Todesfahrt am Ku'damm: Fahrer hatte psychische Probleme

Ein Mann rast in Berlin in eine Gruppe aus Schüler*innen und Lehrer*innen, die auf Klassenfahrt in der Hauptstadt sind. Schnell wird klar, dass es kein Verkehrsunfall war. Auch ein extremistischer Anschlag gilt als unwahrscheinlich. Der Täter soll psychisch gestört sein.

Bei dem Vorfall am Ku'damm starb eine Frau und 14 Menschen wurden teils schwer verletzt.
Bei dem Vorfall am Ku'damm starb eine Frau und 14 Menschen wurden teils schwer verletzt. (Bild: Sean Gallup/Getty Images)

Der tödliche Vorfall mit einem Auto am Berliner Ku'damm wird von der Bundes- und Landesregierung als Amoktat eingestuft. Nach Bundeskanzler Olaf Scholz äußerte sich auch Berlins Regierende Bürgermeisterin Franziska Giffey (beide SPD) am Donnerstagmorgen entsprechend: "Das hat sich gestern Abend verdichtet", sagte Giffey im RBB-Inforadio. Durch die Ermittlungen der Polizei sei klar geworden, "dass es sich um die Amoktat eines psychisch schwer beeinträchtigten Menschen handelt". Auch Berlins Innensenatorin Iris Spranger (SPD) hatte sich am Mittwochabend bei Twitter so ausgedrückt.

Eine Lehrerin aus Hessen starb bei der Tat

Der Todesfahrer hatte nach Erkenntnissen der Polizei in der Vergangenheit psychische Probleme. "Die genauen Umstände müssen im Rahmen der laufenden Ermittlungen noch geklärt werden", sagte Spranger am Donnerstag im Abgeordnetenhaus. Der Mann sei bei der Polizei mehrfach aufgefallen, es habe Ermittlungen gegeben wegen Körperverletzung, Hausfriedensbruchs und Beleidigung.

Über politische und extremistische Taten sei nichts bekannt. "Auch im Zusammenhang mit verfassungsfeindlichen Bestrebungen ist der Tatverdächtige bisher nicht aufgefallen." Im Auto sei kein Bekennerschreiben gefunden worden, sagte Spranger. "Im Auto wurden Plakate gefunden. Ob und inwieweit diese im Zusammenhang mit der Tat stehen, ist auch Gegenstand der Ermittlungen." Spranger betonte: "Deshalb bewerte ich nach derzeitigem Stand das gestrige Geschehen als einen Amoklauf einer psychisch beeinträchtigten Person."

Der Mann befinde sich im Polizeigewahrsam und werde am Donnerstag einem Richter vorgeführt, sagte Spranger. Der Richter kann einen Haftbefehl ausstellen, so dass der Mann in Untersuchungshaft kommt. "Die Ermittlungen werden von der Mordkommission geführt und laufen auf Hochtouren. Die Maßnahmen vor Ort sind abgeschlossen." Die Polizei habe am Mittwochabend die Wohnung des Mannes durchsucht. "Zurzeit wird sowohl das Mobiltelefon als auch der Computer sehr intensiv untersucht."

Bei seiner Tat tötete der Fahrer am Mittwochvormittag eine Lehrerin aus Hessen und verletzte insgesamt 14 Menschen, vor allem aus der dazugehörigen Schüler*innengruppe. Der Fahrer - ein 29 Jahre alter, in Berlin lebender Deutsch-Armenier - wurde gefasst und in ein Krankenhaus gebracht. Am Abend gedachten zahlreiche Menschen in der Gedächtniskirche der getöteten Frau und der Verletzten.

"Dunkler Tag in der Berliner Stadtgeschichte"

Bereits am Mittwoch wurde unter anderem auch die Wohnung des Fahrers in Charlottenburg von der Polizei durchsucht. Die Schwester des Verdächtigen sagte einem "Bild"-Reporter: "Er hat schwerwiegende Probleme." Nachbar*innen äußerten sich der Zeitung zufolge erstaunt, "dass er zu so einer Tag fähig ist."

Giffey sagte am Donnerstagmorgen über den Täter, mit Hilfe eines Dolmetschers werde versucht, mehr "aus den teilweise wirren Äußerungen, die er tätigte, herauszufinden". Ob die Plakate mit Bezug zur Türkei, die in dem Tatfahrzeug des Deutsch-Armeniers lagen, eine Rolle gespielt hätten, werde noch ermittelt. Sie sprach von einem "dunklen Tag in der Berliner Stadtgeschichte".

Die Notfall-Pläne zum koordinierten Einsatz aller Rettungskräfte und der psychosozialen Betreuung der Opfer hätten am Mittwoch "vorbildlich gegriffen", sagte Giffey. Umgesetzt worden sei, was nach dem islamistischen Terroranschlag 2016 "als Notfall- und Aktionsplan erarbeitet worden ist". Am Mittwoch sei auch begonnen worden, ein Koordinierungsteam einzusetzen für die Opferhilfe.

Schüler*innen werden psychologisch betreut

Von den 24 Schüler*innen der 10. Klasse Gruppe aus Hessen lägen 7 im Krankenhaus, sagte Giffey. Insgesamt seien sechs Menschen lebensgefährlich und drei weitere schwer verletzt worden. Darunter ist auch ein Lehrer. Die unverletzten Jugendlichen seien in ihrem Hotel von Berliner Schulpsycholog*innen betreut worden. Noch am Mittwoch seien Eltern der Jugendlichen zusammen mit Schulpsycholog*innen aus Hessen mit einem Bus angereist.

Als nächster Schritt folge die rechtliche und finanzielle Unterstützung zusammen mit der Opferhilfe und der hessischen Landesregierung. Sie habe in der Nacht noch mit dem hessischen Ministerpräsidenten gesprochen.

Zu möglichen Schutzmaßnahmen durch Poller an Straßen sagte Giffey, zu Wahrheit gehöre auch, "dass wir nicht die ganze Stadt abpollern können und auch nicht den ganzen Ku'damm abpollern können". Es werde aber von den Behörden untersucht, was zur Sicherheit zusätzlich möglich sei.

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