Trump teilt erneut gegen "unehrliche" Medien aus

Trump poltert in Phoenix gegen Journalisten

US-Präsident Donald Trump hat erneut gegen die Medien ausgeteilt. In einer kämpferischen Rede vor tausenden Anhängern in Phoenix im Bundesstaat Arizona beklagte er die Berichterstattung der "unehrlichen" Presse über seine Reaktion auf die Gewalt rechtsextremer Gruppen in Charlottesville. "Sie geben die Fakten nicht wieder", sagte der US-Präsident. Er habe die rassistischen Gruppen scharf verurteilt. Trump bekräftigte außerdem seine Pläne zum Bau einer Mauer an der Grenze zu Mexiko.

Trump verwendete bei seiner Rede am Dienstag (Ortszeit) rund eine halbe Stunde auf die Medienschelte. Die "sehr unehrlichen" Medien hätten sich geweigert zu berichten, dass er rassistische Gruppen nach den Ausschreitungen in Charlottesville scharf verurteilt habe, beklagte Trump. "Sie erfinden Geschichten, in vielen Fällen haben sie keine Quellen." Er warf den Medien vor, die Gesellschaft zu spalten.

Trump war aus dem In- und Ausland kritisiert worden, weil er nach dem rechtsextremen Aufmarsch vor zehn Tagen, bei dem eine Gegendemonstrantin durch ein in die Menge rasendes Auto eines mutmaßlichen Neonazis getötet worden war, zunächst undifferenziert von Gewalt auf "vielen Seiten" gesprochen hatte. Zwei Tage später verurteilte er die Gewalt rechtsextremer Gruppen schließlich als "abstoßend" - kehrte aber einen Tag später zu seinen vorherigen Rhetorik zurück, mit der er das Verhalten der Rechtsextremisten und der Gegendemonstranten auf eine Stufe stellte.

In Phoenix erinnerte Trump nun daran, dass er sich entschieden "gegen Hass, Fanatismus und Gewalt" gewandt habe. Er habe "die Neo-Nazis, die Anhänger einer weißen Überlegenheit und den Ku Klux Klan scharf verurteilt", betonte Trump. Seine umstrittene Gleichsetzung des Verhaltens der Rechtsextremen und der Gegendemonstranten wiederholte er in Phoenix nicht.

Nach Trumps Rede, die an einen Wahlkampfauftritt erinnerte, kam es in Arizona zu Auseinandersetzung zwischen Trump-Gegnern und der Polizei. Die Beamten setzten Tränengas ein, um die Menge auseinanderzutreiben. Fünf Demonstranten wurden festgenommen.

Bei seinem Besuch in dem südlichen Bundesstaat Arizona warb Trump auch für den geplanten Bau einer Grenzmauer zu Mexiko. In Yuma traf der Präsident Grenzschützer. Bei seiner Rede in Phoenix machte Trump dann später deutlich, dass er an seinem Wahlversprechen festhalte. Er warf den Demokraten vor, den Bau verhindern zu wollen und drohte damit, im Streit um Haushaltsmittel notfalls einen Regierungsstillstand in Kauf zu nehmen, um die Finanzierung des Baus zu sichern.

Trumps Auftritt in Phoenix ließ einige Kritiker sprachlos zurück. Ex-Geheimdienstkoordinator James Clapper zog gar die Eignung des 71-Jährigen für das Präsidentenamt in Zweifel. Er habe Teile der Rede als "geradezu unheimlich und verstörend" empfunden, sagte Clapper, der unter Trumps Vorgänger Barack Obama die Arbeit der US-Geheimdienste koordiniert hatte. Es sei beängstigend, dass jemand wie Trump über die Codes für den Einsatz der US-Atomwaffen verfüge.

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