Die Uhr tickt: EZB muss sich über Pandemie-Bond-Berg klar werden

(Bloomberg) -- Die Europäische Zentralbank muss sich erneut der Frage zuwenden, wie sie mit dem Bestand von 1,7 Billionen Euro an Staatsanleihen verfahren will, den sie während der Pandemie angekauft hat.

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Bei der Ratssitzung diese Woche in Athen wird die EZB voraussichtlich die Diskussion über die Beendigung von Wiederanlagen im Rahmen des PEPP-Programms neu aufnehmen. Der aktuelle Stichtag für diesen Wechsel ist Ende 2024. Ein früherer Termin würde den Bilanzabbau besser in Einklang bringen mit der beispiellosen Straffung der EZB-Zinssätze.

Einige Ratsmitglieder sehen die PEPP-Käufe als ein wichtiges Instrument für die EZB, sollte es Budgetkrisen in Ländern wie Italien geben und die Renditen aus dem Ruder laufen. Das Risiko des Zuwartens besteht jedoch darin, dass das Ende der Wiederanlagen dann zusammenfallen könnte mit ersten Zinssenkungen — was dann gegenläufige Signale an die Märkte senden würde.

“Es würde uns nicht überraschen, wenn die EZB das Ende der PEPP-Reinvestitionen um mehrere Quartale vorverlegt”, sagt Reinhard Cluse, Chefvolkswirt für Europa bei UBS. “Wichtig ist, dass sie eine Ansage macht, bevor sie mit den Zinssenkungen beginnt. Andernfalls wird die Kommunikation sehr schwierig sein”.

Anleihen aus dem größeren Portfolio namens APP, das ab 2015 aus Angst vor Deflation aufgebaut wurde, laufen bereits aus. Die abreifenden Bonds aus dem PEPP-Portfolio werden jedoch nach wie vor in neue Anleihen investiert.

Die Ökonomen von Barclays schätzen, dass im Rahmen des PEPP durchschnittlich etwa 18 Milliarden Euro pro Monat fällig werden. Offizielle Angaben gibt es dazu nicht. Einige Ratsmitglieder sind vorsichtig mit der Entscheidung, auf dieses Ausmaß an Nachfrage zu verzichten, falls es doch noch zu Verwerfungen auf den Anleihemärkten kommen sollte.

Unmittelbar nach Einführung der Möglichkeit, die Wiederanlagen flexibler zu handhaben, wurde diese Option benutzt um sie auf Italien, Spanien und Portugal umzuleiten, weg von Deutschland und Frankreich. Der jüngste Einbruch der italienischen Anleihen ist eine Erinnerung daran, wie schnell das Vertrauen der Anleger schwinden kann. Sogar einige EZB-Falken wie der Slowene Bostjan Vasle, zögern deshalb, ganz auf dieses Werkzeug zu verzichten.

Je länger die Pandemie zurückliegt, desto schwieriger wird es jedoch, die Argumentation für die unveränderte Fortführung des PEPP aufrechtzuerhalten.

“Es gibt sicherlich einige EZB-Ratsmitglieder, die besorgt sein werden”, sagt Ulrike Kastens, Volkswirtin beim Fondmanager DWS. “Andererseits sind die Reinvestitionen in Anleihen bis zu einem gewissen Grad expansiv, so dass sie nicht mehr so recht in die Landschaft passen.”

Die Kommentare der Ratsmitglieder in den letzten Wochen zeigen, dass die EZB weit von einem Konsens entfernt ist. Eine Bloomberg-Umfrage unter Volkswirten ergab, dass 43% davon ausgehen, dass die EZB das Ende der PEPP-Reinvestitionen vorverlegen wird — bei der letzten Umfrage waren es 39%.

Überschrift des Artikels im Original:ECB’s Clock Ticks as Fate of €1.7 Trillion Bond Pile Is Debated

--Mit Hilfe von Harumi Ichikura.

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