Twitter lacht über Christian Lindners Spargel-Rant

Elisabeth Müller
Freie Journalistin

Weil er sich auf dem FDP-Parteitag über einen polemischen Artikel über Spargel erregte und danach einen leicht absurden Bogen zu China schlug, witzelt Twitter jetzt über Christian Lindner.

Versteht bei weißem Spargel keinen Spaß: der neugewählte FDP-Chef Christian Lindner. (Bild: Getty Images)

Margarete Stokowski hatte eine interessante Woche. Sie ist Kolumnistin bei “Spiegel Online” und feministische Buchautorin; als solche ist sie es gewohnt, für ihre Meinungsbeiträge hart angegangen zu werden. Die Aufregung, die ihre – ganz offensichtlich nicht völlig ernst gemeinte – Polemik gegen den weißen Spargel verursachte, überraschte sie aber doch:


Knappe Zusammenfassung der Kolumne: Weißer Spargel sei zwar tatsächlich lecker und gesund, aber auch gnadenlos überbewertet und die Besessenheit der Deutschen von dem Gemüse völlig übertrieben.

Ausbeutung: Erntehelfer klagen über nicht ausbezahlte Stunden und lange Arbeitstage

Provokante Formulierungen (“Er ist okay, aber komplett überbewertet, der alte weiße Mann der Kulinarik”) sind Stokowskis Markenzeichen – sie haben ihr eine treue Fangemeinde, aber auch eine rabiate Hatergefolgschaft beschert, die sich mit Genuss auf sie und ihre Texte stürzt und sie regelmäßig mit Hass überschüttet. Und die in diesem Fall die satirische These des Texts nur bestätigten:

Der Spargelkult ist als parareligiöse Praxis aus Deutschland nicht wegzudenken. Wenn über die Einrichtung neuer Feiertage diskutiert wird, ist immer wieder von Minderheiten und historischen Ereignissen die Rede, aber vermutlich würde keine Kampagne mehr Zustimmung erlangen als eine, die sich für die Huldigung des weißen Spargels ausspricht.

Knapp 500 Kommentare unter dem Artikel, hunderte Antworten auf Twitter, Leute, die beleidigt Bilder von ihren Spargeltellern posteten – und als wäre das alles nicht schon abstrus genug, griff am Freitag dann auch noch FDP-Chef Christian Lindner den Artikel in seiner Rede auf dem Parteitag auf, auf dem er sich seiner Partei zur Wiederwahl stellte. Dokumentiert von einer fassungslosen Stokowski:


Lindner, dem nicht bekannt zu sein scheint, dass eine Gesellschaft in der Lage ist, sich mit mehreren Themen gleichzeitig auseinanderzusetzen, beklagt die Trivialität des Spargelartikels angesichts der Weltlage – und deklamiert in dramatischem Ton die mit Sicherheit am wenigsten ernst gemeinten Passagen aus dem Text. Dann schlägt er einen Wahnsinnsbogen:

Darüber reden wir, im Bewusstsein, dass wir die Spargelnation der Welt sind, aber weit gefehlt, liebe Freundinnen und Freunde! Spargelweltmeister ist China, denn die bauen sechzigmal mehr Spargel an als wir. Und es ist symbolisch, denn wenn wir den Spargel nicht anbauen, dann werden es andere tun, wie in jeder anderen Technologie auch!

Das ergibt zwar alles keinen Sinn, doch der FDP-Parteitag spendet trotzdem Jubel und Applaus. Ist Stokowski jetzt daran Schuld, dass Deutschland nicht wirklich Spargelweltmeister ist?

Wahrscheinlicher: Lindner musste wieder zurück zu seinem roten Faden China finden. Er hatte seine Rede nämlich bereits mit zwei Sätzen auf Chinesisch begonnen und dann dafür geworben, dass Deutschland sich neben China behauptet, das dabei sei ein “globaler Hegemon”. Weniger begeistert als auf die Spargelwarnung reagierten manche Delegierte dann auf Lindners Zusatz, er sage das nicht, “um Angst vor dem gelben Mann zu machen”.

Über den Spargel-Rant jedenfalls amüsieren sich jetzt einige:





Für Christian Lindner ist trotz mangelndem Leseverständnis und “Gelber Mann”-Patzer dann übrigens doch noch alles gut ausgegangen: Er wurde mit 86,6 Prozent als Parteichef wiedergewählt. Und auch Deutschland spargelt trotz gemeinem Artikel weiter fröhlich vor sich hin. Wer im Übrigen immer noch denkt, dass wir nicht mal ein ganz kleines Problem mit Spargelbesessenheit haben, sollte sich noch mal diesen Tweet anschauen:


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