Trump-Sprecher wegen Hitler-Assad-Vergleichs unter Druck

Trumps Sprecher Sean Spicer

Mit einem verfehlten Vergleich zwischen Hitler und dem syrischen Machthaber Baschar al-Assad hat sich US-Präsidentensprecher Sean Spicer lautstarke Rufe nach seiner Entlassung eingehandelt. Spicer sagte, selbst eine so "verabscheuungswürdige" Person wie Hitler sei "nicht so tief gesunken, chemische Waffen zu verwenden" - womit er den Holocaust überging. Spicer entschuldigte sich danach und sagte, er habe das Vertrauen von Präsident Donald Trump "enttäuscht".

Während seines Pressebriefings im Weißen Haus hatte Spicer am Dienstag den mutmaßlich von Assad-Truppen in der vergangenen Woche verübten Gasangriff auf Zivilisten in eine historische Perspektive rücken wollen. Mit seiner verfehlten Hitler-Parallele ging es ihm darum, den US-Raketenangriff auf die syrische Luftwaffe zu rechtfertigen und den russischen Beistand für den syrischen Staatschef verurteilen.

Dabei ignorierte er jedoch, dass viele der sechs Millionen von den Nazis ermordeten Juden in den Gaskammern der Vernichtungslager getötet wurden. Auf Nachfrage während des Briefings bemühte sich Spicer um eine Klarstellung, verhedderte sich aber noch mehr.

Hitler habe das Gas nicht "gegen seine eigenen Leute auf die gleiche Weise eingesetzt" wie Assad, sagte der Trump-Sprecher. Unter den Opfern in den Gaskammern waren aber hunderttausende deutsche und österreichische Juden, auch andere Deutsche und Österreicher wurden auf diese Weise ermordet.

Der Trump-Sprecher führte weiter aus, während Hitler das Gas in den "Holocaust-Zentren" verwendet habe, habe Assad chemische Waffen in "das Zentrum der Städte abgeworfen". Der korrekte Begriff "Konzentrationslager" war ihm offenbar nicht in den Sinn gekommen.

Direkt nach dem Briefing geriet Spicer massiv unter Druck. Die Fraktionschefin der oppositionellen Demokraten im Repräsentantenhaus, Nancy Pelosi, forderte Trump auf, seinen Sprecher zu feuern und sich von dessen Äußerungen zu distanzieren. Während jüdische Familien im ganzen Land Pessach feierten, spiele der Präsidentensprecher "den Horror des Holocaust herunter".

Auch der Direktor des Anne-Frank-Zentrums in den USA, Steven Goldstein, forderte Spicers Entlassung, da dieser "den Holocaust geleugnet" haben. Goldstein bezeichnete Spicers Äußerungen als "üble Beleidigung" und fügte hinzu, dem 45-Jährigen "fehlt es an Integrität" für das Amt des Pressesprechers.

Die Holocaust-Gedenkstätte Yad Vashem lud Spicer zu einem Besuch auf ihrer Website ein. Seine Äußerungen ließen auf "einen tiefen Mangel an Kenntnis über die Ereignisse des Zweiten Weltkriegs einschließlich des Holocausts" schließen. In Berlin hob Regierungssprecher Steffen Seibert hervor: "Jeder Vergleich aktueller Situationen mit den Verbrechen des Nationalsozialismus führt zu nichts Gutem."

Spicer entschuldigte sich mehrfach. In einer schriftlichen Erklärung betonte er, er habe "in keiner Weise" versucht, "den entsetzlichen Charakter des Holocaust zu verharmlosen". Am Mittwoch sagte er während einer Podiumsdiskussion in Washington, er bitte um Vergebung. Er habe es "vermasselt", indem er einen Vergleich gezogen habe, der so nicht gezogen werden dürfe.

Der Sprecher sagte auch, er habe den Präsidenten "enttäuscht", indem er nicht dessen "Leistungen" wie etwa dessen "entschlossenes Vorgehen in Syrien" herausgestellt, sondern stattdessen die Aufmerksamkeit davon abgelenkt habe.

Es war nicht das erste Mal, dass Spicer massiv in die Kritik geriet. Am Montag hatte er beispielsweise durchblicken lassen, dass Trump militärisch eingreifen könnte, sollte Assad weiter Fassbomben abwerfen - angesichts des häufigen Einsatzes dieser Bomben wäre diese "rote Linie" wohl schon bald überschritten worden. Das Weiße Haus berichtigte Spicers Äußerungen umgehend.

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