Twitter-Scam: Nein, Elon Musk verschenkt keine Bitcoins

Johannes Giesler
·Freier Autor
·Lesedauer: 3 Min.

Unbekannte haben auf Twitter zahlreiche Menschen um umgerechnet rund 50.000 Euro gebracht. Unwissentlich mitgeholfen bei dem Betrug haben Elon Musk und Donald Trump.

Immer wieder wird der Twitter-Account von Elon Musk für Online-Betrug missbraucht. Foto: AP Photo / Susan Walsh
Immer wieder wird der Twitter-Account von Elon Musk für Online-Betrug missbraucht. Foto: AP Photo / Susan Walsh

Auch am Donnerstagmittag, zwei Tage nach der Wahl, sind noch nicht alle Stimmen ausgezählt. Noch steht also nicht fest, wer für die kommenden vier Jahre Präsident der Vereinigten Staaten von Amerika sein wird. Das enge Rennen zwischen Donald Trump und Joe Biden zeigt: Die US-amerikanische Gesellschaft ist tief gespalten.

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Zusätzlich heizt Trump die angespannte Stimmung in der Gesellschaft an, indem er sich selbst vorzeitig zum Sieger erklärt und auf Twitter immer wieder Wahlbetrug andeutet oder per Briefwahl eingesendete Stimmen für ungültig erklären lassen will.

Trumps Tweet für Aufmerksamkeit ausgenutzt

Mitten hinein in diese Stimmung haben Unbekannte die Aufmerksamkeit, die Trump derzeit auf Twitter erhält, für einen Betrug ausgenutzt. Er war allem Anschein nach von langer Hand geplant und hat innerhalb kurzer Zeit zahlreiche Menschen um Kleinstbeträge in verschiedenen Kryptowährungen gebracht.

Wie Mashable berichtet, haben die Unbekannten dafür vermutlich einen verifizierten Twitter-Account übernommen. Es handelt sich dabei um Emma Isaacs, sie ist Gründerin einer Plattform für Unternehmerinnen. Ihr Account war dabei nur Mittel zum Zweck: Denn Twitter erlaubt es, den Namen eines Accounts zu ändern. Das haben die Unbekannten auch hier gemacht. Sie benannten Isaacs Account um – in „Elon Musk“. Dank des blauen Hakens, den verifizierte Nutzer*innen wie Isaac von Twitter erhalten, sah der Account somit dem echten Elon-Musk-Account täuschend ähnlich.

Von langer Hand geplant?

Nun folgte der eigentliche Betrug: Der gefälschte Elon-Musk-Account twitterte unter einem Beitrag Donald Trumps, der zwischenzeitlich knapp 60.000 Kommentare und beinahe 400.000 Likes erhalten hat, vom Mittwoch: „Die Wahl ist entschieden. Anders gesagt: Es ist endlich vorbei. Um zu feiern, wollen wir den Menschen Geschenke machen.“ Vermutlich haben die Unbekannten auf diese Weise hunderttausende, wenn nicht sogar Millionen, Menschen erreicht. Ihr Tweet verwies zudem auf eine Webseite, bei der es sich ebenfalls um eine Fälschung handelte.

Auf der Webseite, die mittlerweile nicht mehr aufrufbar ist, wurde eine angebliche Marketing-Aktion von Elon Musks Firma Tesla speziell für „Krypto-Fans“ beworben. Die funktionierte so: Zunächst sollten zur Verifizierung Kleinstbeträge zweier Kryptowährungen, Ethereum und Bitcoin, an eine angegebene Adresse überwiesen werden. Das Versprechen: In der Folge würde Tesla den Krypto-Fans ein Vielfaches zurücküberweisen – als Geschenk zur Feier des Ergebnisses der Präsidentschaftswahl.

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Um den Betrug glaubhafter wirken zu lassen, fanden sich unter dem Tweet direkte Antworten, die von bereits erhaltenen Geschenk-Beträgen berichteten. Diese Fake-Accounts waren dabei knapp ein Jahr alt – der Betrug könnte also von langer Hand geplant worden sein.

Twitter wollte dieses Vorgehen eigentlich verbieten

Da Überweisungen in Kryptowährungen transparent nachzuvollziehen sind, kann auch der „Erfolg“ des Betrugs beziffert werden. Umgerechnet knapp 8.000 Euro in Ethereum und über 45.000 Euro in Bitcoins.

Wie Mashable schreibt, wurde Elon Musks Twitter-Account nicht zum ersten Mal für einen Krypto-Betrug benutzt. Deshalb wollte Twitter eigentlich jeden Account, der sich in „Elon Musk“ umbenennt, sofort sperren. Wieso das in diesem Fall nicht passiert ist, ist ungewiss. Mashable hat dazu bei Twitter angefragt, aber bislang keine Antwort erhalten.

Auch die Ergebnisse der Suchmaschine zeigen noch die zwischenzeitlich Änderung des TWitter-Accounts von Emma Isaac an. Elon Musk Foto: Screenshot / Duckduckgo
Auch die Ergebnisse der Suchmaschine zeigen noch die zwischenzeitliche Änderung des Twitter-Accounts von Emma Isaac an. Elon Musk Foto: Screenshot / Duckduckgo

Mittlerweile hat Twitter aber offensichtlich reagiert: Der Account Emma Isaacs zeigt wieder ihren richtigen Namen. Außerdem finden sich die Tweets der Betrüger*innen nicht mehr unter dem Beitrag Trumps und auch die Betrugs-Seite ist wohl zwischenzeitlich offline. Archive.org zeigt jedoch noch an, wie der gehackte Account zwischenzeitlich ausgehen hat.

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