Tumulte im Rathaus: „Nazi-Lümmel“ Fritz Becker muss den Saal verlassen

Vor 70 Jahren: Bürgerschaft stimmt über Grundgesetz ab – da kommt es zum Eklat.

Deutschland feiert: Am 23. Mai 1949, also vor 70 Jahren, trat das Grundgesetz in Kraft. Die Idee, es so zu nennen und nicht etwa Verfassung wie in anderen Ländern, hatte Hamburgs Bürgermeister Max Brauer (SPD). Als dann der Gesetzestext in der Hamburger Bürgerschaft zur Abstimmung stand, kam es zu regelrechten Tumulten. Ein Abgeordneter wurde als „Nazi-Lümmel“ beschimpft und aus dem Saal gejagt. Vielleicht eine der wildesten Sitzungen des Hamburger Parlaments überhaupt.

Die Geschichte des Grundgesetzes beginnt 1948, als der Kalte Krieg bereits seine Schatten vorauswirft: Die Siegermächte des Zweiten Weltkrieges sind zu Gegnern geworden. Die USA, England und Frankreich einerseits und die UdSSR andererseits sind völlig zerstritten über die Frage, wie es mit Deutschland weitergehen soll. In dieser Situation beschließen die Westmächte, ihre drei Besatzungszonen zu einem stabilen Staat zu formen.

Ministerpräsidenten haben Angst, die Spaltung des Landes zu vertiefen

Der Druck auf die westdeutschen Politiker wird größer: Schon bis zum 1. September schon sollen sie eine Verfassungsgebende Nationalversammlung einberufen. Viele der Ministerpräsidenten bzw. Bürgermeister der elf westdeutschen Länder, die daraufhin am 8. Juli 1948 im Koblenzer Hotel „Rittersturz“ zu Beratungen zusammenkommen, sind alles andere als erbaut. Ihre Sorge ist, dass eine nur für den Westen geltende Verfassung die Spaltung Deutschlands vertiefen wird.

Hamburgs Bürgermeister Max Brauer (SPD) sucht nach einem Kompromiss. Seine Stadt leidet schwer unter den alliierten Schifffahrts- und Schiffbaubeschränkungen. Brauer hofft, dass er Hamburg schnell von diesen Fesseln befreien kann, wenn er eng mit den Westmächten kooperiert. Er will auf keinen Fall eine Konfrontation. Und da kommt ihm die geniale Idee: Was, wenn wir zwar eine Verfassung ausarbeiten, sie aber anders nennen und im Text auch ihren vorläufigen Charakter betonen? Sein Vorschlag: „Wie wäre es mit ,Grundgesetz’?"

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