TV-Journalisten kündigen vor laufender Kamera

Das hatten die Zuschauer der 18-Uhr-Nachrichten des Senders ABC 7 sicher nicht erwartet. Am Ende der Sendung hatten die beiden Moderatoren Cindy Michaels und Tony Consiglio noch eine überraschende Neuigkeit parat: Vor laufender Kamera warfen beide ihren Job hin. Jahrelang habe ihnen das Management in die journalistische Arbeit gepfuscht, erklärten sie danach einer Zeitung. Die Chefs sehen das natürlich vollkommen anders.

Cindy Michaels und Tony Consiglio erklärten live ihre Kündigung. (Screenshot: ABC 7)„Und zum Schluss: Das wird die letzte Sendung von Tony und mir hier auf ABC 7 sein“, sagte Cindy Michaels am Dienstagabend. Sechs Jahre hatten die beiden auf „WVII“, dem lokalen Ableger des großen US-Senders „ABC“ im Bundesstaat Maine, die Abendnachrichten präsentiert. „Cindy und ich haben es jeden Moment geliebt, Euch die Nachrichten zu bringen“, erklärte Consiglio. „Aber wegen einiger neuer Entwicklungen ist es besser, zu gehen.“

Gegenüber den Kollegen von der Lokalzeitung „Bangor Daily News“ wurde der 28-Jährige dann deutlicher. „Ich wollte sicher sein, die bestmögliche Arbeit als Journalist zu leisten und dabei ehrlich und ethisch zu handeln“, erklärte er. „Und ich denke, manchmal konnte ich das nicht tun.“ Besonders sein Ansatz, an Themen ausgewogen heranzugehen, sei oft missbilligt worden. Consiglio begann 2006 als Sportreporter bei dem Sender.

Seine Kollegin Cindy Michaels äußerte sich ebenso frustriert. „Es gab ständig Respektlosigkeiten und Herabwürdigungen der Mitarbeiter. Und wir empfanden beide, dass die Besitzer und das obere Management nicht wussten, wie man eine Nachrichtenredaktion leitet“, sagte die 46-Jährige, die sechs Jahre bei dem Sender gearbeitet hat. „Ich konnte nicht alles tun, was ich als Nachrichtenchef wollte. Regelmäßig wurden meine Entscheidungen rückgängig gemacht.“ Außerdem sei von ihr verlangt worden, die Nachrichten politisch zu färben. In welche Richtung, wollte sie nicht sagen.

Wie zerrüttet das Verhältnis der beiden Journalisten zu ihren Vorgesetzten war, zeigt sich daran, dass sie vor der Sendung niemand von ihrer Kündigung erzählten. „Wir dachten, dass wir uns nicht live von unseren Zuschauern hätten verabschieden dürfen, wenn wir vorher gekündigt hätten“, erklärte Michaels der „Bangor Daily News“. „Und das war uns wirklich wichtig.“

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Mike Palmer, der Vizepräsident des Senders, nannte die Kündigung vor laufender Kamera „unglücklich, aber nicht unerwartet“. Er werde schnell erfahrene Leute als Ersatz einstellen. Palmer widersprach entschieden dem Vorwurf Michaels, das Management habe sich in die Auswahl und Präsentation der Nachrichten eingemischt: „Das obere Management hat nichts mit der täglichen Nachrichtenproduktion zu tun. Punkt.“
 
Cindy Michaels und Tony Consiglio haben bisher keine neuen Jobs in Aussicht. „Das war die schwerste Entscheidung, die ich jemals treffen musste“, sagte Consiglio. Er liebe seine Arbeit, aber ob er weiter in den Medien arbeiten werde, sei noch offen.

Michaels hat angefangen, als freie Journalistin zu schreiben. „Wir lieben beide das Fernsehen“, sagte sie. „Wir werden es vermissen, nicht in die Wohnzimmer der Leute zu kommen. Ich hoffe, sie nehmen uns die Entscheidung nicht übel. Wir mussten es tun.”


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