Ukraine-Krieg: Die aktuellen Entwicklungen

Seit dem russischen Einmarsch in die Ukraine herrscht in dem Land Krieg. Die aktuellen Entwicklungen im Überblick.

Dieser Ticker ist für heute beendet. Sie können hier die wichtigsten Nachrichten des Tages nachlesen.

  • Ukrainischer Armeechef warnt vor Stellungskrieg

  • Minen töteten 264 Zivilisten in der Ukraine

  • Lindner sichert der Ukraine weitere Unterstützung zu

  • Selenskyj beschwört Einheit Europas

Die aktuelle Newslage:

+++ Ukrainischer Armeechef warnt vor Stellungskrieg +++

Der Bodenkrieg in der Ukraine hat sich festgefahren - und das sieht der ukrainische Oberkommandierende Walerij Saluschnyj als große Gefahr. Nur ein Technologiesprung können einen Ausweg aus diesem Stellungskrieg öffnen, schrieb der General in einem Beitrag für die britische Zeitschrift «The Economist». «Ein Stellungskrieg dauert lange und birgt enorme Risiken für die Streitkräfte der Ukraine und für den Staat.» Stillstand auf dem Schlachtfeld helfe nur Russland, die Verluste seiner Armee auszugleichen.

Symbolbild: dpa
Symbolbild: dpa

Die Ukraine wehrt seit mehr als 20 Monaten eine großangelegte russische Invasion ab. Auch für Mittwoch verzeichnete der ukrainische Generalstab zahlreiche Bodengefechte entlang der fast 1000 Kilometer langen Front im Osten und Süden des Landes. Am Donnerstag ist der Zählung nach der 617. Tag des Krieges. Präsident Wolodymyr Selenskyj beschwor unterdessen die Einheit Europas und sagte, sein Land werde dazu ein starken Beitrag leisten.

Die Ukraine brauche insbesondere Flugzeuge, schrieb Saluschnyj (50). Die fehlende Deckung aus der Luft gilt als ein Grund, warum die Bodenoffensive der Ukrainer in diesem Sommer kaum vorangekommen ist.

Die ukrainische Armee müsse auch besser ausgestattet werden, um russische Artilleriestellungen zu bekämpfen.

+++ Minen töteten 264 Zivilisten in der Ukraine +++

Seit Beginn der russischen Invasion sind in der Ukraine 264 Zivilisten durch Minen getötet worden. 571 Menschen seien verletzt worden, teilten die Verkehrsbehörde und das Verteidigungsministerium mit. Die meisten Minenunfälle ereigneten sich demnach auf Feldern (145), auf Straßen (125) oder in Gärten (117). Die Behörden warnten davor, sich den Sprengkörpern zu nähern oder sie gar anzufassen. Die russische Armee hat große Teile der Ukraine vermint. Aber auch ukrainische Truppen haben zum Selbstschutz Minen ausgelegt.

Nach einem großen russischen Luftangriff mit 20 Kampfdrohnen in der Nacht zum Mittwoch mahnte Selenskyj die Bevölkerung auch, Luftalarm ernst zu nehmen und sich in Schutzräume zu flüchten. Das gelte für frontnahe Städte wie Charkiw, Saporischschja oder Cherson, für Grenzgebiete wie Sumy oder Tschernihiw, sagte er in seiner Videoansprache. «Es ist wichtig, vorsichtig zu sein und sich nicht leichtsinnig in Gefahr zu bringen.»

+++ Lindner sichert der Ukraine weitere Unterstützung zu +++

Bei einem Besuch in Lettland hat Bundesfinanzminister Christian Lindner (FDP) der Ukraine weiter anhaltende Unterstützung zugesichert. «Wir stehen beide an der Seite des ukrainischen Volkes - und bei seinen Bemühungen, sich zu verteidigen, ist die Ukraine zu unterstützen. Russland darf seine Kriegsziele nicht erreichen», sagte Lindner am Donnerstag nach einem Treffen mit seinem lettischen Kollegen Arvils Aseradens in Riga.

Christian Lindner (Bild: Reuters)
Christian Lindner (Bild: Reuters)

Die Sicherheitslage in Europa habe sich nach dem «schrecklichen unprovozierten, völkerrechtswidrigen Angriff Russlands» auf die Ukraine fundamental verändert. «In der Ukraine wird nicht nur die Ukraine selbst verteidigt, sondern die europäische Lebens- und Freiheitsordnung insgesamt», sagte Lindner.

Aus dieser geopolitischen Situation ergäben sich große Aufgaben für Finanzminister, da die eigenen militärischen Fähigkeiten verbessert werden müssten. «Wir müssen jetzt eine Priorität setzen. Das ist die Stärkung unserer Fähigkeit zur Bündnis- und Landesverteidigung», betonte Lindner. Auch Aseradens verwies auf die Bedeutung höherer Verteidigungsausgaben.

Lettland war die erste Station eines zweitägigen Besuchs im Baltikum, die Lindner auch nach Estland und Litauen führt. In den drei an Russland und teils auch Belarus grenzenden EU-und Nato-Ländern will er über finanzpolitische Fragen und die politische Lage sprechen.

+++ Großbritannien: Russland hat weiter Probleme mit Luftverteidigung +++

Das britische Verteidigungsministerium bescheinigt den Russen im Angriffskrieg gegen die Ukraine weiterhin Probleme bei der Flugabwehr. Russland habe in der letzten Woche wahrscheinlich mindestens vier Abschussrampen für Boden-Luft-Raketen verloren, schrieben die Briten am Donnerstag in ihrem täglichen Update beim Kurznachrichtendienst X. Russischen Medienberichten zufolge seien drei Raketenwerfer in der Region Luhansk zerstört worden, ukrainische Quellen hätten weitere Verluste auf der Krim gemeldet.

«Die jüngsten Verluste zeigen, dass Russlands integriertes Luftverteidigungssystem weiterhin mit modernen Präzisionswaffen zu kämpfen hat», teilte das Ministerium in London mit. Es bestehe die realistische Wahrscheinlichkeit, dass Russland - wenn es die zerstörten Systeme in der Ukraine ersetze - damit die Luftverteidigung in anderen Einsatzgebieten schwächen könnte.

+++ Selenskyj beschwört Einheit Europas +++

In der Ansprache nannte Selenskyj die Ukraine einen wichtigen Teil eines künftigen vereinten Europas. «Ich bin zuversichtlich, dass die Ukraine unser Europa stärker denn je machen wird. Und wir arbeiten so hart wie möglich daran, dass unserem Beitritt zur Europäischen Union nichts mehr im Wege steht.»

Wolodymyr Selenskyj (Bild: dpa)
Wolodymyr Selenskyj (Bild: dpa)

Er erinnerte an das Inkrafttreten des Vertrages von Maastricht vor 30 Jahren am 1. November 1993. Dieser habe «den Grundstein für die moderne europäische Einigung» gelegt, sagte Selenskyj. Der Vertrag begründete damals die Europäische Union mit einer Wirtschafts- und Währungsunion und einer gemeinsamen Außen- und Sicherheitspolitik.

Zwar gebe es in vielen EU-Mitgliedsländern europakritische Stimmen, sagte Selenskyj - oft gerade in Staaten, die für den Erhalt des Friedens und der Ordnung in Europa wichtig seien. Beispiele nannte er nicht. Aber die EU habe immer bewiesen, dass sie Krisen überwinden könne und stärker werde, «wenn die Feinde Europas nur Schwäche erwarten», betonte der Präsident.