Trump lädt Putin für zweiten Gipfel nach Washington ein

US-Präsident Trump (links) und Russlands Staatschef Putin

Ungeachtet der heftigen Kritik an seinem Auftritt mit Wladimir Putin in Helsinki will sich US-Präsident Donald Trump noch in diesem Jahr erneut mit dem russischen Staatschef treffen. Wie das Weiße Haus am Donnerstag mitteilte, sind Gespräche über einen Besuch Putins in Washington "im Gange". Die Nachricht überraschte Teile der US-Regierung, der Geheimdienstdirektor Dan Coats zeigte sich in einem live im Fernsehen übertragenen Interview ahnungslos.

Der Präsident habe seinen Nationalen Sicherheitsberater, John Bolton, angewiesen, Putin für ein Treffen in der US-Hauptstadt zwischen September und Dezember einzuladen, erklärte Trumps Sprecherin Sarah Sanders. Wenige Stunden zuvor hatte Trump angekündigt, dass er sich auf einen zweiten Gipfel mit Putin freue.

Bei dem neuerlichen Treffen solle mit der Umsetzung einiger der "vielen bereits besprochenen Dinge" begonnen werden, sagte der US-Präsident weiter. Er nannte den Kampf gegen den Terror und gegen Cyberattacken, die Lage im Nahen Osten und in der Ukraine, Handelsfragen sowie die Eindämmung der Verbreitung von Atomwaffen.

In Berlin begrüßte die deutsche Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) die Ankündigung. "Immer wenn gesprochen wird, ist es im Grunde gut für alle." Treffen zwischen den Präsidenten der USA und Russlands müssten "wieder zur Normalität werden", sagte sie.

Am Montag hatten Trump und Putin ihren ersten bilateralen Gipfel in Helsinki abgehalten. Trumps Auftritt sorgte in den USA für große Empörung, weil er es vermieden hatte, mutmaßliche russische Cyberattacken auf die US-Demokraten im Wahlkampf 2016 zu verurteilen. Stattdessen bewertete er Putins Beteuerung, Russland habe nichts mit diesen Hackerangriffen zu tun gehabt, als "extrem stark und kraftvoll".

In den darauffolgenden Tagen bemühte sich Trump um Schadensbegrenzung, verwickelte sich aber zunehmend in Widersprüche. Die Kritik wies er weitgehend zurück und beschuldigte die "Fake-News-Medien", seinen "Erfolg" beim Gipfel nicht anzuerkennen.

Für US-Geheimdienstdirektor Coats kam die Ankündigung zu dem weiteren Gipfel offenbar überraschend. "Sagen Sie das nochmal", sagte Coats bei einem Live-Interview in Aspen im US-Bundesstaat Colorado verblüfft zu der Moderatorin. "Ok, das wird speziell", ergänzte er danach lachend. Coats betonte außerdem, dass er auch Tage nach dem Vier-Augen-Gespräch zwischen Trump und Putin in Helsinki immer noch keinerlei Kenntnis vom Inhalt ihrer Unterredung habe.

Nach Angaben des russische Botschafters in den USA, Anatoli Antonow, berieten die beiden Staatschefs dabei unter anderem über "konkrete Vorschläge" zum Konflikt in der Ukraine. Einen Bericht der Nachrichtenagentur Bloomberg, wonach Putin vorschlug, ein Referendum in den abtrünnigen ostukrainischen Regionen Donezk und Luhansk abzuhalten, kommentierte der Diplomat am Freitag aber nicht.

US-Außenminister Mike Pompeo sagte am Donnerstag im Fernsehsender EWTN, Trumps Ziel bei dem Gipfel sei es gewesen, zwei Länder "umzuleiten, die auf einem schlechten Weg waren". Trump sei es darum gegangen, "einen Gesprächskanal" zu Putin herzustellen, und das sei ihm gelungen.

Trump sagte im Sender CNBC, es sei "positiv, nicht negativ", mit Putin "klarzukommen". Er ergänzte: "Falls das nicht funktioniert, werde ich der schlimmste Feind sein, den er je hatte." Er freue sich nun auf das zweite Treffen mit dem russischen Staatschef.

Der Chef der oppositionellen Demokraten im Senat, Chuck Schumer, erklärte zu den Plänen Trumps, Putin nach Washington einzuladen: "Bis wir wissen, was bei diesem zweistündigen Treffen in Helsinki passiert ist, sollte der Präsident keine Einzel-Interaktionen mit Putin mehr haben. In den USA, in Russland oder sonstwo."