True Fruits: Die Aufreger in 2019 und was dahintersteckt

Ann-Catherin Karg
Freie Journalistin

Kaum ein anderes Unternehmen hat in den vergangenen Monaten für so viel Kritik gesorgt wie True Fruits. Denn der Smoothie-Hersteller provoziert gerne, und dass bis an die Grenzen dessen, was gesellschaftlich noch akzeptabel ist. Heraus kamen Werbekampagnen, die mit sexistischen und rassistischen Motiven spielen.

Anfang 2019 nahm True Fruits den Smoothie in der schwarzen Flasche aus dem Sortiment. (Bild: True Fruits / Facebook)


Februar 2019: Der schwarze Smoothie

Im Jahr 2017 brachte True Fruits einen Smoothie in einer schwarzen Glasflasche auf den Markt, den es in Österreich mit einer sehr doppeldeutigen Plakatkampagne bewarb. Weil Österreich und Rest-Europa damals tief in der Flüchtlingskrise steckten, schrieb das Unternehmen Slogans in Anspielung auf Grenzkonflikte und die in Österreich diskutierte Schließung des Brennerpasses: “Unser Quotenschwarzer“ hieß es da. Oder auch: “Schafft es selten über die Grenze“.

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Nach massiver Kritik nahm True Fruits den schwarzen Smoothie im Februar 2019 aus dem Sortiment. Doch die Rassismus-Vorwürfe wollte das Bonner Unternehmen nicht auf sich sitzen lassen. In den sozialen Medien kamen dann kurz hintereinander zwei Rechtfertigungen in Roman-Länge. Im zweiten Post nahm True Fruits dann auch zu sämtlichen anderen Vorwürfen Stellung, die es in der Vergangenheit wegen sexistischer Werbung kassiert hatte.

 

“Ernsthaft zu glauben, dass ein öffentliches Unternehmen unserer Größe Interesse daran haben könnte, rassistische Propaganda zu betreiben, um daraus Kapital zu schlagen, zeugt von wenig Geistesschmalz“, schreibt True Fruits. Und auch, dass sie bewusst provozieren würden: “Klar, wir spielen (…) mit einer (…) Doppeldeutigkeit, aber die Doppeldeutigkeit entsteht ja im Kopf des Lesers.“

Die Verbraucher fühlten sich nicht ernst genommen und ließen ihre Wut an der Firmenzentrale von True Fruits in Bonn aus, die mit Graffiti und Eiern beschmiert wurde:

 Doch anstatt zu beschwichtigen, schlug True Fruits munter weiter in die “Ihr seid einfach zu dumm, um uns zu verstehen“-Kerbe. Denn unter den Instagram-Post erklärte das Unternehmen, dass ja irgendjemand diese Sauerei wegmachen müsse. Mit “Wählt den aus, der euch geeignet erscheint“, folgten Bilder von angeblichen Mitarbeitern, darunter auch Bilder von afroamerikanischen und asiatischen Personen. Hinterher stellte sich heraus, dass hier zum Großteil Symbolbilder verwendet wurden.

Sommer 2019: Die Affäre um den Sonnencreme-Penis

Ein weißer Smoothie mit Pfirsich-Maracuja-Geschmack. Das perfekte Getränk für den Sommer. Und auch noch witzig verpackt, mit einer Glasflasche, die an eine Sonnencreme-Packung erinnert.

“Sun Creamie“ nennt True Fruits die Special Edition und bewirbt den Smoothie auf Instagram mit einer Kampagne, die für enorme Aufregung sorgte. Denn der milchige Saft erinnert die Marketingmenschen auch noch an etwas anderes. Um daran auch wirklich keinen Zweifel zu lassen, ließen sie einen Penis sprechen. Und nicht nur das: Der Penis wurde ejakulierend mit Sonnencreme auf den Rücken des weiblichen Werbemodels gemalt. Spätestens beim Werbespruch hatte es auch der Letzte kapiert: “Der Sommer feiert sein Cumback“, wobei “Cum“ im englischen “Sperma“ bedeutet.

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Ein Shitstorm brandete auf, die Instagram-User verurteilten die Werbung als kindisch, pubertär und sexistisch. True Fruits heizte die Gemüter noch weiter an, indem sich das Unternehmen in einer Stellungnahme bewusst arrogant von den Vorwürfen distanzierten und mit hämischen Kommentaren antwortete. Durch die “gravierende und umfangreiche Kritik aus der Bevölkerung” schritt schließlich sogar der Deutsche Werberat ein und rügte den Hersteller nachträglich für die Anzeige. True Fruits musste die Werbung wegen Verletzung der Bildrechte bereits vorher zurückziehen.

“Die provokativen Darstellungen überschritten nicht nur die Grenze des guten Geschmacks, sondern auch zum Vulgarismus. Sowohl das weibliche als auch das männliche Model würden in herabwürdigender Art und Weise als Gegenstand sexueller Fantasien und Praktiken dargestellt”, begründete der Rat seine Entscheidung.

Die Verantwortlichen von True Fruits konnten die Aufregung abermals absolut nicht verstehen und kreierten auf Instagram den eigenen Hashtag #wirhabenpenisgemalt, um die Affäre ins Lächerliche zu ziehen:

Boykott-Aufruf im Netz

Die Sonnencreme-Penis-Affäre weitete sich immer mehr aus. In den sozialen Medien entstanden Boykott-Kampagnen. Auch Prominente forderten dazu auf, die Smoothies nicht mehr zu kaufen, darunter etwa Bestseller-Autorin Charlotte Roche.

Freie Meinungsäußerung ist ein Grundrecht unserer Demokratie. True Fruits reizt das mit seiner “wer uns nicht versteht, soll halt wegschauen“-Mentalität bewusst aus. Es wirkt, als wolle der Smoothie-Hersteller immer wieder austesten, wie weit er gehen kann. Und erreicht dabei leider genau das, was er will: Aufmerksamkeit für seine Produkte.