Tunesiens Parlamentschef Ghannouchi nach "Unwohlsein" in Klinik untersucht

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Rached Ghannouchi

Der tunesische Parlamentschef Rached Ghannouchi hat sich nach einem "leichten Unwohlsein" in einer Klinik untersuchen lassen. Wie sein Berater Ahmed Gaaloul am Samstag mitteilte, fühlte sich der Vorsitzende der größten Regierungspartei Ennahdha nach zahlreichen Überstunden nicht gut. Dem 80-Jährigen fehle jedoch "nichts Ernstes".

"Ein Arzt hat ihm Medikamente verschrieben und er ist jetzt wieder zu Hause", sagte der Berater. Ghannouchi sei "etwas müde". Seit der Absetzung der tunesischen Regierung durch Präsident Kaïs Saïed habe Ghannouchi 16 bis 18 Stunden am Tag gearbeitet.

Saïed hatte am Sonntag zunächst Regierungschef Hichem Mechichi abgesetzt und die Aussetzung der parlamentarischen Arbeit sowie die Aufhebung der Immunität aller Abgeordneten angeordnet. In den folgenden Tagen feuerte der Präsident weitere ranghohe Regierungsbeamte. Die richterliche Gewalt übernahm er selbst.

Ghannouchi erneuerte im Interview mit der Nachrichtenagentur AFP seinen Vorwurf, Saïed habe einen "Putsch" begangen. Seine Partei rufe die Tunesier auf, "mit allen friedlichen Mitteln" gegen Saïeds Vorgehen zu protestieren. Sollte sich dieser nicht auf eine Vereinbarung zu einer Rückkehr des Parlaments und der Bildung einer Regierung einlassen, werde Ennahdha "das Volk zur Verteidigung seiner Demokratie auffordern".

Tunesien galt lange als einzige Erfolgsgeschichte des Arabischen Frühlings. Allerdings hat das Land auch zehn Jahre nach dem demokratischen Wandel nicht zu politischer Stabilität gefunden. Aus Sicht vieler Tunesier haben alle neun demokratisch gewählten Regierungen es versäumt, die großen Probleme des Landes anzupacken.

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