum noch nachgefragt, sagte die Sprecherin - ein Effekt, den die Tier- und Verbraucherschützer auch bei eihaltigen Lebensmitteln erwarten, sollte es zu einer Kennzeichnungspflicht kommen.

Hersteller eihaltiger Lebensmittel machen zum Teil schon freiwillig Angaben zur Haltungsart, auf der Vorderseite der Verpackung oder in der Zutatenliste. Ein Sprecher der Tierschutzorganisation Albert Schweitzer Stiftung für unsere Mitwelt äußerte im Gespräch mit AFP aber die Vermutung, dass Hersteller, die keine Angaben machen, zum Teil noch immer auf Eier aus Käfighaltung setzen.

Auch die Geflügelwirtschaft forderte eine Ausweitung der Kennzeichnung von Eiern auf eihaltige Lebensmittel. Künftig solle klar erkennbar sein, "aus welcher Haltungsform und aus welchem Land die Eier stammen", sagte der Chef des Bundesverbandes Deutsches Ei (BDE), Günther Scheper, der "Neuen Osnabrücker Zeitung" vom Dienstag.

Der Verbraucherorganisation Foodwatch gehen die Angaben auf frischen Eiern allerdings schon nicht weit genug. Viele Eier stammten von "kranken Legehennen", ohne dass Verbraucher das erkennen könnten, kritisierte die Organisation am Montag. Der Stempel mit den Ziffern 1 bis 3 informiere zwar über formalen Haltungskriterien. Über Erkrankungen wie Brustbeinschäden oder Wurmbefall sage das aber nichts aus. Foodwatch forderte daher von der Bundesregierung auch verbindliche "Vorgaben für die Tiergesundheit".

Mit Yahoo Nutzung stimmen Sie zu, dass Yahoo und Partner Cookies für Personalisierungs- und andere Zwecke nutzen