Tschechiens Präsident nennt russische Kritik an neuem Feiertag "unverschämt"

Milos Zeman gilt eigentlich als pro-russisch

Tschechiens Präsident Milos Zeman hat die russischen Einwände gegen den neuen tschechischen Feiertag zum Gedenken an die blutige Niederschlagung des Prager Frühlings im Jahr 1968 als "Unverschämtheit" bezeichnet. Er behalte sich vor, seine bereits zugesagte Teilnahme zu den 75-Jahr-Feiern zum Ende des Zweiten Weltkriegs in Moskau abzusagen, sagte Zeman am Freitag laut einem auf seiner Website veröffentlichten Interview.

Das Parlament in Prag hatte Anfang des Monats ein Gesetz verabschiedet, mit dem der 21. August als Feiertag zum Gedenken an die "Opfer der Invasion und der darauffolgenden Besetzung durch die Truppen des Warschauer Paktes" bestimmt wurde. Zeman unterzeichnete das Gesetz am 13. Dezember.

Wenige Tage später äußerte das russische Außenministerium "große Enttäuschung" über die Einführung des Feiertags. Diese würde "kaum zu erfolgreicher bilateraler Kooperation beitragen", kritisierte das Außenministerium in Moskau unter Verweis auf ein bilaterales Abkommen zwischen Tschechien und Russland von 1993, das den gemeinsamen "Wunsch" beider Länder "nach einem Schlussstrich unter die totalitäre Vergangenheit in Zusammenhang mit der inakzeptablen Gewaltanwendung gegen die Tschechoslowakei 1968" festhielt.

Der Einmarsch der Truppen des Warschauer Pakts setzte im August 1968 dem Prager Frühling ein Ende. Zuvor hatte die kommunistische Partei der Tschechoslowakei unter Alexander Dubcek monatelang versucht, einen "Sozialismus mit menschlichem Antlitz" zu schaffen.

Zemans Äußerungen stießen in Tschechien auf Verwunderung - der Präsident gilt eigentlich als pro-russisch. Zeman war der kommunistischen Partei der Tschechoslowakei 1968 beigetreten. Zwei Jahre später wurde er wegen seiner Kritik an der sowjetischen Besetzung jedoch von der Partei ausgeschlossen.