Twitterübernahme: Was plant Elon Musk mit dem Kurznachrichtendienst?

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Umgerechnet rund 41 Milliarden Euro legt Elon Musk auf den Tisch, um Twitter zu kaufen. Was aber hat der reichste Mann mit dem Kurznachrichtendienst vor?

Elon Musk kauft Twitter. Was wird nun mit dem Kurznachrichtendienst passieren?
Elon Musk kauft Twitter. Was wird nun mit dem Kurznachrichtendienst passieren? (Foto: Reuters/Dado Ruvic/Illustration)

Was sind die Pläne des Tesla-Chefs Elon Musk mit dem Kurznachrichtendienst Twitter? Ein kurzer Überblick mit ersten Erklärungsversuchen.

Angebot über dem aktuellen Wert

Der nach Schätzungen reichste Mann der Welt, Elon Musk, hat den Kurznachrichtendienst Twitter gekauft. Er bezahlte dafür 44 Milliarden US-Dollar – umgerechnet sind das etwa 41 Milliarden Euro. Das Interesse des Tech-Milliardärs nahm zuletzt in der öffentlichen Wahrnehmung stark zu.

Zuerst erwarb Musk im Januar 9,2 Prozent der Aktienanteile und damit ein Mitspracherecht. Doch einen Sitz im Verwaltungsrat wollte er nicht, dafür aber weitere Anteile. Also bot er zuletzt 54,20 US-Dollar pro Aktie, was weit über dem aktuellen Kurswert liegt. Jetzt hat Twitter der Übernahme zugestimmt.

Ungefilterter Nutzer

Einer der Hauptgründe für das Interesse und den Kauf dürfte darin liegen, dass Elon Musk einfach sehr viel und vermutlich auch mit viel Leidenschaft twittert. Mit über 84 Millionen Follower:innen ist er einer der wichtigsten und sicherlich lautesten Nutzer:innen des Kurznachrichtendiensts.

Um eines der kontroversen Beispiele zu nennen, wie ungefiltert Musk Twitter nutzt: Mit nur einem Tweet, in dem er schrieb, dass seiner Meinung nach der Börsenwert Teslas zu hoch sei, brachte er die Aktie seines eigenen Unternehmens zum Einsturz. Weil Anleger:innen daraufhin unzählige Aktien abstießen, verlor Tesla innerhalb kürzester Zeit einen Unternehmenswert von rund 14 Milliarden US-Dollar.

Unglaubliches Potenzial

Das führte aber nicht dazu, dass Musk sich von Twitter freisagte. Im Gegenteil: Schon lange betont er, dass er Twitter dabei helfen wolle, das „unglaubliche Potenzial“ auszuschöpfen. Um das zu erreichen will er den Kurznachrichtendienst einerseits wieder von der Börse nehmen. Und andererseits zielt er darauf ab, die "absolute Redefreiheit" wieder einzuführen.

Elon Musk: Megafon für einen Milliardär

Er will beispielsweise Regeln zurücknehmen, auf deren Basis der ehemalige US-Präsident Donald Trump von Twitter verbannt wurde. Das könnte dazu führen, dass wieder mehr extreme Stimmen auf Twitter zurückkehren – auch wenn Trump in einem ersten Statement bekannt gab, kein Interesse daran zu haben, seinen Account zu reaktivieren.

Twitter für die Zukunft "extrem wichtig"

Weiter sprach Musk in einem TED-Talk im April über die gesellschaftliche Rolle, die er für Twitter vorsehen könnte: "Intuitiv glaube ich, dass eine öffentliche Plattform, der maximal vertraut wird und die inklusiv ist, für die Zukunft der Menschheit extrem wichtig wird."

Um dieses maximale Vertrauen zu gewinnen, plant Musk mehrere Änderungen: Er will zunächst den Algorithmus quellöffnen. Damit jede:r einsehen kann, wie er funktioniert. Der Algorithmus entscheidet beispielsweise darüber, welche Inhalte den Nutzer:innen an welcher Stelle im Feed angezeigt wird und welche Inhalte ganz herausgefiltert oder weniger stark gewichtet werden.

Müssen sich Nutzer:innen authentifizieren?

Im Interview mit Yahoo Finance nennt Thomas Hayes weitere Pläne Musks: "Er wird Twitter zu einem sicheren Ort machen. Er wird die Probleme mit den Bots lösen, mit den gefälschten Accounts und mit dem Spam." Die Übernahme durch Musk sei das Beste, was Twitter hätte passieren können.

Wie Twitter sicherer werden könnte, das hat Musk bereits angedeutet: Er könnte alle Nutzer:innen authentifizieren lassen. Damit würde es keine Anonymität mehr geben, zumindest nicht aus der Perspektive Twitter: Dann könnte der Kurznachrichtendienst sämtliche Accounts mit den Klarnamen der Nutzer:innen verknüpfen.

Kann Musk die Uhr zurückdrehen?

Doch längst sind nicht alle Stimmen von den Plänen Musks und der Übernahme generell überzeugt. Im ZDF sagt der Kulturwissenschaftler Michael Seemann: "Twitter ist ein wesentlicher Bestandteil der weltweiten digitalen Öffentlichkeit. Es in der Hand eines einzelnen Menschen zu wissen, der nicht mal ökonomische, sondern explizit politische Ziele damit verfolgt, halte ich für brandgefährlich."

Und der Soziologe Philipp Staab ergänzt: "Nach zahlreichen Skandalen haben wir in den vergangenen Jahren in den USA und Europa doch zumindest versucht, den schädlichen Aspekten der sozialen Medien, Hassrede, Falschinformationen und Manipulationen der Öffentlichkeit, entgegenzuwirken." Nun stelle er sich die Frage, ob es Musk gelinge, die Uhren zurückzudrehen.

VIDEO: Nach Elon Musks Twitter-Kauf - Kommt Donald Trump zurück?

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