Tunesien wählt: "Die EU sollte die Demokratie unterstützen"

Die Tunesier sind aufgerufen (15/09/2019), einen Nachfolger für den im

Juli verstorbenen Präsidenten Beji Caid Essebsi zu wählen. Insgesamt

stellen sich 26 Bewerber zur Wahl. Das Land war die Wiege des arabischen Frühlings und kämpft immer noch um eine stabile Demokratie. Und die

schwierige wirtschaftliche Lage macht den Menschen zu schaffen Drei Tage vor der Wahl ist der inhaftierte Umfragefavorit und Medienmogul Nabil Karoui in einen Hungerstreik getreten. Damit wolle er gegen seine Haft während des gesamten Wahlkampfes protestieren, hieß es aus seinem Umfeld. Gegen ihn wird wegen des Verdachts auf Steuerhinterziehung und Geldwäsche ermittelt. Karoui bestreitet alle Vorwürfe, und solange er nicht rechtskräftig verurteilt ist, darf er kandidieren. So könnten die Tunesier einen Präsidenten bekommen, der im Gefängnis sitzt.

Aus dem bürgerlichen Establishment werden dem scheidenden Ministerpräsidenten Youssef Chahed und seinem derzeitigen Verteidigungsminister Abdelkarim Zbidi die besten Chancen eingeräumt, in die Stichwahl zu kommen.

Ein anderer Kandidat, Mohamed Moncef Marzouki, ein ehemaliger Präsident, forderte die EU auf, die junge Demokratie zu unterstützen:

"Wir erwarten, dass die EU die demokratischen Erfahrungen in Tunesien unterstützt, aber wir haben unseren europäischen Freunden gesagt, dass die Unterstützung der Demokratie in Tunesien die Unterstützung einer Volkswirtschaft bedeutet, die Arbeitslosigkeit auffangen und Armut beenden kann. Armut und Arbeitslosigkeit können Terrorismus und Migration auslösen, was Sie nicht wollen - wenn Sie also keine Einwanderergruppen aufnehmen und sich nicht durch Terrorismus schädigen lassen wollen, müssen Sie das Potenzial zur Stabilisierung der Demokratie durch eine starke Wirtschaft bereitstellen, und das ist sehr einfach."

Nach dem Tod von Präsident Essebsi ist die Wahl ein potenzieller Neuanfang für das Land. Da die Demokratie jedoch wenig zur Verbesserung des Lebensstandards der meisten Tunesier beigetragen hat, befürchten viele, dass die Wahlbeteiligung wieder sehr niedrigen ausfallen könnte.

Erhält keiner der Kandidaten mehr als die Hälfte der Stimmen, treten die beiden Besten in einem zweiten Wahlgang gegeneinander an. Der Ausgang gilt als völlig offen.

su mit dpa