Trendreport Athleisure: Warum sind Trainingsanzüge so angesagt?

“Wer eine Jogginghose trägt, hat die Kontrolle über sein Leben verloren“, hat Karl Lagerfeld mal gesagt. Dem Modezar wäre damals aber vermutlich auch nie in den Sinn gekommen, dass Trainingsanzüge mal die Laufstege dieser Welt erobern würden. Denn Athleisure ist schon lange kein Fashion-K.o mehr und nur für die heimische Couch reserviert. Bella Hadid, Rihanna und sogar Herzogin Catherine machen es vor und tragen die sportlichen Outfits nun auch in der Öffentlichkeit. Sportlich muss man dafür aber nicht sein.

Viele Stars greifen lieber zu lässigen Sportklamotten als sich in enge Outfits zu zwängen (Bilder: Getty Images)

Athleisure heißt der neueste Trend, der die Fashion-Welt erobert – ein Wort, das sich aus Athletic und Leisure zusammenstellt und es theoretisch selbst Karl Lagerfeld erlaubt, Jogginghosen zu tragen. Nicht, dass er es jemals tun würde, aber dennoch. Denn noch nie war der Grat zwischen Luxusmode und Sportartikeln schmaler als jetzt.

Mit Athleisure lassen sich laut Untersuchung der US-Bank Morgan Stanley im Jahr 2020 weltweit rund 350 Milliarden US-Dollar verdienen – und das haben wir nicht nur den Jenner-Schwestern Kylie und Kendall zu verdanken, die mit ihren Trainingsanzügen täglich die Instagram-Feeds zupflastern. Athleisure ist kurz gesagt: Sportkleidung für nicht-sportliche Aktivitäten.

Dass Bequemlichkeit Hand in Hand mit Luxus geht, haben Sportriesen wie Adidas längst erkannt und bringen deshalb auch regelmäßig Designer-Kooperationen mit namhaften Designern wie Stella McCartney, Raf Simons oder Alexander Wang auf den Markt.

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Trainingsanzüge bestehen nicht länger nur aus Jogginghosen mit drei seitlichen Streifen. Die Modelle reichen von pompösen Samtausführungen und edlen Satin-Looks bis hin zu Anzügen mit aufwendigen Stickereien.

Im Trainingsanzug im Privatjet sitzen? Was früher unvorstellbar gewesen wäre, ist heute selbstverständlich.

Stars wie Kate Hudson oder Beyoncé haben diesen Hype genutzt, um ihre eigene Sportkollektion auf den Markt zu bringen. Neben großen Sportbrands wie Nike oder Adidas sprangen auch Modeketten wie H&M, Zara und Only auf den Zug auf und entwickelten eigene Sportswear.

Weg mit dem Schlabber-Image! Jogginghosen mit Streifen sind total angesagt

Doch wie ist das Phänomen Athleisure zu erklären? Wieso lassen sich immer mehr und mehr Leute zum legeren Look hinreißen? “Casual und Athleisure haben sich verselbstständigt“, erklärte Marshal Cohen, Chef-Industrie-Analyst vom amerikanischen Marktforschungsunternehmen “The NPD Group“ dem Wirtschaftsmagazin “Forbes“. “Das ist nicht länger nur ein Trend – er ist zu einem Lebensstil geworden, der zu bequem ist für die Verbraucher jeden Alters, um ihn in absehbarer Zeit wieder aufzugeben.“

Jessica Simpson pimpt ihren sportlichen Look mit Accessoires (Bild: Getty Images)

Damit Athleisure auch im Alltag gut funktioniert, werden Trainingsanzüge mit High Heels, pompösem Schmuck, stylishen Taschen oder coolen Sonnenbrillen aufgewertet. Wer in der Medien- oder Modebranche tätig ist, kann die bequemen Sportklamotten nicht nur im Homeoffice tragen, sondern auch ins Büro ausführen. Banker oder Rechtsanwaltsgehilfinnen sollten allerdings auch weiterhin zum altbewährten Hosenanzug oder Bleistiftrock greifen. Und Karl Lagerfeld? Der wird wohl auch weiterhin nur den Kopf schütteln.