Ukraine-Krieg: Die Entwicklungen am Samstag

Seit dem russischen Einmarsch in die Ukraine herrscht in dem Land Krieg. Hier gibt's die aktuellen Entwicklungen.

Unser Ticker ist für heute beendet. Hier können Sie die wichtigsten Ereignisse des Tages nachlesen:

  • Nach Challenger-Ankündigung: Rufe nach deutschen Panzern für Ukraine

  • Großbritannien will Challenger-Kampfpanzer an Ukraine abgeben

  • Luftalarm in ganzer Ukraine: Russland verstärkt Raketenangriffe

  • Kein «Tabu» mehr? Druck zur Kampfpanzer-Lieferung an Ukraine steigt

  • Außenminister: Fünf Staaten bereit zu Leopard-Lieferung an Kiew

  • Kiew erwartet EU-Beitritt in weniger als zwei Jahren

  • Bundesregierung: Lieferung von Leopard ohne Zustimmung wäre illegal

Die aktuelle Newslage:

Bild: REUTERS/Michele Tantussi
Bild: REUTERS/Michele Tantussi

+++ Nach Challenger-Ankündigung: Rufe nach deutschen Panzern für Ukraine +++

Nach der britischen Ankündigung, Kampfpanzer vom Typ Challenger 2 an die Ukraine zu liefern, haben Politiker von FDP und Grünen erneut ein Umdenken im Kanzleramt gefordert. «Die Lieferung von Challenger-Panzern ist eine weitere Annäherung unserer Partnerländer an die Realität», sagte die FDP-Verteidigungspolitikerin Marie-Agnes Strack-Zimmermann dem Portal t-online. «Der Marder kann nur der erste Schritt gewesen sein.» Nach der Lieferung des Schützenpanzers Marder müsse der Kampfpanzer Leopard folgen, damit sich die Ukraine gegen den russischen Angriffskrieg wehren könne.

Der Europaausschuss-Vorsitzende Anton Hofreiter (Grüne) sagte, die Lieferung der Challenger-Panzer sei ein weiterer wichtiger Schritt bei der Unterstützung der Ukraine. «Der Leopard 2 ist der am weitesten in Europa verbreitete Kampfpanzer. Es sind genug Möglichkeiten zur Wartung und ausreichend Munition vorhanden.» Es liege daher auf der Hand, auf die europäischen Partner zuzugehen und gemeinsam der Ukraine Leopard-2-Panzer zur Verfügung zu stellen.

+++ Morawiecki will in Berlin über Kampfpanzer für die Ukraine sprechen +++

Polens Regierungschef Mateusz Morawiecki will bei seinem Besuch in Berlin Gespräche über die Lieferung von Leopard-Kampfpanzern für die Ukraine führen. Er werde über dieses Thema mit Vertretern mehrerer Parteien sprechen, sagte Morawiecki am Samstag dem Radiosender Rmf.fm.

Polens Ministerpräsident nimmt am Montag an einer Festmatinee der CDU/CSU-Bundestagsfraktion teil. Anlass ist ein Jubiläum von Wolfgang Schäuble: Der CDU-Politiker ist seit 50 Jahre Mitglied im Bundestag.

Auf die Frage, ob er glaube, dass er Bundeskanzler Olaf Scholz (SPD) überzeugen könne, Leopard-Kampfpanzer der Ukraine zu überlassen, sagte Morawiecki: «Keine Ahnung.» Er gehe auch nicht davon aus, dass eine solche Entscheidung in den kommenden Tagen getroffen werde. Morawiecki betonte erneut, Polen habe bereits beschlossen, die Kampfpanzer an die Ukraine zu liefern.

+++ Großbritannien will Challenger-Kampfpanzer an Ukraine abgeben +++

Großbritannien will der Ukraine Kampfpanzer vom Typ Challenger 2 zur Abwehr des russischen Angriffskriegs zur Verfügung stellen. Das sagte der britische Premierminister Rishi Sunak in einem Gespräch mit dem ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj, wie der britische Regierungssitz Downing Street am Samstag in London mitteilte.

«Der Premierminister umriss die Absicht Großbritanniens, unsere Unterstützung für die Ukraine zu intensivieren, einschließlich der Bereitstellung von Challenger-2-Panzern und zusätzlichen Artilleriesystemen», wurde ein Downing-Street-Sprecher zitiert. Sunak und Selenskjy begrüßten andere ähnliche Ankündigungen, einschließlich des Angebots Polens, Leopard-Panzer für eine Kompanie zur Verfügung zu stellen - das wären in der Regel 14 Stück.

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+++ Luftalarm in ganzer Ukraine: Russland verstärkt Raketenangriffe +++

Nach vereinzelten russischen Raketenangriffen auf die Ukraine am Vormittag hat Moskau den Beschuss zahlreicher Regionen des Landes am Samstag noch einmal deutlich verstärkt. Im ganzen Land gelte Luftalarm, teilten die ukrainischen Behörden mit. Neben zahlreichen Regionen, darunter Odessa im Süden, Charkiw im Osten und Lwiw (Lemberg) im Westen, war einmal mehr auch die Hauptstadt Kiew betroffen von dem Beschuss. Es gab mehrere Explosionen. Die Menschen wurden aufgefordert, Schutz zu suchen.

Die Präsidialverwaltung veröffentliche ein Foto von einem schwer zerstörten Wohnhaus in Dnipro. Demnach wurden dort unter den Trümmern Menschen vermutet.

Der Leiter des Präsidialamts in Kiew, Andrij Jermak, zeigte sich entsetzt: «Russen sind Terroristen, die bestraft werden für alles. Alle - ohne Ausnahme.» Er sagte, dass die Flugabwehr und Luftstreitkräfte ihre Arbeit erledigten. «Wir werden zurückschlagen», betonte er. Der Feind ändere seine Taktik nicht und setze seine Schläge gegen die zivile Infrastruktur fort.

+++ Kein «Tabu» mehr? Druck zur Kampfpanzer-Lieferung an Ukraine steigt +++

Der Druck auf die Bundesregierung zur Lieferung von Kampfpanzern vom Typ Leopard 2 an die Ukraine steigt weiter. Aus Sicht des stellvertretenden Vorsitzenden der Unionsfraktion, Johann Wadephul (CDU), steht nun fast nur noch Bundeskanzler Olaf Scholz (SPD) im Weg. «Alle wollen es. Finnland will liefern, Spanien schon länger, Polen ist jetzt in die Offensive gegangen und der starrsinnige Kanzler steht im Weg», sagte Wadephul am Freitag in der Sendung «Frühstart» von RTL/ntv. Auch Bundesjustizminister Marco Buschmann zeigte sich offen für eine Lieferung. «Meine persönliche Auffassung ist klar und die lautet: Das darf kein Tabu sein», sagte der FDP-Politiker der «Augsburger Allgemeine» (Samstag).

«Würde Herr Putin aus den fortwährenden Aggressionen gegen seine Nachbarn die Lehre ziehen, dass er sich am Ende mit dieser Taktik durchsetzt, wird er immer weitermachen», warnte Buschmann. Rechtliche Bedenken hat er bei einer Lieferung nicht. «Die Ukraine befindet sich im Recht, weil sie einen Selbstverteidigungskrieg führt.» Nach dem Völkerrecht dürfe Deutschland der Ukraine dafür Waffen liefern. «Wir werden dadurch nicht zur Kriegspartei. Egal, welche Qualität die Waffen haben», sagte Buschmann. Die von Russland angegriffene Ukraine bemüht sich seit Monaten um weitere schwere Waffen.

Ein Panzer der polnischen Armee vom Typ Leopard 2 (Bild: Armin Weigel/dpa)
Ein Panzer der polnischen Armee vom Typ Leopard 2 (Bild: Armin Weigel/dpa)

Scholz wiederum kritisierte am Freitag «aufgeregte Stellungnahmen» in der Debatte um die Panzer-Lieferungen und rief zu mehr Besonnenheit auf. Die «Notwendigkeit, alle zehn Minuten etwas sagen zu müssen», dürfe nicht dazu führen, Entscheidungen, «die mit Krieg und Frieden zusammenhängen», schlicht «mal so aus der Hand zu schütteln», sagte er. Deutschland werde in Fragen der weiteren Unterstützung für Kiew «immer eng abgestimmt und koordiniert mit unseren Freunden und Verbündeten» handeln. Mit Blick auf die Debatte um die mögliche Lieferung der Kampfpanzer betonte Scholz, die Mehrheit der Bürgerinnen und Bürger unterstütze trotz der «lauten Kommentierungswelten» in Berlin die besonnene Haltung der Bundesregierung, die Entscheidungen sorgfältig vorbereite.

Die Vorsitzende des Verteidigungsausschusses, Marie-Agnes Strack-Zimmermann (FDP), erhöhte in der Debatte den Druck auf Scholz und die Ampel-Regierung. Deutschland müsse für die Lieferung der Leopard 2 endlich die Exportgenehmigung erteilen, sagte sie den Zeitungen der Funke Mediengruppe. «Der Kanzler sollte angesichts des Dramas in der Ukraine über seinen Schatten springen», forderte sie.

+++ Ukraine: Neue russische Raketenangriffe auch auf Hauptstadt Kiew +++

Russland hat die Ukraine nach Behördenangaben aus der Hauptstadt Kiew am Samstag erneut mit Raketen beschossen. Betroffen waren die Millionenmetropole selbst sowie andere Regionen, darunter Charkiw und Saporischschja, hieß es. Das Präsidentenbüro in Kiew rief die Menschen auf, den Luftalarm nicht zu ignorieren und unbedingt Schutz zu suchen. In der Hauptstadt waren Explosionsgeräusche zu hören, die in der Regeln entstehen, wenn die ukrainische Flugabwehr russische Raketen oder Drohnen abschießt.

Kiews Bürgermeister Vitali Klitschko teilte mit, dass in einem nicht bewohnten Ort der Stadt Teile einer Rakete abgestürzt seien. Niemand sei verletzt worden, hieß es.

Nach Angaben des Präsidentenbüros wurde im Kiewer Gebiet auch ein Wohnhaus getroffen, es gab aber zunächst keine Informationen zu möglichen Opfern. Es waren demnach die ersten größeren Raketenangriffe seit dem Jahreswechsel.

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+++ «NZZ»: Rücksicht auf Putin wird keinen Frieden bringen +++

Zur Debatte über die Lieferung von Kampfpanzern an die Ukraine meint die «Neue Zürcher Zeitung» am Samstag:

«Nun richten sich alle Augen nach Berlin, das die Zustimmung zur Lieferung deutscher Panzer durch ausländische Regierungen geben muss. Und auch hier ist viel Bewegung zu erkennen. (...) Nur die SPD bewegt sich nicht und mit ihr deren Bundeskanzler Olaf Scholz. Träge und rückwärtsgewandt führen die Sozialdemokraten die alten Debatten um Eskalationsgefahr, Rücksichtnahme auf russische Interessen und den Willen, im westlichen Bündnis nur ja nicht vorzupreschen. Dabei kann von all dem keine Rede mehr sein.

Die Eskalation ist längst da, täglich werden ukrainische Ortschaften von den Russen zerschossen, Menschen zu Dutzenden und Hunderten getötet und Kriegsverbrechen begangen. Rücksicht auf Putin wird keinen Frieden bringen; nur die Gefahr einer schweren militärischen Niederlage in der Ukraine wird ihn genügend unter Druck setzen, dass er sich an einen Tisch setzt. Und ein deutsches Vorpreschen ist nun wirklich nicht mehr möglich. Das haben die europäischen Vorreiter Polen und Großbritannien diese Woche mit ihren Plänen klargemacht: Sollte sich Deutschland hinter europäische Panzerlieferungen stellen, stünde es keinesfalls alleine da.»

+++ Buschmann sieht UN-Sondertribunal für Russen skeptisch +++

Bundesjustizminister Marco Buschmann (FDP) sieht die Einrichtung eines speziellen UN-Sondertribunals für russische Kriegsverbrechen in der Ukraine skeptisch. «Das unterspült möglicherweise die Akzeptanz des Internationalen Strafgerichtshofs, den ich wirklich für eine Errungenschaft halte und den man keinesfalls schwächen darf», sagte Buschmann der «Augsburger Allgemeinen» (Samstag). «Es gibt sehr viele Staaten in Afrika, die sagen: Wenn hier was geschieht, ist der Internationale Strafgerichtshof gut genug; aber sobald etwas in Europa passiert, wollt ihr ein Sondertribunal.»

Der ukrainische Staatschef Wolodymyr Selenskyj hatte schon im September vor der UN-Vollversammlung für ein Sondertribunal geworben. Buschmann räumte ein, die Haltung der Bundesregierung dazu sei aber nicht abgeschlossen. «Wir führen diese Diskussionen in enger Abstimmung mit unseren Partnern und unter Einbindung der bereits ermittelnden Institutionen», sagte Buschmann. «Ich schließe nichts aus. Aber damit sind viele komplexe Fragen verbunden, die gut bedacht sein wollen.» Buschmann sagte, Deutschland sei bei der Verfolgung von Kriegsverbrechen weltweit führend. «Ich kann sehr gut verstehen, dass die Ukraine insbesondere Herrn Putin eines Tages vor Gericht sehen will. Idealerweise würde das vor dem Internationalen Strafgerichtshof stattfinden.»

Selenskyj hatte seine Forderung nach einem Sondertribunal Ende November damit begründet, die verfügbaren internationalen Rechtsinstrumente reichten für Gerechtigkeit nicht aus. «Selbst vor dem Internationalen Strafgerichtshof ist es immer noch unmöglich, die höchste politische und militärische Führung Russlands für das Verbrechen der Aggression gegen unseren Staat - für das Hauptverbrechen - vor Gericht zu stellen», beklagte Selenskyj. Daher werde neben dem Internationalen Strafgerichtshof ein Sondertribunal benötigt. «Und wir tun alles, um ein solches Tribunal zu schaffen.»

+++ Kiew: Kämpfe um Soledar gehen weiter +++

Ungeachtet mehrerer russischer Siegesmeldungen zur ostukrainischen Kleinstadt Soledar hält der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj daran fest, dass die Kämpfe um den Ort andauern. «Der harte Kampf um Donezk geht weiter», sagte Selenskyj am Freitagabend in seiner täglichen Videoansprache. «Der Kampf um Bachmut und Soledar, um Kreminna, um andere Städte und Dörfer im Osten unseres Staates geht weiter.» Der Generalstab der ukrainischen Streitkräfte teilte am Freitagabend ebenfalls mit, dass um Soledar weiter gekämpft werde.

Sowohl die russische Militärführung als auch die bei Soledar eingesetzte berüchtigte russische Söldnertruppe Wagner hatten die Eroberung von Soledar verkündet. Dabei beanspruchte vor allem die paramilitärische Organisation Wagner den Erfolg für sich, woraufhin das Verteidigungsministerium in Moskau nachgab und der Söldnertruppe den Sieg zuschrieb. «Sie beißen sich schon gegenseitig, wem ein taktischer Fortschritt zugeschrieben werden soll», kommentierte Selenskyj den Streit. Dies sei bereits ein «klares Signal des Versagens».

Sollte Soledar gefallen sein, gerät dadurch die gesamte seit Juli von Kiew gehaltene Verteidigungslinie von Siwersk bis nach Bachmut ins Wanken. Zusammen mit den Berichten über russische Geländegewinne südlich von Bachmut könnte sich damit für die ukrainischen Truppen die Frage stellen, wie zweckmäßig es ist, dort weiter zu verbleiben. Sollte die Ukraine Bachmut preisgeben, wären die nächsten Ziele für die russische Armee die bisher relativ verschonten Städte Slowjansk, Kramatorsk, Druschkiwka und Kostjantyniwka.

+++ Außenminister: Fünf Staaten bereit zu Leopard-Lieferung an Kiew +++

Fünf europäische Staaten sind nach den Worten des ukrainischen Außenministers Dmytro Kuleba bereit, Kampfpanzer des Typs Leopard-2 an Kiew zu liefern. Es fehle lediglich die Zustimmung Berlins, sagte Kuleba am Freitagabend, wie die «Ukrainska Prawda» berichtete. Die Ukraine sei damit «einen halben Schritt von der Lösung der Panzerfrage entfernt». Frankreich habe in der Diskussion den Anfang gemacht mit der angekündigten Lieferung schwerer Radpanzer. Danach habe Polen mit seinem Vorstoß zur Lieferung einer Kompanie Leoparden «andere Länder geweckt».

Danach habe auch Finnland seine Bereitschaft erklärt, sich einer europäischen Initiative anzuschließen und der Ukraine Leopard-Panzer zu überlassen. «Und ich kenne noch mindestens drei weitere Länder, die dazu bereit sind, aber noch nicht darüber reden», sagte Kuleba. Sie warteten noch darauf, dass «auch die Deutschen herauskommen und sich dafür aussprechen».

+++ IAEA-Chef reist wieder in die Ukraine - Experten in allen AKWs +++

Die Internationale Atomenergiebehörde (IAEA) wird nächste Woche zur Erhöhung der nuklearen Sicherheit weitere Experten in ukrainischen Atomkraftwerken stationieren. IAEA-Chef Rafael Grossi werde zum Start dieser Mission in die Ukraine reisen, teilte die UN-Behörde am Freitagabend in Wien mit. «Bald wird die IAEA in allen Kernkraftwerken der Ukraine, einschließlich Tschernobyl, dauerhaft präsent sein», sagte Grossi. Es müsse alles getan werden, um im Ukraine-Krieg die Gefahr eines schweren nuklearen Unfalls abzuwenden.

Deshalb gingen auch seine Bemühungen für eine Schutzzone um das immer wieder beschossene AKW Saporischschja weiter, sagte Grossi. Das Gelände des AKW Saporischschja, das größte in Europa, war immer wieder Ziel von Angriffen. Die Ukraine und Russland beschuldigten sich gegenseitig, dafür verantwortlich zu sein.

+++ Kiew erwartet EU-Beitritt in weniger als zwei Jahren +++

Der ukrainische Regierungschef Denys Schmyhal rechnet mit dem EU-Beitritt seines Landes in weniger als zwei Jahren. Das sagte Schmyhal am Freitag mit Blick auf den bevorstehenden EU-Gipfel im kleinen Kreis am 3. Februar in Kiew. Neben EU-Kommissionschefin Ursula von der Leyen werden zehn EU-Kommissare zu den Konsultationen in der ukrainischen Hauptstadt erwartet. «Dieser Besuch ist nicht nur ein wichtiges Signal zur weiteren Unterstützung der Ukraine im Krieg (gegen Russland), sondern zeigt auch, dass die EU dem Verhandlungsprozess über den Beitritt der Ukraine offen gegenübersteht.» Die EU hatte die Ukraine im Juni zusammen mit Moldau zum EU-Beitrittskandidaten erklärt.

+++ Buschmann zu Leopard-Lieferungen: «Das darf kein Tabu sein»+++

Bundesjustizminister Marco Buschmann hat sich offen für eine Lieferung von Kampfpanzern vom Typ Leopard 2 an die Ukraine gezeigt. «Meine persönliche Auffassung ist klar und die lautet: Das darf kein Tabu sein», sagte der FDP-Politiker der «Augsburger Allgemeine» (Samstag). «Würde Herr Putin aus den fortwährenden Aggressionen gegen seine Nachbarn die Lehre ziehen, dass er sich am Ende mit dieser Taktik durchsetzt, wird er immer weitermachen.» Das mache Europa nicht sicherer, sondern unsicherer.

Rechtliche Bedenken hat Buschmann bei einer Lieferung von Kampfpanzern nicht. «Die Ukraine befindet sich im Recht, weil sie einen Selbstverteidigungskrieg führt.» Nach dem Völkerrecht dürfe Deutschland der Ukraine dafür Waffen liefern. «Wir werden dadurch nicht zur Kriegspartei. Egal, welche Qualität die Waffen haben», sagte Buschmann. Ihm sei wichtig, sich beim Thema Waffenlieferungen ganz eng mit den Verbündeten abzustimmen.

Nach einem ersten Vorstoß Polens hatte auch Finnland am Donnerstag vorsichtige Bereitschaft angedeutet, der Ukraine Leopard-2-Panzer zu überlassen. Damit wächst der Druck auf Bundeskanzler Olaf Scholz und die Ampel-Regierung, auf die monatelangen Forderungen und Bitten Kiews nach schweren Waffen einzugehen.

Der Bundesregierung liegen eine Woche vor den neuen Ramstein-Gesprächen über Militärhilfe für die Ukraine keine Anträge auf eine Überlassung von Leopard-Kampfpanzern vor. «Es gibt keine Frage, auf die wir Nein sagen müssten, sondern wir sagen im Moment, dass wir uns in einem ständigen Austausch darüber befinden, was zu diesem Zeitpunkt das Richtige ist und wie wir die Ukraine unterstützen», sagte die stellvertretende Regierungssprecherin Christiane Hoffmann am Freitag in Berlin.

+++ Scholz kritisiert «aufgeregte Stellungnahmen» in Panzer-Debatte +++

Bundeskanzler Olaf Scholz (SPD) hat «aufgeregte Stellungnahmen» in der Debatte um die Lieferung von Kampfpanzern an die Ukraine kritisiert und zu mehr Besonnenheit aufgerufen. Die «Notwendigkeit, alle zehn Minuten etwas sagen zu müssen», dürfe nicht dazu führen, Entscheidungen, «die mit Krieg und Frieden zusammenhängen», schlicht «mal so aus der Hand zu schütteln», sagte Scholz am Freitag in Berlin. Deutschland werde in Fragen der weiteren Unterstützung für Kiew «immer eng abgestimmt und koordiniert mit unseren Freunden und Verbündeten» handeln, betonte er.

Es gehe dabei auch um die Sicherheit Deutschlands und Europas, sagte Scholz bei einer gemeinsamen Pressekonferenz mit Iraks neuem Ministerpräsidenten Mohammed Schia al-Sudani. Mit Blick auf die Debatte um die mögliche Lieferung der Kampfpanzer vom Typ Leopard 2 betonte Scholz, die Mehrheit der Bürgerinnen und Bürger unterstütze trotz der «lauten Kommentierungswelten» in Berlin die besonnene Haltung der Bundesregierung, die Entscheidungen sorgfältig vorbereite.

+++ Bundesregierung: Lieferung von Leopard ohne Zustimmung wäre illegal +++

Der Bundesregierung liegen eine Woche vor den neuen Ramstein-Gesprächen über Militärhilfe für die Ukraine keine Anträge auf eine Überlassung von Leopard-Kampfpanzern vor. «Es gibt keine Frage, auf die wir Nein sagen müssten, sondern wir sagen im Moment, dass wir uns in einem ständigen Austausch darüber befinden, was zu diesem Zeitpunkt das Richtige ist und wie wir die Ukraine unterstützen», sagte die stellvertretende Regierungssprecherin Christiane Hoffmann am Freitag in Berlin. Einen sehr engen Austausch gebe es vor allem mit den USA, mit Frankreich, mit Großbritannien, aber auch mit Polen und mit Spanien.

Auf die Frage, was eine Weitergabe der Panzer aus deutscher Produktion ohne Zustimmung Deutschlands bedeuten würde, sagte sie: «Das wäre ja rechtswidrig. Es braucht ja die Zustimmung der Bundesregierung dazu. Das sind die Regeln.» Die Bundesregierung erwarte das auch nicht. «Das ist nichts, was uns umtreibt oder was wir befürchten. Ich halte das nicht für eine realistische Annahme», sagte sie. Eine Sprecherin des Bundeswirtschaftsministeriums sagte, nötig seien sogenannte Reexportgenehmigungen. Die Vorgaben dafür seien im Kriegswaffenkontrollgesetz und im Außenwirtschaftsgesetz geregelt.

+++ Umfrage: Deutsche bei Kampfpanzer-Lieferungen unentschieden +++

Die deutsche Bevölkerung ist sich bei der Frage nach Lieferungen von Kampfpanzern vom Typ Leopard an die Ukraine uneinig. Wie eine Umfrage im Auftrag des Nachrichtenmagazins «Focus» am Freitag ergab, seien 40 Prozent der Befragten dafür, die Kampfpanzer zu liefern. Eine ebenso große Gruppe (40 Prozent) lehnt die Lieferungen hingegen ab. 20 Prozent seien unentschlossen oder machten keine Angaben.

Bei den Anhängern der Grünen ist die Zustimmung mit 55 Prozent am höchsten - bei den Wählern der SPD sprechen sich 54 Prozent für eine Lieferung des Leopard 2 aus. Die Ablehnung zu Aushändigungen von deutschen Kampfpanzern ist hingegen bei Wählern der AfD (96 Prozent) und der Linken (91 Prozent) am größten.

Polen hatte sich am Mittwoch bereit erklärt, zusammen mit Bündnispartnern Kampfpanzer vom Typ Leopard 2 in die Ukraine zu liefern. Deutschland hat der Ukraine bisher nur die leichteren und weniger schlagkräftigen Schützenpanzer vom Typ Marder zugesichert. Deutschland spielt in der Debatte eine Schlüsselrolle, weil die Panzer in Deutschland entwickelt wurden. In der Regel muss die Weitergabe von Rüstungsgütern aus deutscher Produktion an Dritte genehmigt werden.