Trauer um Otto von Habsburg

Pöcking/München (dapd). Otto von Habsburg, der älteste Sohn des letzten Kaisers von Österreich und Königs von Ungarn, ist tot. Der frühere CSU-Europaabgeordnete und Ehrenpräsident der Internationalen Paneuropa-Union starb am frühen Montagmorgen im Alter von 98 Jahren in seinem Haus in Pöcking am Starnberger See, wie seine Sprecherin mitteilte. Spitzenvertreter von Politik und Kirchen würdigten Habsburgs Verdienste um die europäische Einigung.

Der Leichnam Habsburgs wird der Sprecherin zufolge am Dienstagmittag voraussichtlich für drei Tage in der Sankt-Ulrichs-Kirche in Pöcking aufgebahrt. Die Kirche werde rund um die Uhr geöffnet sein, ein Kondolenzbuch liege aus. Für Ende der Woche sei ein Requiem in Pöcking geplant, für den 11. Juli in der Münchner Theatinerkirche mit Kardinal Reinhard Marx, für den 13. Juli in Mariazell.

Am 16. Juli hält der Wiener Kardinal Christoph Schönborn im Stephansdom ein Requiem. Anschließend wird Habsburg zusammen mit seiner im Februar 2010 verstorbenen Frau, Prinzessin Regina von Sachsen-Meiningen, in der Kaisergruft in Wien seine letzte Ruhestätte finden. Habsburgs Herz wird separat beigesetzt - im ungarischen Pannonhalma. Ferner ist für 17. Juli eine Gedenkmesse in Budapest geplant.

EU-Kommissionspräsident José Manuel Barroso sagte, mit Habsburg sei ein großer Europäer "von uns gegangen, der dem europäischen Einigungswerk zeit seines reichen Lebens wichtige Impulse verliehen hat". Er habe die europäische Erfolgsgeschichte mitgeprägt und einen zentralen Beitrag zur Öffnung des Eisernen Vorhangs sowie zur friedlichen Wiedervereinigung des Kontinents geleistet.

"Tief betroffen" zeigte sich der österreichische Bundeskanzler Werner Faymann. Er hob insbesondere Habsburgs entschiedene Gegnerschaft zu Nationalsozialismus und Faschismus hervor, sein "beherztes Auftreten" für ein friedliches und vereintes Europa und seinen Einsatz für den Fall des Eisernen Vorhangs. Der bayerische Ministerpräsident Horst Seehofer (CSU) sagte, Habsburg bleibe unvergessen "als Anwalt Europas, als Verteidiger der Freiheit und Bewahrer des Glaubens und unserer Werte".

Kardinal Marx betonte, Habsburgs Vorbild müsse "uns gerade in der heutigen schwierigen Situation Europas eine Ermutigung sein". Ähnlich äußerte sich der Vorsitzende der Konrad-Adenauer-Stiftung und Ex-Präsident des EU-Parlaments, Hans-Gert Pöttering (CDU): "Sein unerschütterlicher Glaube an die Notwendigkeit der europäischen Einigung bleibt uns gerade heute, bei den großen Herausforderungen vor denen die Europäische Union steht, Mahnung und Verpflichtung."

Als "den letzten großen Baumeister der Europäischen Einigung aus der Pionier-Generation" bezeichnete der Präsident der Paneuropa-Union, Bernd Posselt, den Verstorbenen. Die Präsidentin des Bundes der Vertriebenen, Erika Steinbach, sagte, mit Habsburg hätten die Heimatvertriebenen eine starke Stütze und einen verständnisvollen Vermittler zwischen den europäischen Völkern verloren.

Otto von Habsburg wurde am 20. November 1912 in Reichenau in Niederösterreich als Sohn von Erzherzog Karl geboren. Nach dem Zusammenbruch der Habsburger Monarchie ging die Familie 1919 ins Exil.

Habsburg wuchs in Spanien und Belgien auf. Während des Zweiten Weltkriegs lebte er in den USA, kehrte anschließend aber nach Europa zurück. Nach Österreich reiste Habsburg aber erst 1966 nach einem 48 Jahre andauernden Landesverweis und fünfjährigem Rechtsstreit wieder ein.

31 Jahre lang führte er als Präsident die Paneuropa-Union, von 1979 bis 1999 saß er für die CSU im Europäischen Parlament. 1989 war er Initiator und Schirmherr des "Paneuropäischen Picknicks" an der österreichisch-ungarischen Grenze, bei dem mehr als 600 DDR-Bürger in die Freiheit gelangten.

Zusammen mit seiner Frau lebte er seit 1954 in Pöcking. Das Paar bekam 7 Kinder, 22 Enkelkinder und 2 Urenkel. Seine Funktion als Chef des Hauses Habsburg übergab er 2007 an seinen ältesten Sohn Karl Habsburg-Lothringen. Dieser würdigte seinen Vater am Montag als eine "überragende Persönlichkeit": "Mit ihm verlieren wir einen großen Europäer, der uns in allem, was wir heute tun, über die Maßen geprägt hat."

dapd

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