Ukraine-Krieg: Die aktuellen Entwicklungen

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Seit dem russischen Einmarsch in die Ukraine herrscht in dem Land Krieg. Hier gibt's die aktuellen Entwicklungen.

Unser Ticker ist für heute beendet. Hier können Sie die wichtigsten Ereignisse des Tages nachlesen.

  • Selenskyj zu weiterem Frontbesuch im Süden der Ukraine

  • Scholz sichert Ukraine weitere Hilfen zu

  • Selenskyj: Ukraine ist wertvoll für die EU

  • Ukraine meldet Versenkung eines russischen Schleppers

  • Russische Medien führen in Ukraine gefangene US-Soldaten vor

  • Ukrainische Truppen erobern angeblich Dorf im Osten zurück

+++ Selenskyj zu weiterem Frontbesuch im Süden der Ukraine +++

Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj hat offiziellen Angaben nach eine weitere Frontregion besucht - Mykolajiw im Süden des Landes. Auf einem am Samstag erschienenen Video in seinem Telegram-Kanal ist zu sehen, wie Selenskyj Ruinen in der Stadt in Augenschein nimmt und nach einer Lagebesprechung Orden verteilt.

Präsident Selenskyj in Mykolajiw (Bild: Ukrainian Presidential Press Service/Handout via REUTERS)
Präsident Selenskyj in Mykolajiw (Bild: Ukrainian Presidential Press Service/Handout via REUTERS)

Er habe an einem Treffen zu wichtigen Themen in der Region teilgenommen. «Wir haben den Zustand der Wirtschaft, die Wiederherstellung der Wasserversorgung und die Situation in der Landwirtschaft besprochen. Besonderes Augenmerk wurde auf Bedrohungen von Land und Meer gelegt», heißt es in der Beschreibung des Videos.

Selenskyj zeichnet eine Soldatin in Mykolajiw mit einem Orden aus (Bild: Ukrainian Presidential Press Service/Handout via REUTERS)
Selenskyj zeichnet eine Soldatin in Mykolajiw mit einem Orden aus (Bild: Ukrainian Presidential Press Service/Handout via REUTERS)

Unter anderem ist zu sehen, wie Selenskyj den Militärgouverneur des Gebiets Mykolajiw, Witali Kim, und den Bürgermeister Olexander Senkewitsch mit Orden auszeichnet. Kurz nach Kriegsbeginn hatten russische Truppen bei Cherson den Fluss Dnipro überschritten. In der Zeit schien auch das benachbarte Mykolajiw kurz vor dem Fall. Doch die ukrainischen Truppen konnten den russischen Vormarsch stoppen und teilweise sogar zurückdrängen. Derzeit laufen die Kämpfe entlang der Gebietsgrenzen zwischen Cherson und Mykolajiw.

Es ist nicht der erste Frontbesuch Selenskyjs. Der ukrainische Präsident hatte in der Vergangenheit bereits den Osten des Landes besucht. Dabei war er in Charkiw, Saporischschja und im Donbass-Gebiet aufgetaucht. Auf der Gegenseite hat Russlands Präsident Wladimir Putin erst einen öffentlichen Auftritt mit Soldaten absolviert - als er Verletzte in einem Moskauer Krankenhaus besuchte.

+++ Scholz sichert Ukraine weitere Hilfen zu +++

Bundeskanzler Olaf Scholz hat der Ukraine weitere Hilfen im Kampf gegen Russland zugesichert. Der SPD-Politiker sagte in einer am Samstag erstmals veröffentlichten Videobotschaft: «Wir werden weiter finanzielle Mittel zur Verfügung stellen. Wir werden beim Wiederaufbau helfen. Wir werden weiter Waffen liefern, die dringend notwendig sind für die Verteidigung der Unabhängigkeit der Ukraine.»

Unter dem Namen «Kanzler kompakt» soll laut Bundesregierung künftig wöchentlich ein Video von Scholz zu einem zentralen Thema erscheinen - auch seine Vorgängerin Angela Merkel (CDU) hatte immer samstags eine Videobotschaft veröffentlicht.

Scholz betonte, Russland habe die Ukraine überfallen. Viele Menschen seien schon gestorben, viele Häuser, viele Städte und Dörfer seien zerstört. «Ich habe mich jetzt in Polen zusammen mit dem italienischen Ministerpräsidenten (Mario) Draghi und dem französischen Präsidenten (Emmanuel) Macron in einen Zug gesetzt und bin nach Kiew gefahren. Wir haben uns in der Nähe von Kiew die Zerstörung in Irpin angeschaut. Furchtbar.» Scholz war am Donnerstag in Kiew.

Der Kanzler sagte, es gehe nun darum, die Solidarität auch mit einer Perspektive zu verbinden. «Denn viele kämpfen in der Ukraine für Freiheit und Demokratie, sie wollen wissen, dass das nach Europa führt.» Ein EU-Beitrittskandidatenstatus sei notwendig für die Ukraine. «Darüber werden wir nun in Brüssel sprechen. Am Donnerstag schon. Und versuchen, 27 Mal ein «Ja» zu bekommen, zu einem konkreten Beschluss, einem gemeinsamen Beschluss der Europäischen Union, die diese Perspektive auch eröffnet.»

Der Kanzler hatte sich bei seinem Besuch in Kiew dafür ausgesprochen, dass die Ukraine Beitrittskandidat wird. Am Freitag zeigte sich Scholz in einem auf Englisch geführten TV-Interview der Deutschen Presse-Agentur zuversichtlich, dass die EU-Mitgliedstaaten eine gemeinsame Position zum Beitrittsgesuch der Ukraine finden werden.

+++ Ukraine will Verhandlungen mit Russland im August wieder aufnehmen +++

Der ukrainische Chefunterhändler David Arachamija will erst Ende August nach der Durchführung von Gegenangriffen die Friedensverhandlungen mit Moskau wieder aufnehmen. Ende August werde die Ukraine eine bessere Verhandlungsposition haben, sagte er in einem am Samstag erschienenen Interview mit dem Sender Voice of America. «Ich denke, wir werden eine Operation mit Gegenangriffen an verschiedenen Orten führen», erklärte Arachamija, ohne Details zu nennen.

Die Verhandlungen über eine Friedenslösung haben kurz nach dem russischen Angriff auf die Ukraine begonnen. Ende März hatte Kiew bei den Gesprächen in Istanbul unter anderem vorgeschlagen, auf einen Nato-Beitritt zu verzichten, wenn das Land im Gegenzug internationale Sicherheitsgarantien bekäme. Russland fordert allerdings darüber hinaus noch eine Entmilitarisierung und Gebietsabtretungen. Neben der schon seit 2014 annektierten Krim betrifft dies unter anderem die Gebiete Donezk und Luhansk.

Später kamen die Gespräche zum Erliegen. Verhandelt wurde nur noch über Detailfragen wie den Austausch von Gefangenen, aber keine grundsätzliche Lösung mehr. Moskau macht dafür Kiew verantwortlich. Allerdings setzen beide Seiten offenbar darauf, durch militärische Erfolge, ihre Gesprächsposition verbessern zu können.

+++ London: Schwierige Lage für ukrainische Zivilisten in Sjewjerodonezk +++

Zivilisten in der schwer umkämpften ukrainischen Stadt Sjewjerodonezk müssen nach Einschätzung britischer Geheimdienstexperten sehr schwierige Abwägungen treffen. Einerseits gebe es angesichts zerstörter Brücken außer den von Russland und seinen Verbündeten einseitig ausgegebenen humanitären Korridoren kaum Wege, um aus der Stadt zu kommen. Andererseits habe Moskau schon in früheren Fällen in der Ukraine und auch in Syrien solche Korridore als Mittel missbraucht, um sich Vorteile auf dem Schlachtfeld zu verschaffen und Menschen zwangsweise umzusiedeln, hieß es in einer Mitteilung des britischen Verteidigungsministeriums am Samstag.

Russlands vorgeschlagene Route würde die Menschen in Richtung des Orts Swatowe führen, weiter in das von Russland besetzte Gebiet, so die britischen Experten. Sie warnten jedoch: «Wenn eingeschlossene Zivilisten das Angebot ablehnen, durch einen Korridor hinauszugehen, wird Russland das wahrscheinlich als Rechtfertigung nehmen, um weniger Unterschied zwischen ihnen und irgendwelchen militärischen ukrainischen Zielen zu machen.»

Nach Einschätzung der Briten haben russische Truppen in den vergangenen 48 Stunden erneut versucht, südlich von Isjum vorzustoßen, um den Kessel von Sjewjerodonezk vom Norden her einzukreisen.

+++ Selenskyj: Ukraine ist wertvoll für die EU +++

In der Debatte über die Europa-Tauglichkeit der Ukraine hat Präsident Wolodymyr Selenskyj den Wert seines Landes für die Europäische Union betont. «Unsere Annäherung an die Europäische Union ist nicht nur für uns positiv», sagte er in seiner Videoansprache am Freitagabend in Kiew. «Das ist der größte Beitrag zur Zukunft Europas seit vielen Jahren.»

Präsident Selenskyj betonte, dass die Ukraine zu Europa gehört (Bild: Furkan Abdula/Anadolu Agency via Getty Images)
Präsident Selenskyj betonte, dass die Ukraine zu Europa gehört (Bild: Furkan Abdula/Anadolu Agency via Getty Images)

«Wir sind einen Schritt vor dem Beginn einer vollwertigen Integration in die Europäische Union», sagte der ukrainische Präsident. Die Werte der Ukraine seien europäische Werte. «Die ukrainischen Institutionen bleiben stabil auch unter den Umständen des Krieges.» Nur mit der Ukraine werde die EU in Zukunft ihre Macht, Selbstständigkeit und Entwicklung sichern können. Die Integration werde sich positiv für die Bürger auswirken: «Je enger wir uns an andere europäische Länder halten, desto mehr Möglichkeiten werden wir haben, allen Ukrainern ein modernes, gesichertes Leben zu gewährleisten.»

+++ McAllister: EU-Mitgliederschaft der Ukraine braucht Zeit +++

Der CDU-Europapolitiker David McAllister sieht die Ukraine auf einem langen Weg in Richtung Europäische Union. «Die Ukraine verdient eine glaubhafte europäische Perspektive», sagte McAllister am Samstag im Interview des Hörfunksenders Bayern 2. «Mitglied der Europäischen Union zu werden, erfordert viel Zeit, viel Kraft und viel Anstrengung», machte der Vorsitzende des Auswärtigen Ausschusses im Europaparlaments deutlich. In der Zwischenzeit sollte die Ukraine näher an den Binnenmarkt herangeführt werden - auf der Basis des bereits beschlossenen Assoziierungsabkommens.

Die EU-Kommission hatte sich am Freitag dafür ausgesprochen, die Ukraine und Moldau offiziell zu Kandidaten für den Beitritt zur Europäischen Union zu ernennen. Mit ihren Empfehlungen legte die Behörde am Freitag die Grundlage für einen möglichen Beschluss der EU-Mitgliedstaaten. Die Staats- und Regierungschefs wollen bereits bei einem Gipfeltreffen Ende kommender Woche über das Thema beraten.

McAllister sieht für Frankreich eine besondere Rolle, einen einstimmigen Beschluss herbeizuführen. Der CDU-Politiker verwies auf die aktuelle EU-Ratspräsidentschaft des Landes. Bundeskanzler Olaf Scholz (SPD) sagte am Samstag in einer erstmals veröffentlichten Videobotschaft unter dem Namen «Kanzler kompakt», ein EU-Beitrittskandidatenstatus sei notwendig für die Ukraine. Beim EU-Gipfel werde man versuchen, 27 Mal ein «Ja» zu bekommen.

+++ Ukraine meldet Versenkung eines russischen Schleppers +++

Der von ukrainischen Raketen getroffene Schlepper der russischen Schwarzmeerflotte ist nach ukrainischen Behördenangaben gesunken. Der Schlepper «Wassili Bech» sei am Morgen von ukrainischen Raketen beschädigt worden. «Später wurde bekannt, dass er gesunken ist», sagte der Militärgouverneur von Odessa, Maxym Martschenko, am Freitagabend in einer Videoansprache auf seinem Telegram-Kanal. Eine Bestätigung von russischer oder unabhängiger Seite für die Versenkung gibt es nicht.

Den Beschuss hatte am Freitag bereits die ukrainische Marine gemeldet. Demnach wurde das Schiff, das erst 2017 in Dienst gestellt und mit einem Luftabwehrsystem des Typs «Tor» ausgestattet worden war, von Harpoon-Raketen getroffen und schwer beschädigt worden. Die Schiffsabwehrraketen hatte Dänemark an die Ukraine geliefert. Der Schlepper war demnach mit Militärgerät auf dem Weg zur strategisch wichtigen «Schlangeninsel», die seit Ende Februar von russischen Truppen besetzt ist.

Die «Wassili Bech» wäre nicht das erste Schiff, das die russische Schwarzmeerflotte im Krieg gegen die Ukraine verloren hat. Bestätigt wurde von russischer Seite der Verlust des Landungsschiffs «Saratow» und des Raketenkreuzers «Moskwa». Vor allem der Untergang der «Moskwa» als Flaggschiff der russischen Schwarzmeerflotte war für die russische Marine ein schmerzhafter Verlust.

+++ Russische Medien führen in Ukraine gefangene US-Soldaten vor +++

Russische Medien haben zwei in der ukrainischen Armee kämpfende und von moskautreuen Truppen gefangen genommene US-Soldaten vorgeführt. Er habe der westlichen «Propaganda» von den «schlechten Russen» geglaubt und sei deswegen in den Krieg gezogen, rechtfertigte sich einer der Männer im Interview mit der kremlnahen Zeitung «Iswestija», das das Blatt am Donnerstag auf seinem Telegram-Kanal zeigte. «In den westlichen Medien wird uns nicht gesagt, wie inkompetent und korrupt die ukrainische Armee ist», sagte er.

Der zweite Gefangene trat beim Kremlsender RT auf. Er übermittelte nur einen Gruß an seine Mutter und sprach von der Hoffnung, nach Hause zurückkehren zu dürfen. Beide Soldaten stammen laut den russischen Medien aus dem US-Bundesstaat Alabama und sollen in der Nähe von Charkiw gefangen genommen worden sein.

Unklar ist noch, von wem sie gefangen genommen wurden. Das ist womöglich wichtig für ihr weiteres Schicksal. An der Seite Russlands kämpfen auch noch Truppen der prorussischen Separatisten aus den selbst ernannten Volksrepubliken Donezk und Luhansk. Diese haben bereits drei Ausländer aus den Reihen der ukrainischen Armee - zwei Briten und einen Marokkaner - in einem Schauprozess zum Tode verurteilt. In Russland hingegen ist die Todesstrafe ausgesetzt.

+++ Polen fordert vor EU-Ministertreffen weitere Russland-Sanktionen +++

Polen fordert weitere Strafmaßnahmen gegen Russland, um Moskau im Ukraine-Krieg zum Einlenken zu bewegen. «Es geht darum, die Sanktionen auszuweiten. Aus unserer Sicht muss ein siebtes Sanktionspaket so schnell wie möglich auf den Weg gebracht werden. Wir müssen den Druck aufrechterhalten», sagte der Sprecher des polnischen Außenministeriums, Lukasz Jasina, der «Welt am Sonntag» vor dem Treffen der EU-Außenminister am Montag in Luxemburg. «Wir gehen damit voran, wir genießen die Unterstützung unserer baltischen Partner und hoffen, dass auch die übrigen Europäer härteren Sanktionen gegen Russland zustimmen werden.»

Polens Vizeaußenminister Marcin Przydacz sagte der «WamS»: «Das sechste Sanktionspaket hat Russland hart getroffen. Doch konnten wir Putin und seine Militärmaschine noch nicht ausreichend schwächen. Es
braucht also weitere und härtere Sanktionen.» Dafür werbe Polen bei den europäischen Partnern. «Wir müssen hier als Europäer abgestimmt handeln.»

Zum Inhalt eines möglichen siebten Sanktionspakets aus Brüssel sagte Przydacz: «Wir wollen europäische Technologieexporte nach Russland vollständig unterbinden.» Das schließe auch zivile Produkte ein, die militärisch genutzt werden können (Dual-Use-Güter). Zudem müsse die EU «stärker gegen russische Banken vorgehen und gegen russische Propaganda- und Desinformationskanäle.»

+++ Ukrainische Truppen erobern angeblich Dorf im Osten zurück +++

Ukrainische Truppen haben nach Angaben ihrer Militärführung ein Dorf im umkämpften Osten des Landes von russischen Truppen zurückerobert. Der Generalstab nannte am Freitagabend das Dorf Dmytriwka bei Isjum im Gebiet Charkiw. Die Angaben waren nicht unabhängig überprüfbar.

Zunächst hatte der Vorstoß über die Stadt Isjum hinaus die russischen Angreifer bis weit in den Rückraum der ukrainischen Verteidiger des Donbass geführt. Westliche Quellen wie das US-amerikanische Institut für Kriegsstudien (ISW) verzeichneten aber am Donnerstag für die Region Isjum erfolgreiche ukrainische Gegenangriffe.

In der östlichsten Stadt der Frontlinie, Sjewjerodonezk im Gebiet Luhansk, war den ukrainischen Angaben nach weiter jede Straße umkämpft. Die Stadt und ihre Umgebung liege unter schwerem Artilleriefeuer. In Bunkern unter dem Chemiewerk Azot in Sjewjerodonezk sollen sich Berichten zufolge noch mehrere Hundert Zivilisten aufhalten.

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