"Trump hat ein Kopfgeld auf uns ausgesetzt"

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"Trump hat ein Kopfgeld auf uns ausgesetzt"

Der unglaubliche Fall der "Central Park 5" ist dank einer viel diskutierten Netflix-Serie wieder in aller Munde. Bei einer Rede machte nun eines der Justizopfer Donald Trump schwere Vorwürfe.

Der unglaubliche Fall der "Central Park 5" ist dank einer viel diskutierten Netflix-Serie wieder in aller Munde. Bei einer Rede machte nun eines der Justizopfer Donald Trump schwere Vorwürfe.

Es ist eine schwer zu fassende und noch schwerer zu verdauende Geschichte, die Netflix seit Kurzem in der vierteiligen Miniserie "When They See Us" erzählt. Doch der schier unglaubliche Fall fünf zu Unrecht verurteilter minderjähriger Bewohner New Yorks aus dem Jahr 1989 ist authentisch - und als "Central Park jogger case" in den Vereinigten Staaten seit jeher heiß diskutiert.

Bei einem Empfang der Bürgerrechtsorganisation American Civil Liberties Union (ACLU) kamen die Opfer dieses Polizei- und Justizskandals nun zusammen und hatten eine deutliche Botschaft an den derzeitigen Präsidenten der Vereinigten Staaten: "Als Trump in ganzseitigen Anzeigen in New Yorker Zeitungen unsere Hinrichtung forderte, hat er ein Kopfgeld auf uns ausgesetzt", sagte Yusef Salaam, eines der Justizopfer, die als "Central Park 5" in die US-Geschichte eingingen.

Tatsächlich hatte Donald Trump im Zuge der Vorfälle des Jahres 1989 eine zweifelhafte Rolle gespielt. Nachdem eine 28-jährige weiße Frau im New Yorker Central Park brutal vergwaltigt worden war, investierte der damalige Immobilienmogul kolportierterweise rund 85.000 Dollar in eine Anzeigenkampagne. Trump forderte darin die Wiedereinführung der Todesstrafe gegen die fünf allesamt minderjährigen Tatverdächtigen, vier Afroamerikaner und einen hispanischstämmigen Jugendlichen. Auch Namen, Telefonnummern und Adressen seien damals veröffentlicht worden, erinnerte sich Yusef Salaam von Tränen übermannt in seiner Rede. "Wir waren noch Babys. Das System hat uns überrannt."

"Man kann nicht zum Mord an Kindern aufrufen und dafür jemals Vergebung erhalten"

Sehr drastisch schildert die Serie "When They See Us", die seit Kurzem bei Netflix zum Abruf bereitsteht, jene fatalen Entwicklungen des Jahres 1989 und den institutionellen Rassismus, der sie möglich machte. Obwohl keine Beweise gegen sie vorlagen und die Spurenlage nicht zu einer Täterschaft passte, wurden die damals 14- bis 16-jährigen Raymond Santana, Kevin Richardson, Antron McCray, Yusef Salaam und Korey Wise in stundenlangen Verhören zu später widerrufenen Geständnissen genötigt und auf deren Grundlage vor Gericht schuldig gesprochen. Sie verbüßten Haftstrafen bis zu 13 Jahren - ehe der wahre Täter die Vergewaltigung gestand und mittels eines DNA-Tests überführt werden konnte. Erst 2014 einigten sich die fünf Männer mit der Stadt New York auf eine Entschädigungssumme in Rekordhöhe von 41 Millionen US-Dollar.

Die damals federführende Staatsanwältin Linda A. Fairstein ist infolge der öffentlichen Debatte, welche die Netflix-Serie der preisgekürten Filmemacherin Ava DuVernay in den USA entfacht hat, inzwischen von öffentlichen Ämtern zurückgetreten. Auch ihr Buchverlag, bei dem ihre Kriminalromane erschienen, will nicht mehr mit Fairstein zusammenarbeiten. Einen Irrtum räumt die in der Serie von Felicity Huffman gespielte Ex-Strafverfolgerin aber bis heute nicht ein. Dasselbe gilt für Donald Trump, der 2016 sogar Wahlkampf machte, indem er gegen die Entschädigungszahlung polemisierte.

Beim ACLU-Emfang in Los Angeles urteilte der Schauspieler Joshua Jackson, der in der Serie einen der Verteidiger spielt, in Richtung des US-Präsdidenten: "Man kann nicht zum Mord an Kindern aufrufen und dafür jemals Vergebung erhalten."