Uber-Konkurrent Lyft will durch Börsengang über zwei Milliarden Dollar einnehmen

Smartphone mit App des Fahrdienstes Lyft

Der US-Fahrdienstvermittler Lyft plant bei seinem anstehenden Börsengang mit Einnahmen von bis zu 2,4 Milliarden Dollar (2,1 Milliarden Euro). So will das Unternehmen 30,8 Millionen Aktien zu einem Preis zwischen 62 und 68 Dollar pro Anteil ausgeben, wie es am Montag mitteilte. Insgesamt strebt Lyft eine Bewertung von über 20 Milliarden Dollar an.

Die Emissionsbanken sollen sich Optionen auf weitere 4,6 Millionen Aktien sichern können. Nach Informationen des "Wall Street Journal" könnte das Lyft-Papier bereits Ende nächster Woche in den Handel gehen. Das Unternehmen gehört zu einer Gruppe mehrerer Start-Ups, die sich durch Risikokapital finanzieren und im laufenden Jahr an die Börse wollen.

Konkurrent Uber dürfte schon bald folgen - und wird mit 70 Milliarden Dollar deutlich höher bewertet. Auch der Kurznachrichtendienst Slack, die visuelle Suchmaschine Pinterest und der Software-Anbieter Palantir könnten noch 2019 ihr Debüt an der Wall Street feiern.

Lyft startet an der Börse allerdings mit schwerem Gepäck. Der Fahrdienst machte 2018 zwar 2,2 Milliarden Dollar Umsatz, unterm Strich stand aber ein Verlust von 911 Millionen Dollar. Seit seiner Gründung 2012 absolvierte Lyft über eine Milliarde Fahrten, allein im letzten Jahr nahm das Start-Up dadurch 8,1 Milliarden Dollar ein. Bisher ist das Unternehmen nur in Nordamerika tätig, in den USA kontrolliert es nach eigenen Angaben 39 Prozent des Ridesharing-Marktes und liefert sich einen Preiskampf mit Uber.

Beide Fahrdienste stehen in der Kritik, weil sie nach Meinung vieler Beobachter unfaire Wettbewerbsvorteile gegenüber traditionellen Taxidiensten ausnutzen. Zudem beschäftigen sie ihre Fahrer als selbstständige Unternehmer und nicht als Festangestellte. Nach Angaben von Lyft ziehen die meisten Fahrer dieses Modell aber vor, obwohl es ihnen weniger Vorteile und eine geringere Jobsicherheit bietet.

Bei seinem Börsengang will das Unternehmen Anteile für Fahrer reservieren, die mehr als 10.000 Fahrten hinter sich haben. Diese sollen zwischen 1000 und 10.000 Dollar erhalten, mit denen sie zum Ausgabepreis Aktien kaufen können. Allerdings dürfen sie das Geld nach Lyft-Angaben auch behalten.

Nach dem Börsendebüt soll Unternehmenschef Logan Green 29 Prozent der Aktien mit Stimmrecht halten, Mitgründer John Zimmer bekommt 19 Prozent. Nicht jeder ist aber vom Schritt des Unternehmens an die Wall Street begeistert. "Ein weiterer zu hoch bewerteter Börsengang, der Aktionären kein Mitbestimmungsrecht einräumt", schrieb Ross Gerber vom Investment-Dienstleister Gerber Kawasaki auf dem Kurznachrichtendienst Twitter. Für Investoren sei es besser, die Finger von Lyft zu lassen.