Todesfall am Mediapark: Haus ohne Genehmigung entkernt – schwerer Eingriff in Statik

Der Arbeiter wurde von herabstürzenden Betonteilen erschlagen.

Das Gemäuer ist heruntergekommen, die Fenster mit Spanplatten verschlossen. Zehn Jahre soll das Haus in der Straße Am Kümpchenshof leergestanden haben. Das berichtet eine Anwohnerin des Gebäudes, das keine Minute Fußweg vom Mediapark entfernt steht.

Hinter der maroden Eingangstür des Hauses kam es am Montag zu einem Todesfall. Ein 31 Jahre alter Mann wurde von herabstürzenden Betonteilen getroffen. Seine Kollegen baten in der der angrenzenden Fahrradwerkstatt sofort, den Notarzt zu rufen, doch das Unfallopfer starb noch vor Ort.

„Derzeit gibt es keinen Hinweis auf Fremdverschulden“, sagt ein Polizeisprecher. Der 31-Jährige verursachte den Absturz der Betonteile offenbar eigenhändig. Im Zusammenhang mit dem Todesfall werde daher kein Strafverfahren eingeleitet.

Anwohner bemerkten nichts von den Arbeiten

Ob gegen den Hauseigentümer hingegen ermittelt wird, ist bislang noch unklar. Der Mann betrieb am Kümpchenshof nach Meinung der Stadt eine illegale Baustelle. An der Tür hängt deswegen seit Montagnachmittag auch eine Ordnungsverfügung der Stadt Köln: „Diese Baustelle ist behördlich stillgelegt.“ Bauarbeiten dürfen hier vorerst nicht mehr stattfinden.

Nach dem jahrelangen Stillstand sollen die Arbeiten im Haus vor wenigen Wochen begonnen haben, heißt es aus der Nachbarschaft. Bis Dienstagmorgen stand vor dem Haus auch ein Container, in dem die Bauarbeiter Schutt abluden. Inzwischen ist der Container weggebracht worden. Dass auf der Baustelle illegale Arbeiten stattfanden, ahnte bis Montag keiner der Anwohner, die am Dienstag mit dem „Kölner Stadt-Anzeiger“ sprechen. „Bei dem riesigen Umfang der Arbeiten kann man ja eigentlich davon ausgehen, dass hier alles legal ist“, sagt ein Mann.

Massiver Eingriff in die Statik des Bauwerks

Vom Gegenteil ist derzeit auszugehen. Wie Stadtsprecherin Inge Schürmann sagt, habe es zwar eine Genehmigung für Bauarbeiten gegeben, diese habe allerdings nur die Umnutzung von Räumen und die Zusammenlegung von Wohnungen beinhaltet. Zum einen war der Baubeginn dieser im Juni 2016 genehmigten Arbeiten nicht angezeigt worden, weshalb es nach Aktenlage der Stadt überhaupt keine Baustelle gab.

Zum anderen waren die tatsächlich vorgenommenen Eingriffe in das Bauwerk schwerwiegender. Was die Kontrolleure der Bauaufsicht nach dem Unglück zu sehen bekamen, „ließ selbst die Experten staunen“, so Schürmann. Das Haus war entkernt, Zwischendecken abgetragen worden. Von der Straße aus kann man durch einen Spalt an einer herabhängenden Markise vom Erdgeschoss bis unter das Dach blicken. „Da wurde massiv in die Statik des Hauses eingegriffen“, so Schürmann. Die erteilte Genehmigung habe mit der vorgefundenen Baustelle fast nichts zu tun.

Dass kein Statiknachweis erbracht wurde, ist dem verunglückten Bauarbeiter womöglich zum Verhängnis geworden. Schürmann: „Wir verlangen einen Statik-Nachweis nicht, um die Leute zu ärgern, sondern zum Schutz der Menschen, die sich auf der Baustelle bewegen.“...Lesen Sie den ganzen Artikel bei ksta

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