Analyse: Trump lockt etliche demokratische Rivalen an

Wer wird für die Demokraten 2020 gegen Donald Trump antreten (Bild: Jacquelyn Martin/AP/dpa)

Wer wird für die Demokraten bei den nächsten Präsidentschaftswahlen kandidieren? Es gibt viele Bewerber – sie erhoffen sich wegen der Schwäche des Amtsinhabers gute Chancen. Eine Übersicht.

Eine Analyse von Jan Rübel

Er gilt als wichtigster Job der Welt – der Amtssitz im Weißen Haus. Allerdings muss man sich bei diesem Gedanken kneifen, heißt doch der aktuelle US-Präsident Donald Trump. Übrigens ist dieser schon im Wahlkampf und bereitet seine Wiederwahl vor; unrealistisch ist dies überhaupt nicht, auch wenn die Umfragen Trump alles andere als schmeicheln.

Im November 2020 ist der Urnengang. Dass Trump für die Republikaner antreten wird, gilt als ausgemacht. Doch wer wird für die Demokraten ins Rennen gehen? Bisher haben sich bereits 14 Politikerinnen und Politiker dazu bekannt. Und die Liste der Bewerber wird in den kommenden Monaten noch länger werden: Die Vorwahlen, welche über die Präsidentschaftskandidatur bei der Demokratischen Partei entscheiden, sind erst im Februar 2020, genug Zeit also bis dahin für feurige Debatten, eifriges Spendensammeln und Kampagnen in eigener Sache.

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Die wichtigen Fragen

Die Demokraten werden folgende Fragen stellen: Wer hat die besten Chancen gegen Trump? Wer kann am besten potenzielle Wähler Trumps ansprechen, also weiße Männer aus den unteren Mittelschichten in den Provinzen? Soll die Partei auf einen engagierten linken Kurs setzen oder sich staatstragend mittig präsentieren? Die Antworten entscheiden über die Kandidatur bei den Demokraten. Als die konservativen Republikaner bei den vergangenen Vorwahlen auch eine große Gruppe Bewerber zur Auswahl hatten, war dies die Chance für den Außenseiter Trump. Bei vielen demokratischen Bewerbern könnte am Ende auch eine Überraschung stehen.

Elizabeth Warren, Senatorin aus dem Bundesstaat Massachusetts, legte zum Anfang ihrer Kampagne einen fulminanten Start hin.

Anfangs warf eine Reihe von Frauen ihre Hüte in den Ring. Dazu gehören die Senatorinnen Elizabeth Warren, Kamala Harris, Amy Klobuchar und Kirsten Gillibrand sowie die Abgeordnete Tulsi Gabbard. Warren und Harris legten einen fulminanten Start hin, begleitet von viel Aufmerksamkeit und reichlich Kleingeldspenden. Warren steht für einen linken Kurs, während Harris mehr als Pragmatikerin ausgemacht wird. Sollte Warren Präsidentschaftskandidatin werden, würde der Wahlkampf mit Trump schmutzig: Warren berichtet von indianischen Wurzeln in der Familie – aber die liegen mehrere Generationen zurück, weswegen Trump sie mehrfach als “Pocahontas” verhöhnte, denn Warren bezeichnete sich einmal als “American Indian” – dabei ist sie das nicht mehr als jeder Durchschnittamerikaner.

Es wird spekuliert, dass Biden sich im Präsidentschaftswahlkampf 2020 aufstellen lassen will. Biden schweigt bislang zu seinen Plänen. (Bild: Andrew Harnik/AP/dpa)

Als Favoriten gelten aktuell zwei Männer. Da ist Joe Biden, der sich offiziell noch nicht erklärt hat, aber stark mit den Augen rollt. Er ist Polit-Veteran mit viel Erfahrung, diente in der Obama-Regierung als Vize-Präsident und gilt als beliebt; er redet viel und frei, ist ein Kumpeltyp und wäre ein furchtsamer Rivale Trumps, wenn es ums Werben um die genannten weißen Männer geht. Doch Bidens Manko: Er ist mit 76 Jahren recht alt und redet auch manchmal so, halt wie ein Mann, der im 20. Jahrhundert groß wurde und zu altern begann.

Bisher ein Duell

Bidens Schwäche ist die Stärke des zweiten Favoriten, der jüngst seine Ambitionen offiziell erklärte: Beto O’Rourke. Er ist Texaner (gilt als knorrig), ist jung (46 Jahre) und hat reichlich Bindung an junge Wähler (war Gitarrist einer Punkrockband). Noch ist O’Rourke ein Neuling, ein Sonnyboy von der Seite – aber all das erinnert an einen gewissen Barack Obama, der auch im Nu einen Wirbelsturm entfachte.

Beto O’Rourke, ehemaliger texanischer Kongressabgeordneter, gilt als Hoffnungsträger der Demokraten. (Bild: Charlie Neibergall/AP/dpa)

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Nach jetzigem Analysestand werden Biden und O’Rourke das Rennen unter sich ausmachen. Zwar gibt es einen weiteren aussichtsreichen Kandidaten, nämlich Bernie Sanders: Der ist zwar ähnlich alt wie Biden, hat aber durch seinen konsequent linken Kurs viel Zuspruch unter jungen Wählern, sammelt auch viele kleine Geldspenden ein. Allerdings könnte sich Sanders mit Warren, die politisch ähnlich tickt, neutralisieren. Bleiben also Biden und O’Rourke.

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