Trump empfängt seinen "Freund" Erdogan im Weißen Haus

Recep Tayyip Erdogan (l.) und Donald Trump

US-Präsident Donald Trump hat den türkischen Staatschef Recep Tayyip Erdogan im Weißen Haus zu Gesprächen empfangen. "Wir sind schon lange Freunde", sagte Trump am Mittwoch zur Begrüßung Erdogans. Die beiden Präsidenten unterhalten zwar recht enge Beziehungen, doch befindet sich das Verhältnis zwischen der Türkei und den USA an einem Tiefpunkt.

Vergiftet werden die Beziehungen vor allem durch den Streit um die Unterstützung der USA für die kurdischen Volksverteidigungseinheiten (YPG) in Syrien. Washington schätzt die syrische Kurdenmiliz als Verbündeten im Kampf gegen die Dschihadistenmiliz Islamischer Staat (IS). Die Türkei betrachtet sie als Terrorgruppe.

Auf Drängen Erdogans ordnete Trump Anfang Oktober den Abzug aller US-Truppen aus den syrischen Kurdengebieten an und machte damit den Weg frei für eine türkische Offensive, die zur Besetzung eines Teils des Grenzgebiets führte. Verbunden mit dem Streit um die YPG ist die Frage des Kampfs gegen die IS-Miliz. In den USA besteht die Sorge, dass die Extremistengruppe die Schwächung der YPG nutzt, um sich neu zu formieren.

Auch wird es bei den Gesprächen wohl um die drohenden US-Sanktionen wegen Ankaras Entscheidung zum Kauf russischer S-400-Flugabwehrraketen gehen. Schon lange wird in Washington mit Besorgnis verfolgt, wie sich die Türkei immer mehr Russland annähert. Weitere Sanktionen drohen der Türkei wegen der Iran-Geschäfte der türkischen Halkbank. Nach jahrelangem Vorlauf wurde in den USA kürzlich das Verfahren gegen das staatliche Geldinstitut eröffnet.

Ebenfalls zur Sprache kommen dürfte die Entscheidung des US-Repräsentantenhauses Ende Oktober, die Massaker an den Armeniern im Osmanischen Reich als Völkermord anzuerkennen.

Zusätzlich belastet wird das Verhältnis durch den jahrelangen Streit um die Auslieferung des islamischen Predigers Fethullah Gülen, der im Exil in Pennsylvania lebt. Die Türkei wirft dem Begründer der einflussreichen Gülen-Bruderschaft vor, der Drahtzieher des gescheiterten Militärputsches von Juli 2016 zu sein.