Traumberuf aufgegeben: Warum ein Kölner am Ende doch nicht Hundeausbilder wurde

Angeblich sei er als Mann nicht sensibel genug gewesen.

Mein heutiger Gesprächspartner ist der erste Mann, dem ich begegne, der davon erzählt, Opfer von männlicher Diskriminierung geworden zu sein. Wäre das damals – vor etwa 20 Jahren – nicht passiert, würde Christian Thieltges heute nicht im IT-Bereich arbeiten, sondern hätte womöglich schon viele Hunde zu Begleitern für Behinderte ausgebildet.

Können Männer etwa nicht sensibel sein?

Doch als er sich damals bewarb, hat man ihm – oder besser gesagt: hat ihm eine Frau an entsprechender Stelle zu verstehen gegeben, er käme für solch eine Aufgabe nicht infrage, „weil Männer nicht sensibel genug“ seien. „Das glaube ich nicht!“, widerspreche ich. Doch, beharrt Thieltges, genauso habe es sich abgespielt.

Ich habe für mein heutiges Kaffeegespräch einen Ausflug ins Rechtsrheinische beschlossen, um auf der Deutzer Freiheit das Café Heimisch zu besuchen, von dem ich bereits Positives gehört hatte. Nur wenige Meter entfernt begegne ich einem Mann mit ähnlicher Haarpracht wie der deutsche Komiker Bülent Ceylan, und ich freue mich, dass der 41-Jährige keine Einwände gegen ein Gespräch hat. 

Ich erfahre, dass er aus Zons stammt und damals von seiner Großmutter, die Hebamme war, als problemlose Hausgeburt auf die Welt geholt wurde.

Wir sprechen über die Kleinstadt am Rhein die 5000 Einwohner hat und die vor allem im Sommer von Tausenden von Touristen überrollt wird, die großteils ein bisschen Mittelalter-Feeling erleben wollen. Er sei „zum Glück im Neubaugebiet aufgewachsen – in der Nähe des Deiches“. Mich interessiert, inwieweit Zons für ihn ein Ort ist, mit dem er ein Heimatgefühl verbindet. 

„Ja klar, ich bin da geboren“, stellt Thieltges fast ein bisschen pathetisch fest, was mich schmunzeln lässt. Ich sei in Wuppertal geboren und könne anstelle eines Heimatgefühls nur ein Vakuum feststellen, erkläre ich.

Mein Gegenüber nickt verständnisvoll. „Ja klar, das ist ja auch eher ’ne Schlucht. Aber es gibt die Schwebebahn“, sagt er, dem Ton nach durchaus begeistert, und fügt hinzu: So was könnte die Verkehrsprobleme in Köln doch viel besser lösen, als eine weitere Seilbahn entlang des Rheinufers, wie von der Ratsgruppe Gut vorgeschlagen.

So entstand seine Liebe zu Köln-Deutz

Die Kölner schafften es ja kaum, die bestehende Seilbahn wieder in Betrieb zu nehmen. Und wenn die für ein solch kurzes Stück fast zwei Jahre brauchten, dann frage er sich, wie sie ein Projekt mit mehr als 30 Kilometer Länge realisieren wollten. Eine Schwebebahn hingegen ließe sich mit den bestehenden Brücken verbinden - „so als Brückentaxi“. Natürlich müssten da noch weitere kreative Ideen einfließen.

Thieltges lebt seit 2003 in Köln, hat erst in Mülheim gewohnt und ist 2005 nach Deutz gezogen. Ein guter Platz zum Leben und Wohnen? – „Super, ich kann mich nicht beschweren, ich gehe seit 13 Jahren zu Fuß zur Arbeit“, sagt der 41-Jährige, der sich beruflich mit IT-Sicherheit beschäftigt.

Konzerte in Köln 

Der Stadtteil habe zwar „nicht das Nachtleben von Ehrenfeld“, aber ihm reiche die Lanxess-Arena, das E-Werk, das Palladium, „Ich gehe halt gerne auf Konzerte“, und Köln sei für ihn die Konzertstadt in NRW.

Und auch sonst fiele ihm praktisch nichts ein, was fehle. Es gebe genügend Einkaufsmöglichkeiten, ausreichend Straßenbahnen, einen Bahnhof vor der Tür. Von der Verkehrsanbindung her sei es seiner Auffassung nach der beste Stadtteil. „Außerdem mag ich den Typ Mensch hier. In Köln ist einfach eine besondere Klientel an Leuten.“   

Der Text ist für die Serie „Zwei Kaffee bitte" entstanden. Die Idee dahinter: Wie reagieren Menschen – was erzählen sie, wenn man sie auf der Straße anspricht und zu einem Kaffee einlädt?...Lesen Sie den ganzen Artikel bei ksta