TYPO Berlin: Wieso Straßenschilder in Berlin so unterschiedlich aussehen

Wer sich den Schilderwald der Hauptstadt genau ansieht, erkennt viele Unterschiede. Woher kommen die eigentlich? Eine Spurensuche.

Berlin. Zu den schönsten Eigenheiten, die man im öffentlichen Raum Berlins beobachten kann, zählt eine Ligatur, also die Verbindung von zwei Buchstaben zu einer Drucktype. Das "tz" mit dem markanten Unterschlingen-z macht sofort erkennbar, dass man in der Hauptstadt ist, vielleicht am Nollendorfplatz oder in der Nostitzstraße.

Wer aber etwas genauer hinschaut, muss feststellen, dass das schriftliche Erscheinungsbild alles andere als einheitlich ist. Vergleicht man zum Beispiel die Schilder in der Bötzowstraße in Prenzlauer Berg miteinander, stellt man fest, dass auf dem einen Schild mit, auf dem nächsten wiederum ohne Ligatur gearbeitet wurde. An der Hildegard-Jadamowitz-Straße in Friedrichshain findet sich eine vollständig andere Type, an stark frequentierten, historisch bedeutsamen Orten wie dem Pariser Platz noch eine andere. Warum ist das so?

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Nach Ende des Zweiten Weltkriegs kamen in Westberlin noch bemalte Emailleschilder zum Einsatz. Später wurden Straßennamen im Siebdruckverfahren aufgetragen, heute mithilfe von Plottern

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Mitte der 90er-Jahre hat der Berliner Schriftentwerfer Andreas Frohloff die Schilderschrift für Gesamtberlin überarbeitet. Die markante tz-Ligatur hat er beibehalten

Dafür gibt es historische und produktionstechnische Gründe. "Die ältesten Berliner Straßenschilder basieren offenbar auf einer Schrift namens Erbar Grotesk, die von der Frankfurter Schriftgießerei Ludwig & Mayer erstmals um 1926 gegossen wurde und auch das typische Eszett sowie die tz-Ligatur mit Unterschlingen-z aufweist", schreibt der Typograf und Grafikdesigner Florian Hardwig, der zusammen mit seinen Kollegen Fritz Grögel, Verena Gerlach und Andreas Frohloff die Geschichte der Berliner Straßenbeschilderung recherchiert hat.

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Die Buchstabenformen auf den Ostberliner Straßenschildern gehen auf das Herstellungsverfahren (ab den 1950er-Jahren) zurück: In Plastikschildern aus drei Schichten werden die Namen beidseitig in die weißen Oberflächen eingefräst, wodurch die schwarze, mittlere Schicht hervortritt und die runden Buchstabenendungen entstehen

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Aus unterschiedlichen Ausarbeitungen resultieren zwei verschiedene Schriften – eine davon mit deutlich zu großen Buchstabenabständen

Es ist nicht ganz zu klären, wann diese Schilder aufkamen. Die Typografen vermuten, es sei noch vor dem Zweiten Weltkr...

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