Ukraine-Krieg: Die aktuellen Entwicklungen

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Seit dem russischen Einmarsch in die Ukraine herrscht in dem Land Krieg. Die aktuellen Entwicklungen im Überblick.

Ukraine-Krieg: Die aktuellen Entwicklungen. (Symbolbild: Getty)
Ukraine-Krieg: Die aktuellen Entwicklungen. (Symbolbild: Getty)

Unser Ticker ist für heute beendet. Alle aktuellen Entwicklungen sehen Sie hier!

+++ Weitere Leichen von Zivilisten bei Butscha gefunden +++

Unweit des Kiewer Vororts Butscha sind ukrainischen Angaben zufolge drei weitere Leichen von Zivilisten gefunden worden. Russische Soldaten hätten die Männer vor ihrem Tod gefoltert, schrieb der Polizeichef des Kiewer Gebiets, Andrij Njebytow, am Samstag auf Facebook. Die Leichen wiesen etwa Schusswunden an den Ohren auf und seien teils gefesselt und geknebelt gewesen. Sie seien in einem Waldstück nahe des Dorfs Myrozke verscharrt gewesen und erst am Freitag entdeckt worden. Bereits kurz nach dem Abzug russischer Truppen vor knapp einem Monat hatten in Butscha Funde von Hunderten getöteten Zivilisten weltweit für Entsetzen gesorgt.

+++ USA bilden Ukrainer in Deutschland aus +++

Parallel zu neuen russischer Angriffen und einer unübersichtlichen Gefechtslage im Osten der Ukraine haben die USA mit der Ausbildung ukrainischer Soldaten in Deutschland und anderen Ländern begonnen. Dies bestätigte der Sprecher des US-Verteidigungsministers, John Kirby. Es gehe um den Umgang mit Haubitzen und anderen Waffensystemen, die Kiew zur Unterstützung im Krieg gegen Russland bekomme. Das Training der Soldaten auf deutschem Boden habe bereits begonnen. Aktuell würden zwei Gruppen von rund 50 ukrainischen Streitkräften an US-amerikanischen Artilleriegeschützen geschult. Diese sollen dann wiederum - zurück in der Ukraine - die eigenen Truppen ausbilden.

+++ Mehr als 390 000 Kriegsflüchtlinge aus der Ukraine in Deutschland +++

In Deutschland sind inzwischen mehr als 390 000 Kriegsflüchtlinge aus der Ukraine angekommen. Wie das Bundesinnenministerium am Samstag bei Twitter mitteilte, stellte die Bundespolizei seit Beginn des russischen Angriffs am 24. Februar die Ankunft von 392 600 Flüchtlingen aus der Ukraine fest. Bei ihnen handelt es sich demnach vor allem um Frauen, Kinder und alte Menschen.

Die genaue Zahl der Kriegsflüchtlinge, die hierzulande Zuflucht gesucht haben, ist jedoch nicht bekannt, denn in der Regel gibt es keine stationären Kontrollen an den EU-Binnengrenzen, und Ukrainer können für 90 Tage ohne Visum einreisen. Auch über eine mögliche Weiterreise in ein anderes EU-Land oder eine Rückkehr von nach Deutschland geflüchteten Menschen in die Ukraine liegen keine verlässlichen Daten vor.

+++ Lawrow: Moskau führt täglich Verhandlungen mit Kiew +++

Die russische und die ukrainische Delegation diskutieren nach Angaben des russischen Außenministers Sergej Lawrow täglich über den Entwurf eines möglichen Abkommens zur Beendigung des Kriegs. Die russische Seite befürworte eine Fortsetzung des Verhandlungsprozesses, sagte Lawrow nach Angaben der russischen Agenturen Tass und Interfax vom frühen Samstagmorgen in einem Interview mit der chinesischen Agentur Xinhua.

Die Verhandlungen liefen nach Lawrows Darstellung allerdings nicht gut. Sie würden auch durch die «militante Rhetorik und hetzerische Aktionen der westlichen Unterstützer von Kiew» behindert. Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj hatte am Freitagabend nach Angaben der «Ukrajinska Prawda» gesagt, es bestehe ein hohes Risiko, dass Kiew die Verhandlungen mit Moskau abbreche. Er forderte erneut direkte Verhandlungen mit Kremlchef Wladimir Putin.

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+++ Russisches Militär: Mehr als 380 Militärobjekte in Ukraine getroffen +++

Die russischen Streitkräfte haben nach eigenen Angaben bei neuen Angriffen mit Raketen und Artillerie Hunderte Militärobjekte in der Ukraine getroffen. Die Luftwaffe habe in der Nacht vier Munitionslager und ein Kraftstoffdepot im Osten zerstört, teilte das Verteidigungsministerium am Samstag in Moskau mit. Bei Angriffen seien auch 120 ukrainische Kämpfer «vernichtet» worden, sagte Ministeriumssprecher Igor Konaschenkow. Überprüfbar von unabhängiger Seite waren diese Angaben nicht.

Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj zeigte sich bestürzt über die Zerstörungen im Osten des Landes durch die russischen Angriffe. «Im Donbass machen die Besatzer alles, um jegliches Leben auf diesem Territorium auszulöschen. Die ständigen brutalen Bombardierungen, die ständigen russischen Schläge auf die Infrastruktur und Wohnviertel zeugen davon, dass Russland dieses Territorium menschenleer machen möchte», sagte er in einer Videobotschaft.

+++ Großbritannien: Russland muss Truppen in Ukraine zusammenziehen +++

Russland ist nach Angaben der britischen Geheimdienste gezwungen, seine Streitkräfte im Nordosten der Ukraine nach gescheiterten Vorstößen neu aufzustellen. Dies geht aus einem Bericht hervor, den das Verteidigungsministerium am Samstag in London veröffentlichte. Russland hoffe, seine Schwierigkeiten bei der Invasion des Nachbarlands zu beheben, indem es die Truppen geografisch konzentriere, die Versorgungswege verkürze und die Führung vereinfache. Die britische Regierung veröffentlicht regelmäßig solche Berichte.

+++ Ukrainisches Militär: Erfolglose russische Angriffe im Osten +++

Der ukrainische Generalstab hat in seinem Lagebericht zum Kriegsverlauf am Samstag neue russische Angriffe mit Schwerpunkt im Osten der Ukraine aufgeführt. Es gebe für Russland aber keine Erfolge, heißt es darin. «Die Gefechte gehen weiter.» In der Nähe der Stadt Isjum in der Region Charkiw ziehe Russland weiter seine Truppen zusammen für Angriffe. Es gebe an mehreren Stellen Versuche der russischen Streitkräfte, ins Landesinnere vorzustoßen. Allerdings würden die Attacken abgewehrt.

Im Gebiet Dnipropetrowsk hätten russische Einheiten Ziele mit Raketen und Artillerie beschossen. Die russischen Streitkräfte stellen sich demnach teils neu auf und verstärken ihre Truppen. In den umkämpften Gebieten Luhansk und Donezk im Osten seien 14 Angriffe abgewehrt worden. Die ukrainischen Streitkräfte hätten elf Panzer, neun Drohnen und sieben Artilleriesystem vernichtet.

Unklar war weiter die Lage um das Asow-Stahlwerk in der Hafenstadt Mariupol. In den Bunkeranlagen der Industriezone sollen sich nach russischen Angaben rund 2500 ukrainische Kämpfer und ausländische Söldner verschanzt haben. Der Ukraine zufolge warten dort vor allem 1000 Zivilisten auf ihre Rettung, darunter auch Kinder.

+++ Ukraine: Eisenbahnbrücke in Region Donezk gesprengt +++

Die ukrainisch Armee hat nach Medienberichten eine Eisenbahnbrücke im Gebiet Donezk gesprengt. Dabei sei ein russischer Güterzug getroffen worden, wie die Onlinezeitung «Ukrajinska Prawda» am Freitagabend schrieb. Nach Angaben des Onlineportals «Hromadske» war unklar, ob es sich um Güterwaggons oder Kesselwagen handelte.

Bei der zerstörten Brücke handelte es sich nach Angaben der Zeitungen um eine Verbindung über den Fluss Siwerskyj Donez zwischen den Orten Lyman und Rajhorodok im Osten der Ukraine. Die Eisenbahnverbindung nach Lyman, das im Epizentrum der Kämpfe in der Ostukraine liege, sei damit zerstört.

+++ Emotionaler Pentagon-Sprecher nennt Putin grausam und verdorben +++

Der Sprecher des US-Verteidigungsministeriums, John Kirby, hat den russischen Präsidenten Wladimir Putin wegen dessen Kriegsführung in der Ukraine auf ungewöhnlich emotionale Weise kritisiert. «Es ist Brutalität der kältesten und verdorbensten Art», sagte Kirby am Freitag in Washington mit Blick auf Putins Vorgehen in dem Krieg.

Pentagon-Sprecher John Kirby hatte einen emotionalen Ausbruch (Bild: Kevin Dietsch/Getty Images)
Pentagon-Sprecher John Kirby hatte einen emotionalen Ausbruch (Bild: Kevin Dietsch/Getty Images)

«Wir sind davon ausgegangen, dass Putin in der Lage ist, das was er für die nationalen Interessen Russlands hält, knallhart und mit brutaler Entschlossenheit zu verfolgen. Ich denke, das war uns allen klar», sagte er und fügte hinzu: «Ich glaube nicht, dass wir das Ausmaß, in dem er diese Art von Gewalt und Grausamkeit an den Tag legen würde, richtig eingeschätzt haben.»

Kirby reagierte auf die Frage eines Reporters, ob er Putin für einen rationalen Akteur halte. Der Pentagon-Sprecher sagte, er sei kein Psychologe und könne nicht einschätzen, was in dem russischen Präsidenten vorgehe. Er könne aber über dessen «Verdorbenheit» sprechen. «Es ist schwer, sich anzusehen, was er in der Ukraine tut, was seine Truppen in der Ukraine tun, und zu denken, dass irgendein ethisches, moralisches Individuum das rechtfertigen könnte», sagte er.

+++ «Trouw»: EU muss sich gegen russische Erpressungen wappnen +++

Die EU müsse Russlands Versuchen widerstehen, sie mit Hilfe des Gashahns zu erpressen, meint die niederländische Zeitung «Trouw» am Samstag:

«Die EU muss alles tun, um den von der russischen Energiewaffe getroffenen Mitgliedsländern zu helfen. Mit Extralieferungen, Solidaritätsfonds und was auch immer möglich ist. Zugleich gilt es, kühlen Kopf zu bewahren. Ganz ohne russisches Gas kann die EU noch nicht. Ein kurzfristiger vollständiger Boykott hätte unvorhersehbare schwere Folgen für die Bevölkerung im Osten wie im Westen Europas.

Bis es genügend Alternativen gibt, sind die EU - allen voran Deutschland - und der russische Energiekonzern Gazprom weiterhin zur Kooperation verdammt. Diese gegenseitige Abhängigkeit hatte in der Vergangenheit oft mäßigenden Einfluss auf politische Spannungen. Das sollte auch (Russlands Präsident Wladimir) Putin erkennen, wenngleich solche Hoffnungen derzeit sehr gering sind. Die EU kann weiter daran festhalten und sich zugleich gegen neue Erpressungen wappnen.»

+++ Russland verstärkt Angriffe auf zweitgrößte ukrainische Stadt Charkiw +++

Die russische Armee hat ihre Offensive im Osten und Süden der Ukraine mit unverminderter Härte fortgesetzt und dabei insbesondere die Großstadt Charkiw ins Visier genommen. In Charkiw waren in der Nacht zum Samstag heftige Explosionen zu hören. Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj sprach trotz der anhaltenden russischen Angriffe auf die zweitgrößte Stadt des Landes von "taktischen Erfolgen" der Regierungstruppen in der Region.

"Die Lage in der Region Charkiw ist schwierig", sagte Selenskyj in einer Fernsehansprache. "Aber unser Militär und unser Geheimdienst haben wichtige taktische Erfolge erzielt." Die ukrainischen Streitkräfte eroberten nach eigenen Angaben in der Nähe von Charkiw das "strategisch wichtige" Dorf Ruska Losowa zurück. Dem Verteidigungsministerium in Kiew zufolge brachten die ukrainischen Soldaten mehr als 600 Einwohner in Sicherheit.

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+++ IAEA: Russische Nukleararbeiter nach Saporischschja entsandt +++

Russische Behörden haben Nuklearspezialisten in das ukrainische Atomkraftwerk im südöstlich gelegenen Saporischschja geschickt. Die acht Vertreter von Rosenergoatom, das zum russischen Staatskonzern Rosatom gehört, fordern von der Stationsleitung tägliche Berichte zu «vertraulichen Fragen» in Bezug auf den Betrieb des AKW, heißt es in einer Erklärung der Internationalen Atomenergiebehörde (IAEA) vom Freitag unter Berufung auf ukrainische Behörden.

Demnach wird das Kernkraftwerk weiterhin von ukrainischem Personal betrieben, aber von russischen Streitkräften kontrolliert. Russische Truppen hatten die Anlage am 4. März besetzt. Den Angaben nach arbeiten die ukrainischen Mitarbeiter «unter unglaublichem Druck».

IAEA-Leiter Rafael Grossi hatte sich wiederholt besorgt über die Sicherheit der ukrainischen Atomkraftwerke gezeigt. Er war bereits im März in die Ukraine gereist und hatte mit Mitarbeitern des Atomkraftwerks Süd-Ukraine gesprochen.

Russische Truppen hatten zuvor auch die Atomanlage Tschernobyl besetzt, sich Ende März aber zurückgezogen. Nach dem Abzug gab es Berichte, dass sich russischen Soldaten in dem Gebiet Strahlenschäden zugezogen haben könnten. Der Kontakt zur Anlage in Tschernobyl war rund zwei Monate lang unterbrochen. Inzwischen hätten Techniker die Überwachungssysteme aufgerüstet und die Fernübertragung schrittweise wiederhergestellt, so die IAEA.

In der Ukraine sind aktuell vier Atomkraftwerke mit 15 Blöcken in Betrieb.

+++ Lawrow: Russland sieht sich nicht im Krieg mit der Nato +++

Russland sieht sich Außenminister Sergej Lawrow zufolge nicht im Krieg mit der Nato. Vielmehr glaube die Nato, mit Russland im Krieg zu sein, sagte Lawrow den russischen Agenturen Ria und Tass zufolge in einem Interview mit dem arabischsprachigen Sender Al-Arabija. Weiterhin drohe Russland nicht mit Atomwaffen, westliche Medien übertrieben bei diesem Thema. «Wir "spielen" nicht mit einem Atomkrieg», sagte Lawrow demnach.

Außeminister Sergej Lawrow sieht Russland nicht im Krieg mit der Nato (Bild: Yuri Kochetkov/Pool via REUTERS)
Außeminister Sergej Lawrow sieht Russland nicht im Krieg mit der Nato (Bild: Yuri Kochetkov/Pool via REUTERS)

Lawrow hatte zuvor vor einer realen Gefahr eines Dritten Weltkriegs gewarnt. Russland hatte außerdem Ende Februar Abschreckungswaffen in Alarmbereitschaft versetzen lassen, was weltweit als Drohung mit dem atomaren Arsenal verstanden worden war.

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+++ Ukraine: Selenskyj spricht von neuem Massengrab - Promptes Dementi +++

Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj hat in einem Interview von einem neuen Massengrab mit 900 Toten im Kiewer Gebiet gesprochen. Sein Sprecher und die Polizei dementierten. «Zum Stand 29. April sind insgesamt 1187 Leichen von Opfern der russischen Armee im Gebiet Kiew entdeckt worden, wahrscheinlich meinte der Präsident diese Gesamtziffer, als er von über 900 sprach», hieß es in einem Kommentar der Polizei des Gebiets Kiew, den der Internetsender Hromadske TV beim Nachrichtendienst Telegram zitierte. Auch Präsidentensprecher Serhij Nykyforow betonte in der Onlinezeitung «Ukrajinska Prawda», dass der Präsident die Gesamtzahl gemeint habe.

Zuvor hatte eine Äußerung Selenskyjs vor polnischen Journalisten über ein neues Massengrab mit 900 Toten für Wirbel gesorgt. Nach dem Abzug russischer Truppen vor knapp einem Monat hatten Funde von teils gefesselten erschossenen Zivilisten vor allem in dem Kiewer Vorort Butscha weltweit für Entsetzen gesorgt. Moskau wies alle Anschuldigungen zurück. Nach dem russischen Einmarsch Ende Februar waren Teile des nordukrainischen Gebiets um die Hauptstadt Kiew knapp einen Monat lang von der russischen Armee besetzt.

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