Transatlantik-Koordinator: Trump in Syrien "in der Wirklichkeit angekommen"

Der Koordinator für transatlantische Zusammenarbeit der Bundesregierung, Jürgen Hardt (CDU), bewertet den US-Raketenangriff auf einen syrischen Luftwaffenstützpunkt als Zeichen für einen außenpolitischen Kurswechsel von US-Präsident Donald Trump

Der Koordinator für transatlantische Zusammenarbeit der Bundesregierung, Jürgen Hardt (CDU), sieht im US-Raketenangriff auf einen syrischen Luftwaffenstützpunkt ein Zeichen für einen außenpolitischen Kurswechsel von US-Präsident Donald Trump. "Trump kann die Rolle der USA nicht verleugnen. Er führt den wichtigsten und stärksten internationalen Akteur", sagte Hardt der "Welt" (Samstagsausgabe).

Der US-Präsident merke nun, dass der Nichteinsatz dieser Stärke "genauso moralisch verwerflich sein kann wie der falsche Einsatz derselben", sagte Hardt. Damit sei er "in der Wirklichkeit eines amerikanischen Präsidenten angekommen".

Trump vertrete inzwischen auch gegenüber Russland "traditionelle Positionen des Westens" ? nicht nur in Syrien, sondern auch in der Ukraine. "In dieser Hinsicht führt Trump die Politik Obamas fort", sagte Hardt. Er erwarte, dass sich die USA auch weiterhin in Syrien nach dem "Prinzip der Angemessenheit und Verhältnismäßigkeit" militärisch engagieren.

Hardt äußerte die Ansicht, dass der syrische Staatschef Baschar al-Assad nach den jüngsten Giftgas-Angriffen in Syrien keine Rolle in der Zukunft des Landes spielen dürfe. "Angesichts der Bilder von Kindern, die mit Giftgas ermordet wurden, kann niemand ernsthaft glauben, dass es in Syrien eine Zukunft mit Assad geben kann", sagte Hardt. Man könne es keinem Syrer zumuten, dass Assad, gestützt auf eine vom Westen vereinbarte Friedensinitiative, das Land in Zukunft weiterregiere. Deutschland solle zudem weiter darauf dringen, dass Syrien sein Arsenal an Chemiewaffen konsequent vernichtet.

Russland sieht Hardt als Schlüssel zur Beendigung des Konflikts. Moskau müsse seine Blockadehaltung aufgeben und den Weg für eine friedliche Zukunft Syriens freimachen. "Es gibt ja einen Friedensplan, der 2015 ausgehandelt wurde. Wenn der UN-Sicherheitsrat diesen auch mit der Hilfe Russlands umsetzt, dann gibt es Hoffnung", appellierte Hardt in der "Welt".

Nach US-Regierungsangaben waren in der Nacht zu Freitag 59 Marschflugkörper vom Typ Tomahawk auf den syrischen Luftwaffenstützpunkt Al-Schairat in der Provinz Homs abgefeuert worden. Es war die erste direkte US-Attacke auf die syrischen Streitkräfte in dem seit sechs Jahren andauernden Bürgerkrieg.

Trump bezeichnete den Raketenangriff als Reaktion auf den mutmaßlichen Chemiewaffenangriff von Chan Scheichun in Syrien. Für den Angriff vom Dienstag mit mindestens 86 Toten machte der US-Präsident Assad verantwortlich. Die syrische Regierung weist den Vorwurf zurück.

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