Trump strebt Lockerung der Anti-Coronavirus-Maßnahmen vor Ostern an

US-Präsident Trump

US-Präsident Donald Trump will die strikten Maßnahmen im Kampf gegen die Coronavirus-Pandemie möglichst noch vor Ostern lockern. "Man kann ein Land zerstören, indem man es dicht macht", sagte Trump am Dienstag dem konservativen Nachrichtensender Fox News. Durch eine "massive Rezession oder Depression" drohten "mehr" Menschen zu sterben als durch die "Grippe", womit der Präsident vermutlich das Coronavirus meinte.

"Ich würde es lieben, das Land bis Ostern wieder geöffnet und in den Startlöchern zu haben", sagte Trump auf Fox News. Der Ostersonntag ist dieses Jahr am 12. April - und damit in rund zweieinhalb Wochen. Ein solcher Zeitplan sei "absolut möglich", sagte der Präsident. "Unser Land will zurück an die Arbeit." Die Menschen müssten dann aber selbstverständlich weiterhin das "social distancing" praktizieren und sich beispielsweise nicht die Hand geben.

Trump hatte sich zuletzt zunehmend frustriert über die wirtschaftlichen Auswirkungen der Maßnahmen im Anti-Coronavirus-Kampf gezeigt. Um eine Ausbreitung der Pandemie zu verhindern, wurden in zahlreichen US-Bundesstaaten Ausgangsbeschränkungen verhängt und nicht dringend benötigte Geschäfte geschlossen. Die wirtschaftliche Aktivität ist teilweise zum Erliegen gekommen. Trump hat zuletzt wiederholt erklärt, die Maßnahmen dürften nicht gravierendere Folgen haben als die Coronavirus-Pandemie selbst.

"Dieses Heilmittel ist schlimmer als das Problem", sagte er nun dem Sender Fox. "Wir verlieren jedes Jahr tausende Menschen durch die Grippe. Wir machen das Land nicht deswegen dicht." Auch durch Autounfälle würden viel mehr Menschen uns Leben kommen - trotzdem werde die Autoindustrie nicht aufgefordert, keine Autos mehr zu bauen.

Durch die "Grippe" werde eine bestimmte Zahl an Menschen sterben, sagte Trump mutmaßlich mit Blick auf das Coronavirus. "Aber wir werden mehr Menschen verlieren, wenn wir das Land in eine massive Rezession oder Depression stürzen." Sollten US-Unternehmen wie der Flugzeugbauer Boeing Pleite gehen, könnten "Millionen Jobs" verloren gehen. Es könnte dann allein durch Suizide "tausende" Tote geben.

Das Coronavirus breitet sich derzeit in den USA rasant aus. Inzwischen wurden bislang fast 50.000 Infektionen und mindestens 600 Todesfälle bestätigt. Experten warnen, dass den USA das Schlimmste noch bevorstehen dürfte.

Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) erklärte am Dienstag, die USA könnten Europa bald als neues Epizentrum der Pandemie ablösen. "Wir sehen jetzt eine sehr starke Beschleunigung der Fallzahlen", sagte WHO-Sprecherin Margaret Harris. Die USA hätten "einen sehr großen Ausbruch und einen Ausbruch, der an Intensität zunimmt".

Der Gouverneur des besonders betroffenen Bundesstaates New York, Andrew Cuomo, schlug angesichts der dramatischen Zunahme der Infektionszahlen Alarm. "Wir haben die Kurve nicht abgeflacht, die Kurve wächst an", sagte der Demokrat und sprach von "beunruhigenden und astronomischen Zahlen".

Derweil gingen im US-Kongress die Beratungen über ein gigantisches Nothilfepaket weiter, das einen Umfang von knapp zwei Billionen Dollar (rund 1,87 Billionen Euro) haben könnte. Die oppositionellen Demokraten hatten zuletzt wiederholt Verfahrensabstimmungen blockiert.

Sie bemängeln unzureichende Schutzmaßnahmen für Beschäftigte und eine fehlende Kontrolle darüber, wie Hilfen an in Not geratene Großkonzerne vergeben werden. Sie verlangen außerdem mehr Geld für Krankenhäuser, denen wegen der Pandemie eine dramatische Überlastung droht.